Blutgerinnsel entstehen in einer Vene durch das Zusammenwirken mehrerer Blutproteine, der Gerinnungsfaktoren. Die wichtigsten sind Faktor Xa (gesprochen „Zehn a“, in der Grafik grün) und Thrombin (violett). Die Gerinnungsfaktoren werden in der Leber gebildet und ins Blut abgegeben, mit dem sie durch den Körper zirkulieren, bereit, bei einer Verwundung aktiv zu werden.
Normalerweise wird Faktor Xa nur am Ort einer Verletzung aktiviert (Aktivierung dargestellt als Lichtschein um den Faktor). Unter bestimmten Umständen „erwacht“ er jedoch auch in unbeschädigten Venen und beginnt, eine Gerinnung auszulösen. Dazu aktiviert er Thrombin (ebenfalls durch Lichtschein veranschaulicht), das dann lange Fibrinfäden spinnt, in denen sich Blutkörperchen verfangen: Dies ist der eigentliche Gerinnungsvorgang, und er führt in diesem Falle nicht zu einem Wundverschluss, sondern zu einem Gerinnsel, das die Vene zu verstopfen droht. Es kann aber auch mit dem Blut mitgerissen werden und dann Gefäße in der Lunge oder im Gehirn verstopfen.
Gerinnungshemmende Medikamente – sogenannte Antithrombotika – können das verhindern. Sie wirken auf unterschiedliche Weise, wie in der Grafik für einige wichtige Arzneimittelklassen veranschaulicht:
Cumarinderivate (1) – auch Vitamin-K-Antagonisten genannt – bremsen die Leber bei der Bildung von Gerinnungsfaktoren. Sind hierdurch weniger Faktoren im Blut, kommt die Gerinnung schwerer in Gang. Von der Einnahme als Tablette bis zur vollen Wirksamkeit vergehen bei den Cumarinderivaten allerdings mehrere Tage. Und die Wirkung muss wöchentlich nachgemessen und daraufhin die Dosis nachjustiert werden. Sonst liefe der Patient Gefahr, doch ein Gerinnsel zu bekommen oder an inneren Blutungen zu leiden.
Niedermolekulare Heparine (2) hindern Faktor Xa daran, Thrombin zu aktivieren. Sie greifen also kurz vor der eigentlichen Gerinnung ins Geschehen ein. Ihre Wirkung tritt binnen weniger Stunden und damit weitaus schneller ein als bei den Cumarinderivaten. Anders als diese müssen sie jedoch unter die Haut gespritzt werden.
(„Niedermolekular“ bezieht sich auf das Herstellungsverfahren dieser Präparate. Dabei werden die sehr großen - "hochmolekularen" - Moleküle des natürlichen Heparins, das z.B. aus Schweinedarm gewonnen wird, gezielt verkleinert. Das verbessert die Zuverlässigkeit ihrer Wirksamkeit und Wirkstärke.)
Beide Arzneimittelklassen sind seit mehr als einem halben Jahrhundert im Einsatz.
Seit Oktober 2008 ist jedoch der erste sogenannte
direkte orale Faktor-Xa-Hemmer (3) zugelassen; ein zweiter folgte im Mai 2011, und weitere sind in der Erprobung. Sie bremsen die Gerinnung ebenso schnell und auf gleiche Weise wie die niedermolekularen Heparine, indem sie Faktor Xa blockieren. Sie können jedoch als Tabletten geschluckt werden, was ihre Anwendung für die Patienten und ihre Pflegekräfte einfacher macht. Ihre Dosis muss auch nicht wie bei den Cumarinderivaten wiederholt nachjustiert werden. Die derzeitige Zulassung ist allerdings noch auf die Anwendung bei orthopädischen Operationen beschränkt.
Seit März 2008 ist auch ein
direkter oraler Thrombin-Hemmer (4) zugelassen, und ein weiterer ist in Entwicklung. Diese Präparate stoppen die Blutgerinnung im letzten Moment, indem sie das Thrombin daran hindern, Fibrinfäden zu bilden. Auch sie können geschluckt werden (z.B. als Kapsel), mit allen Vorteilen für Patient und Pflegekräfte. Sie wirken ebenfalls binnen weniger Stunden und müssen auch in ihrer Dosis nicht nachjustiert werden. Auch hier ist die Zulassung noch auf die Anwendung bei orthopädischen Operationen beschränkt.
Die direkten oralen Faktor-Xa-Hemmer und Thrombin-Hemmer können, wenn sie sich noch auf anderen Gebieten der Verhinderung und Behandlung von Thrombosen bewähren, möglicherweise in einigen Jahren die Cumarinderivate und die niedermolekularen Heparine in vielen medizinischen Anwendungsgebieten ersetzen.
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„Schlaganfälle, Thrombosen und Embolien: Besser vorbeugen“