Antibiotika-Entwicklung: Arbeit mit gefährlichen Erregern
Seit Jahren suchen Arzneimittelforscher auf der ganzen Welt nach einem schlagkräftigen neuen Antibiotikum, das auch gegen so genannte grampositive Erreger wie Staphylokokken und Enterokokken wirkungsvoll hilft. Diese Bakterien machen vor allem Krankenhauspatienten häufig zu schaffen. Das Problem dabei: Weil etliche Erreger gegen die üblichen Antibiotika resistent - also unempfindlich - sind, ist die Behandlung der Betroffenen in der Vergangenheit zunehmend schwieriger geworden.

Auf umso positivere Resonanz fällt da eine Meldung des britischen Fachjournals "Nature", nach der ein Forscherteam eines forschenden Arzneimittelherstellers unter 250.000 getesteten Substanzen einen neuen Wirkstoff mit dem Namen Platensimycin entdeckt hat. In ersten Tierversuchen ist das neue Antibiotikum bereits erfolgreich gestestet worden.

Das Molekül beruht auf einer Substanz aus dem in Südafrika vorkommendem Mikroorganismus, Streptomyces platensis. Wie die Arzneimittelforscher herausgefunden haben, blockiert es ein Enzym, das die Bakterien für die Bildung von Fettsäuren für ihre Zellmembranen benötigen. Durch diesen innovativen Wirkmechanismus könnte Platensimycin der erste Vertreter einer völlig neuen Klasse von Antibiotika werden.

Platensimycin wirkt sowohl gegen Staphylokokken, die gegen Methicillin resistent sind, als auch gegen Enterokokken, gegen die das Reserve-Antibiotikum Vancomycin nichts mehr ausrichtet.

Mit dem gefährlichen Bakterium Staphylococcus aureus infizierte Mäuse konnten im Tierversuch erfolgreich und ohne schädliche Nebenwirkungen mit Hilfe von Platensimycin behandelt werden. Auch in der Bekämpfung von Coli-Bakterien erwies sich die Substanz als wirksam.

Mit Platensimycin ist den forschenden Pharma-Unternehmen ein weiterer Durchbruch in der schwierigen und langwierigen Suche nach neuen Wirkstoffen gelungen. Zwar wird es noch einige Jahre dauern, bis der Wirkstoff auch zur Behandlung von Menschen eingesetzt werden kann, aber ein Blick auf die jüngsten Zulassungen zeigt, dass die Forschungsarbeit der Unternehmen auf diesem Gebiet in den vergangenen Jahren große Früchte getragen hat. Allein seit dem Jahr 2000 sind mit vier neuen Antibiotika zugleich vier neue Antibiotika-Klassen in die Behandlung eingeführt worden: die Ketolide, die Oxazolidinone, die Glycylcycline und die zyklischen Lipopeptide. Sie alle überwinden Resistenzen, die Bakterien gegen ältere Antibiotika entwickelt haben. Weitere Erfolg versprechende Einführungen stehen in den nächsten Jahren bevor.

Quelle: Nature, Bd. 441, S. 358: "Platensimycin is a selective FabF inhibitor with potent antibiotic properties"