In Deutschland zugelassene Arzneimittel für die individualisierte Medizin

Das Erbgut eines Menschen beeinflusst, was mit Medikamenten-Wirkstoffen im Körper geschieht. Daraus ergibt sich, wie gut, wie schnell und wie lange sie wirken und welche Nebenwirkungen sie hervorrufen. Bereits geringfügige Unterschiede in der DNA zweier Patienten können dazu führen, dass das gleiche Medikament jeweils ganz anders bei ihnen wirkt.


Mit Hilfe von Genchips lässt sich schnell testen, wie verschiedene Arzneimittel-relevante Gene eines Patienten beschaffen sind (©  vfa/M.Joppen)

In ähnlicher Weise können sich nicht nur angeborene Erbgut-Eigenheiten auswirken, sondern auch genetische Veränderungen, die speziell in Tumorzellen im Verlaufe einer Krebserkrankung auftreten. Die Tumorzellen können durch solche Veränderungen resistent gegen bestimmte Krebsmedikamente werden, oder auch besonders anfällig.

Das zunehmende Wissen um diese Zusammenhänge hat dazu geführt, dass die medikamentöse Behandlung in einigen Fällen bereits auf die genetische Ausstattung zugeschnitten werden kann. Die Behandlung erfolgt erst, nachdem der genetische Status des Patienten – oder bei einer Krebserkrankung dem des Tumorgewebes – mit einem Test geklärt und daraus die Eignung eines Medikaments abgeleitet wurde, ebenso dessen angemessene Dosierung. Fällt der Test negativ aus, weicht der Arzt auf eine andere Behandlung aus. Für die Patienten bedeutet das weniger unwirksame Therapieversuche und die Vermeidung unnötiger Nebenwirkungen.

Dieses ärztliche Vorgehen wird oft als individualisierte oder personalisierte Medizin bezeichnet. Es ist vor allem in einigen Bereichen der Onkologie schon Alltag; in den nächsten Jahren könnte es aber auch in vielen weiteren medizinischen Fachdisziplinen Einzug halten.

Im folgenden sind die 10 Wirkstoffe aufgeführt, für die in Deutschland ein Gentest vorgeschrieben ist (oder ein Test, der den Genstatus indirekt ermittelt) und ebenso weitere 4 Wirkstoffe, für die ein solcher Test empfohlen ist. Die Informationen basieren auf öffentlichen Bekanntmachungen, in der Regel auf dem öffentlichen Bewertungsbericht (EPAR) der EMEA.

Abacavir
Krankheitsgebiet
HIV/ Aids
Test auf
Nebenwirkungen
Testbeschreibung
Test auf Vorhandensein des HLA-B*5701-Allels (erhöht Risiko für Überempfindlichkeit)
Konsequenz aus dem Test
keine Anwendung bei positivem Test
was wird getestet
Blut
Status
Pflichttest seit Feb 2008
Quelle
European Public Assessment Report (EPAR)
Bemerkung
positives Testgergebnis bei ca. 5 % aller Patienten; bei 48-61 % dieser Patienten Überempfindlichkeitsreaktion; vor Testpflicht Hinweis auf mögliche schwere Nebenwirkungen


Azathioprin
Krankheitsgebiet
Immunsuppressivum
Test auf
Nebenwirkungen
Testbeschreibung
Test auf Thiopurin-Methyltransferase (TPMT)-Mangel durch Gen- oder Enzymtest wegen möglicher extremer myelosuppressiver Wirkung
Konsequenz aus dem Test
keine Anwendung bei positivem Test
was wird getestet
Blut
Status
von der Fachinformation des Herstellers empfohlener Test
Quelle
Fachinformation des Herstellers
Bemerkung
positives Testgergebnis bei ca. 0,3 % der Patienten, 10 % mit mittlerem Risiko; Test wird nur für den Fall empfohlen, dass sofort volle Dosis gegeben werden muss


Cetuximab
Krankheitsgebiet
Onkologie / Darmkrebs
Test auf
Wirksamkeit
Testbeschreibung
Test auf nicht-mutiertes (Wildtyp) KRAS-Gen
Konsequenz aus dem Test
Anwendung nur bei nicht-mutierter KRAS-Variante
was wird getestet
Gewebeprobe
Status
von der Fachinformation des Herstellers empfohlener Test
Quelle
European Public Assessment Report (EPAR)
Bemerkung
nicht-mutierte KRAS-Variante bei ca. 40 % der Patienten


Dasatinib
Krankheitsgebiet
Onkologie / akute lymphatische Leukämie
Test auf
Wirksamkeit
Testbeschreibung
Test auf Philadelphia Chromosom; per FISH oder PCR (Polymerase Kettenreaktion)
Konsequenz aus dem Test
Anwendung nur bei positivem Test
was wird getestet
Blut
Status
Pflichttest seit Nov 2006
Quelle
European Public Assessment Report (EPAR)
Bemerkung
positives Testergebnis bei ca. 30 % der ALL-Patienten


Erlotinib
Krankheitsgebiet
Onkologie / Lungenkrebs
Test auf
Wirksamkeit
Testbeschreibung
Test auf Überexprimierung des epidermal growth factor receptors (EGFR)/HER1
Konsequenz aus dem Test
Anwendung nur bei EGFR-positiven Tumoren
was wird getestet
Gewebeprobe
Status
Pflichttest seit Sep 2005
Quelle
European Public Assessment Report (EPAR)


Gefitinib
Krankheitsgebiet
Onkologie / Lungenkrebs
Test auf
Wirksamkeit
Testbeschreibung
Test auf Überexprimierung des epidermal growth factor receptors (EGFR)
Konsequenz aus dem Test
Anwendung nur bei EGFR-TK positiven Tumoren
was wird getestet
Gewebeprobe
Status
Pflichttest seit Jul 2009
Quelle
Pressemitteilung AstraZeneca vom 1. Juli 2009
Bemerkung
positives Testergebnis bei ca. 10-15 % der Patienten


Imatinib
Krankheitsgebiet
Onkologie / akute lymphatische Leukämie (ALL) und chronisch-myeloische Leukämie (CML)
Test auf
Wirksamkeit
Testbeschreibung
Test auf Philadelphia-Chromosom; per FISH oder PCR (Polymerase Kettenreaktion)
Konsequenz aus dem Test
Anwendung nur bei positivem Test
was wird getestet
Blut
Status
Pflichttest seit Nov 2001
Quelle
European Public Assessment Report (EPAR)
Bemerkung
positives Testergebnis bei ca. 30 % der ALL-Patienten


Lapatinib
Krankheitsgebiet
Onkologie / Brustkrebs
Test auf
Wirksamkeit
Testbeschreibung
HER2-Überexprimierung; Immunohistochemistry (IHC)
Konsequenz aus dem Test
Anwendung nur bei HER2-Überexprimierung
was wird getestet
Gewebeprobe
Status
Pflichttest seit Jun 2008
Quelle
European Public Assessment Report (EPAR)
Bemerkung
HER2-Überexprimierung bei ca. 25 % der Patientinnen; mehrere Tests vorhanden


Maraviroc
Krankheitsgebiet
HIV/Aids
Test auf
Wirksamkeit
Testbeschreibung
Test auf Kombinationstherapie-resistente, an den CCR5-Rezeptor andockende CCR5-trope HI-Viren
Konsequenz aus dem Test
Anwendung nur bei positivem Test
was wird getestet
Blut
Status
Pflichttest seit Sep 2007
Quelle
European Public Assessment Report (EPAR)
Bemerkung
-


Mercaptopurin
Krankheitsgebiet
Onkologie
Test auf
Nebenwirkungen
Testbeschreibung
Test auf Thiopurin-Methyltransferase (TPMT)-Mangel durch Gen- oder Enzymtest wegen möglicher extremer myelosuppressiver Wirkung
Konsequenz aus dem Test
keine Anwendung bei positivem Test
was wird getestet
Blut
Status
von der Fachinformation des Herstellers empfohlener Test
Quelle
Fachinformation des Herstellers
Bemerkung
positives Testergebnis bei ca. 0,3 % der Patienten, 10 % mit mittlerem Risiko; Test wird nur für den Fall empfohlen, dass sofort volle Dosis gegeben werden muss


Nilotinib
Krankheitsgebiet
Onkologie / chronisch-myeloische Leukämie (CML)
Test auf
Wirksamkeit
Testbeschreibung
Test auf Philadelphia-Chromosom; per FISH oder PCR (Polymerase-Kettenreaktion)
Konsequenz aus dem Test
Anwendung nur bei positivem Test
was wird getestet
Blut
Status
Pflichttest seit Nov 2007
Quelle
European Public Assessment Report (EPAR)
Bemerkung
positives Testergebnis bei ca. 95 % der CML-Patienten


Panitumumab
Krankheitsgebiet
Onkologie/ Darmkrebs
Test auf
Wirksamkeit
Testbeschreibung
Test auf nicht-mutiertes (Wildtyp) KRAS-Gen als Biomarker
Konsequenz aus dem Test
Anwendung nur bei nicht-mutierter KRAS-Variante
was wird getestet
Gewebeprobe
Status
Pflichttest seit Dez 2007
Quelle
European Public Assessment Report (EPAR)
Bemerkung
nicht-mutierte KRAS-Variante bei ca. 40 % der Patienten


Tamoxifen
Krankheitsgebiet
Onkologie / Brustkrebs
Test auf
Wirksamkeit
Testbeschreibung
Test auf die Expressionsratio zweier Gene (HOXB13-IL17BR; Risiko des Wiederauftretens der Erkrankung)
Konsequenz aus dem Test
entsprechend dem Testergebnis Monotherapie mit Tamoxifen oder Kombination mit adjuvanter Chemotherapie
was wird getestet
Gewebeprobe
Status
vom National Cancer Institute (USA) empfohlener Test
Quelle
Deutsche Apotheker Zeitung, 34/2008 21.08.2008, S. 42
Bemerkung
-


Trastuzumab
Krankheitsgebiet
Onkologie / Brustkrebs
Test auf
Wirksamkeit
Testbeschreibung
Test auf HER2-Überexprimierung bei Brustkrebs; Nachweis der HER2-Proteine oder der Zahl der Genkopien
Konsequenz aus dem Test
Anwendung nur bei HER2-Überexprimierung
was wird getestet
Gewebeprobe
Status
Pflichttest seit Aug 2000
Quelle
European Public Assessment Report (EPAR)
Bemerkung
HER2-Überexprimierung bei ca. 25 % der Patientinnen; mehrere Tests vorhanden

Stand: 27.08.2009

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