Derzeit unterhalten 21 von 43 Mitgliedsunternehmen des vfa Labors für Wirkstoffforschung oder vorklinische Entwicklung in Deutschland. 33 Unternehmen koordinieren von Deutschland aus klinische Studien im Inland und teilweise auch in anderen Ländern. Sie wenden pro Jahr rund 5,2 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung (F&E) allein in Deutschland auf; das entspricht täglich 14 Millionen Euro für die Arzneimittelforschung. Das zeigt, dass Deutschland für international agierende pharmazeutische Unternehmen nach wie vor ein wichtiger Standort ist.
In ihren Labors in Deutschland kümmern sich forschende Pharma-Unternehmen insbesondere um:
- Schlaganfall und andere Thrombose-Erkrankungen
- Diabetes
- Krebs
- Schmerzen
- Alzheimer
Daneben spielen weitere Herz-Kreislauf-Krankheiten, Atemwegs-, neurologische und psychiatrische Erkrankungen sowie die Frauengesundheit eine Rolle.
Ein wichtiges Plus für ihre deutschen Standorte sehen viele Mitgliedsfirmen des vfa in ihren gut ausgebildeten, motivierten und verantwortungsvollen Mitarbeitern. Das gilt für Wissenschaftler, Manager und Ingenieure genauso wie etwa für Laboranten und Tierpfleger. 2010 waren mehr als 17.000 Mitarbeiter in der F&E tätig - ein Fünftel der Belegschaft.
Für den Standort sprechen zudem das dichte Netz von guten bis sehr guten Universitäten und Fakultäten, eine Vielzahl außeruniversitärer Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-, Leibniz- und Fraunhofer-Institute, die Helmholtz-Zentren und sehr viele Biotech-Start-up-Firmen. Medizinische Expertise wird in Deutschland auch durch die Kompetenznetze in der Medizin" gebündelt, in der Ärzte Einrichtungs-übergreifend Krankheiten wie Depression, Sepsis oder Krebs bei Kindern erforschen. 2010/2011 kamen auch noch sechs Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung hinzu, die neue Vorsorge- und Behandlungsmöglichkeiten für Volkskrankheiten finden sollen.
Linkes Bild: Für ihr neues Medikament gegen Thrombosen
erhielten die Pharmaforscher Dr. Dagmar Kubitza, Dr. Frank Misselwitz und Dr. Elisabeth Perzborn (v. li.) 2009 den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten. 7 Rechtes Bild: In Deutschland wurde der erste trifunktionale Antikörper (rot/orange) entwickelt. Er ist imstande, an eine Krebszelle (oben) zwei verschiedenen
Immunzellen zu binden, die die Krebszelle daraufhin zerstören.
(© Bayer; TRION Pharma)
Allerdings verfügen Länder wie die USA, Frankreich und die Schweiz über mehr oder ähnlich viel Pharma-F&E-Kapazität wie Deutschland, und inzwischen gibt es mit Indien, China und Singapur neue Wettbewerber in der Pharmaforschung.
Verschiedene Standortfaktoren bestimmen, wo F&E-Einrichtungen ausgebaut oder neu errichtet werden. Dazu gehören neben einer guten Infrastruktur auch exzellente Kooperationspartner wie Hochschulen oder andere Forschungseinrichtungen, hoch qualifizierte Arbeitskräfte und ein flexibles Arbeitsrecht. Wesentlich ist auch eine zügige Bearbeitung von Anträgen durch die Behörden, wie sie für Versuche, klinische Studien, Medikamentenzulassungen und neue Anlagen erforderlich sind. Auch die Akzeptanz von Arzneiforschung und innovativen Medikamenten in Politik und Bevölkerung spielt eine große Rolle. Bei einigen dieser Faktoren schneiden z.B. die USA und Singapur wesentlich besser ab als Deutschland.
Besonderes Augenmerk gilt Kooperationen zwischen Pharmafirmen und führenden akademischen Grundlagenforschern. Während diese in den USA und Großbritannien zum Forschungsalltag gehören, behindern in Deutschland mitunter noch ungeklärte Rechtsfragen und die Furcht vor einer Einschränkung der akademischen Freiheit von Forschung und Lehre das Zustandekommen von mehr Industriepartnerschaften.
Hinweis auf eine Studie in einer U-Bahn (fiktives Beispiel).
Deutschland hat sich zu einem der weltweit wichtigsten
Länder für klinische Studien entwickelt.
(© vfa / Fotolia)
Deutschland ist in den letzten Jahren als Standort für klinische Studien attraktiver geworden. Das hat dazu geführt, dass in Deutschland mehr Studien als in allen anderen Ländern Europas durchgeführt werden. Dies ist nicht zuletzt zuverlässigen und transparenten Genehmigungsprozessen und der hohen Genauigkeit deutscher Kliniken bei der Durchführung und Datenerfassung zu verdanken. Aber es gibt für die klinische Forschung hierzulande auch Handicaps. So finden die Unternehmen zwar leicht Kliniken, die an Studien mitwirken, doch zu selten Ärzte, die willens und in der Lage sind, die internationale Leitung solcher Studien zu übernehmen oder selbst neue Arzneitherapieschemata zu entwickeln. Da ist es nicht verwunderlich, dass die meisten international bedeutenden Arzneimittelstudien in den USA, Großbritannien oder Skandinavien konzipiert wurden und nicht hierzulande. Eine Ursache dafür ist, dass klinische Forschung im Vergleich zur Laborforschung geringeres Ansehen genießt. Auch ist der bürokratische Aufwand für klinische Forschung sehr hoch, und sie kann hierzulande meist nur im Anschluss an die normale Patientenversorgung nach Feierabend durchgeführt werden. Hier ist noch umfassendere Abhilfe nötig. Davon würden nicht zuletzt die Patienten profitieren, können sie doch dort, wo neue Therapieformen entwickelt werden, effektiver versorgt werden als da, wo Neues erst nach seiner Etablierung im Ausland allmählich Eingang findet.
Das Bundesforschungsministerium (BMBF) hat inzwischen auf die Herausforderungen im Wettbewerb der Forschungsstandorte reagiert und verschiedene Initiativen auf den Weg gebracht, darunter die "Pharma-Initiative für Deutschland". Im Rahmen des Biopharma-Wettbewerbs", dem Herzstücks dieser Initiative, unterstützt das BMBF drei Konsortien aus Pharma- und Biotechunternehmen sowie akademischen Forschungsgruppen bei Projekten zur Überwindung grundsätzlicher Engpässe in der Pharmaforschung. Auch die Förderung aus der europäischen Innovative Medicines Initiative (IMI), die zu gleichen Teilen von der EU und der Pharmaindustrie finanziert wird, kommt der Pharmaforschung in Deutschland zugute. Werden solche Initiativen nicht wieder durch gesetzgeberische Aktivitäten konterkariert, die neuen Medikamenten den Markteintritt erschweren, könnten sie die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes als F&E-Standort wieder steigern. Dazu würde auch eine steuerliche Forschungsförderung beitragen, wie sie bei vielen Wettbewerbern Deutschlands längst etabliert ist.
Die forschenden Pharma-Unternehmen haben immer wieder durch hohe Investitionen und das Schaffen neuer Arbeitsplätze bewiesen, dass sie auf Deutschland setzen. In einer globalisierten Welt, in der die bisherigen Standorte im Wettbewerb miteinander stehen und in Asien neue Konkurrenten hinzugekommen sind, ist dies aber nur möglich, wenn innovationsfreundliche und verlässliche Rahmenbedingungen gegeben sind. Dazu zählt auch eine faire Erstattung für innovative Präparate.
Viele Unternehmen bieten Schulklassen und anderen Interessierten die Möglichkeit, einen persönlichen Eindruck von der Pharmaforschung zu gewinnen.
(© vfa / M. Joppen)
Ein Exodus der Forscher und Entwickler würde gerade für Deutschland als rohstoffarmes Land einen erheblichen Verlust an Wirtschaftskraft, an Wettbewerbsfähigkeit und nicht zuletzt an einem Stück Identität bedeuten. Denn aus Labors in Deutschland sind wegweisende Wirkstoffe wie die Schmerzmittel ASS und Paracetamol hervorgegangen, auch wichtige Antibiotika wie Cefotaxim und Ciprofloxacin oder der HIV-Wirkstoff Nevirapin, der Kinder vor Ansteckung bei ihren Müttern schützt. Das erste Medikament, das das Leben von Leberkrebspatienten verlängern kann, ist ebenso Resultat hiesiger Industrieforschung wie innovative Mittel zur Schlaganfallvorbeugung und der erste Antikörper, der an drei Zellen zugleich binden kann. Auch neue Darreichungsformen wie eine polymerhaltige Tablette, mit der empfindliche Wirkstoffe stabilisiert und ungekühlt aufbewahrt werden können, wurden hierzulande erfunden.
Innovationen wie diese haben bis heute immer wieder den medizinischen Fortschritt international vorangebracht. Der vfa setzt sich dafür ein, dass Deutschland seine Bedeutung auf diesem Gebiet weiter ausbauen kann.
"Die Standorte für Forschung und Entwicklung der vfa-Mitglieder und ihrer Tochterunternehmen"
(© vfa)
Standortkarte als
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Dieser Text basiert auf der vfa-Broschüre
"Forschung für das Leben. Entwicklungsprojekte für innovative Arzneimittel".
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