21. Mai 2026 Zugelassene Orphan Drugs
Als selten gelten in der Europäischen Union (EU) Krankheiten, die nicht mehr als einen von 2.000 EU-Bürgern betreffen. Durch die seit 2000 geltende europäische Verordnung zu Arzneimitteln gegen seltene Krankheiten (den Orphan-Medikamenten oder Orphan Drugs) stehen den Patientinnen und Patienten in der Europäischen Union (EU) derzeit 163 solcher Orphan-Medikamente zur Verfügung. Diese sind nachfolgend aufgelistet. Hinzu kommen 99 Medikamente gegen seltene Krankheiten, die den Orphan-Status nicht mehr besitzen, weil er verordnungsgemäß nach zehn Jahren abgelaufen ist oder von der Firma zurückgegeben wurde. Fast alle dieser Medikamente sind noch im Markt.
Derzeit (Stand: Januar 2026) werden noch weitere rund 2.900 Arzneimitteltherapien entwickelt, die ebenfalls den Orphan Drug-Status, aber noch keine Zulassung erhalten haben. Dieser Status wird von der Europäischen Kommission nach der Prüfung von Projektunterlagen des Herstellers vergeben und bringt für diesen Vorteile in Form einer zehnjährigen Marktexklusivität für das Orphan-Medikament nach seiner Zulassung (unabhängig vom Patentschutz); teilweise ist er auch mit der Reduktion oder dem Erlass bestimmter Gebühren verbunden.
Die unten angegebenen Erkrankten-Zahlen basieren auf dem Dokument der Zuerkennung des Orphan-Status der europäischen Zulassungsbehörde EMA. Datiert dieses vor 2020, wurde die Zahl auf die aktuelle Bevölkerungszahl der EU hochgerechnet (lt. Eurostat 447 Mio. Einwohner). Unterschiedliche Zahlen der Betroffenen in einem bestimmten Anwendungsgebiet sind in unterschiedlichen Alters- und Patientengruppen begründet. Einige Wirkstoffe sind gegen mehr als eine seltene Erkrankung angezeigt und tauchen deshalb in der Liste mehrfach auf.
| Wirkstoff | Weitere Angaben | |||
|---|---|---|---|---|
| Fedratinib | Erläuterung: | krankhafte Veränderung des Knochenmarks nach essenzieller Thrombozythämie | ||
| Betroffene in der EU [1]: | 7.000 | |||
| Krankheit: | Myelofibrose, sekundär, post-essenzielle Thrombozythämie | |||
| Arzneimittel: | Inrebic® | |||
| Firma: | Bristol Myers Squibb | |||
| Zulassung: | Feb 2021 | |||
| Fedratinib | Erläuterung: | krankhafte Veränderung des Knochenmarks | ||
| Betroffene in der EU [1]: | 13.000 | |||
| Krankheit: | Myelofibrose, primär | |||
| Arzneimittel: | Inrebic® | |||
| Firma: | Bristol Myers Squibb | |||
| Zulassung: | Feb 2021 | |||
| Fedratinib | Erläuterung: | krankhafte Veränderung des Knochenmarks | ||
| Betroffene in der EU [1]: | 7.000 | |||
| Krankheit: | Myelofibrose, sekundär, post-Polycythaemia vera | |||
| Arzneimittel: | Inrebic® | |||
| Firma: | Bristol Myers Squibb | |||
| Zulassung: | Feb 2021 | |||
| Fenfluramin | Erläuterung: | schwere Form der Epilepsie (bei Kindern) | ||
| Betroffene in der EU [1]: | 89.000 | |||
| Krankheit: | Lennox-Gastaut-Syndrom | |||
| Arzneimittel: | Fintepla® | |||
| Firma: | UCB | |||
| Zulassung: | Jan 2022 | |||
| Fenfluramin | Erläuterung: | Form der Epilepsie | ||
| Betroffene in der EU [1]: | 20.000 | |||
| Krankheit: | Dravet Syndrom | |||
| Arzneimittel: | Fintepla® | |||
| Firma: | UCB | |||
| Zulassung: | Dez 2020 | |||
| Fosdenopterin | Erläuterung: | Enzymausfall, weil ohne den Cofaktor Enzymproduktion unmöglich | ||
| Betroffene in der EU [1]: | 450 | |||
| Krankheit: | Molybdän-Cofaktor Mangel Typ A | |||
| Arzneimittel: | Nulibry® | |||
| Firma: | TMC | |||
| Zulassung: | Sep 2022 | |||
[1] laut Zuerkennung des Orphanstatus