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21. Mai 2026 In Deutschland zugelassene Arzneimittel für die Präzisionsmedizin

Bei der Präzisionsmedizin – auch Personalisierte Medizin genannt – stützt sich die Wahl einer bestimmten medikamentösen Therapie nicht nur auf eine genaue Krankheitsdiagnose, sondern zusätzlich auf Charakteristika des Patienten, die die Wirksamkeit, Verträglichkeit oder optimale Dosierung des in Betracht kommenden Medikaments beeinflussen können. Weitere personalisierte Medikamente werden unter Verwendung von körpereigenen Zellen, Geweben oder Gensequenzen der Person hergestellt. Das erklärte Ziel einer solchen Präzisionsmedizin ist es, die Therapie individuell bestmöglich auszuwählen und zu steuern.

Mithilfe der modernen Diagnostik werden (ergänzend zu von jeher berücksichtigten Parametern wie Körpergewicht oder möglicher Schwangerschaft) genetische, molekulare und zelluläre Besonderheiten des Patienten ermittelt. Darauf aufbauend wird das passende Medikament ausgewählt. Welche Tests das im einzelnen sind, hängt von den in Betracht gezogenen Medikamenten ab: Diagnostikum und Therapeutikum bilden quasi ein Tandem.

Allerdings ist nicht umgekehrt jede Therapie nach einem genetischen Vortest auch eine personalisierte; denn solche Tests können ebenso der Krankheitsdiagnose dienen (etwa zur Identifikation eines viralen Erregers oder einer Erbkrankheit).

Die im Folgenden aufgeführten, bisher zugelassenen Medikamente der Personalisierten Medizin mit 150 Wirkstoffen umfassen solche, für die in einer offiziellen Bekanntmachung - in der Regel in der Packungsbeilage oder der Fachinformation - ausdrücklich eine Testung vor der Behandlung verlangt oder empfohlen wird. Darüber hinaus sind hier solche Medikamente erfasst, die unter Verwendung körpereigener (autologer) Zellen, Geweben oder Gensequenzen hergestellt werden. Für 128 dieser Wirkstoffe ist ein diagnostischer Vortest vorgeschrieben, für weitere 10 Wirkstoffe wird ein solcher Test empfohlen. Darüber hinaus werden 12 Wirkstoffe mit autologen Bestandteilen hergestellt. Einige Wirkstoffe sind mehrfach aufgeführt, da sie gegen verschiedene Erkrankungen personalisiert eingesetzt werden oder bei verschiedenen Mutationen zugelassen sind.

Über diese Auflistung hinaus liefern viele Fachinformationen Hinweise auf genetische Besonderheiten, die die Wirksamkeit oder Sicherheit eines Medikaments beeinflussen, ohne zugleich eine diesbezügliche Testung zu verlangen oder zu empfehlen. Dies ist u.a. bei den Wirkstoffen Clopidogrel, Simvastatin und anderen Statinen der Fall. Bei Tamoxifen gehen solche Hinweise über die genetischen Merkmale hinaus, für die ein Test ausdrücklich vorgesehen wird. Solche unverbindlichen Hinweise wurden in der vorliegenden Aufstellung nicht berücksichtigt.

Wirkstoff Weitere Angaben
Lapatinib Krankheitsgebiet Brustkrebs
Test auf Wirksamkeit
Testbeschreibung Test auf HER2-Überexpression
Konsequenz aus dem Test Anwendung nur bei HER2-Überexpression
was wird getestet Gewebe
Status Pflichttest seit Jun 2008
Quelle Fachinformation
Bemerkungen positives Testergebnis bei ca. 25 % der Patient:innen; mehrere Tests vorhanden
Larotrectinib Krankheitsgebiet Solide Tumoren mit NTRK-Fusionsgen
Test auf Wirksamkeit
Testbeschreibung Test auf Vorhandensein einer neurotrophen Tyrosin-Rezeptor-Kinase (NTRK)-Genfusion
Konsequenz aus dem Test Anwendung nur bei positivem Test
was wird getestet Gewebe
Status Pflichttest seit Sep 2019
Quelle Fachinformation
Bemerkungen erstes agnostisches Medikament (organunabhängig)
Lazertinib Krankheitsgebiet Lungenkrebs, nicht-kleinzelliger
Test auf Wirksamkeit
Testbeschreibung Test auf EGFR-19-Deletion oder Exon-21-L858R-Substitution
Konsequenz aus dem Test Anwendung nur bei positivem Test
was wird getestet Gewebe
Status Pflichttest seit Jan 2025
Quelle Fachinformation
Lebendes (Hornhaut) Gewebeäquivalent Krankheitsgebiet Limbusstammzelleninsuffizienz nach Verbrennung o. Verätzung des Auges
Test auf Nicht relevant
Testbeschreibung kein Gentest, aber Verwendung von körpereigenen Zellen, Geweben oder Gensequenzen
Konsequenz aus dem Test Verwendung autologer Bestandteile
Status Nicht relevant
Quelle EMA
Lecanemab Krankheitsgebiet Alzheimer
Test auf Nebenwirkungen
Testbeschreibung Test auf Vorhandensein eines homozygoten ApoE ε4-Gens
Konsequenz aus dem Test Anwendung nur bei negativem Test
was wird getestet Blut oder Wangenabstrich
Status Pflichttest seit Apr 2025
Quelle Fachinformation
Lenalidomid Krankheitsgebiet Anämie bei myelodysplastischem Syndrom, transfusionsabhängig
Test auf Wirksamkeit
Testbeschreibung Test auf isolierte del-5q-Anomalie
Konsequenz aus dem Test Anwendung nur bei positivem Test
was wird getestet Blut
Status Pflichttest seit Jun 2013
Quelle Fachinformation
Letrozol Krankheitsgebiet Brustkrebs
Test auf Wirksamkeit
Testbeschreibung Test auf Hormonrezeptor-positive Brustkrebszellen; positiv = Expression von Estrogen- und/oder Progesteron-Rezeptoren bei >= 1% der Zellen
Konsequenz aus dem Test Anwendung nur bei positivem Test
Status Pflichttest seit Jan 1997
Quelle Fachinformation
Bemerkungen bei metastasierten Brustkrebs Zulassung auch ohne Vortest
Lisocabtagen Maraleucel CD4-Zell-Komponente / Lisocabtagen Maraleucel CD8-Zell-Komponente Krankheitsgebiet B-Zell-Lymphom, diffus großzelliges (DLBCL), B-Zell-Lymphom, primär mediastinales großzelliges (PMBCL), Lymphom, follikuläres
Test auf Nicht relevant
Testbeschreibung kein Gentest, aber Verwendung von körpereigenen Zellen, Geweben oder Gensequenzen
Konsequenz aus dem Test Verwendung autologer Bestandteile
Status Nicht relevant
Quelle EMA
Lorlatinib Krankheitsgebiet Lungenkrebs, nicht-kleinzelliger
Test auf Wirksamkeit
Testbeschreibung Test auf Vorhandensein der Anaplastischen Lymphomkinase (ALK)
Konsequenz aus dem Test Anwendung nur bei positivem Test
was wird getestet Gewebe
Status Pflichttest seit Mai 2019
Quelle Fachinformation
Bemerkungen ALK-Mutationen treten bei ca. 3 % der Betroffenen auf