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Impfstoffe schützen

29. Juli 2010

Dem Körper helfen, sich zu wehren - Impfstoffe schützen

 

Pharmafirmen stehen zu ihrer Verantwortung: Impfstoffe für Entwicklungsländer


Impfungen sind gerade für Entwicklungsländer von enormer Bedeutung. Denn Infektionskrankheiten spielen dort noch eine größere Rolle als hierzulande; und Impfkampagnen sind leichter zu organisieren als ein flächendeckender ärztlicher Dienst. Pharmaunternehmen versorgen nicht nur die Impfkampagnen, sondern entwickeln auch Impfstoffe speziell für weniger entwickelte Regionen.

Mit Impfungen wurde schon viel für die Gesundheit in Entwicklungsländern erreicht. So gelang es der Weltgesundheitsorganisation WHO durch Impfkampagnen, die Pocken bis 1980 weltweit auszurotten. In den 1960er Jahren hatte es noch bis zu 2 Millionen Pockentote jährlich gegeben, vor allem in armen Ländern. Der Impfstoff wurde der WHO von forschenden Pharmaunternehmen geliefert.
Wie die Pocken kann auch Polio, die Kinderlähmung, nur durch Impfen bekämpft werden. Seit weite Teile der Welt poliofrei sind, konzentrieren sich die Impfkampagnen vorrangig auf die Länder Afrikas und Mittelasiens (siehe Karte). Die Kampagnen werden von Rotary International finanziert und von Pharmaunternehmen mit Impfstoffen beliefert. Über den Stand der Anstrengungen informiert die Website der Global Polio Eradication Initiative.

Stand der Polio-Eradikationskampagne - Juni 2008
(© Global Polio Eradication Initiative)


Masern tragen wesentlich zur Kindersterblichkeit bei. Die WHO versucht, auch sie weltweit auszurotten. Dank Impfprogrammen sank die Zahl der Maserntoten in Afrika bereits von 519.000 im Jahr 1999 auf nur noch 36.000 im Jahr 2006.
Hirnhautentzündung (Meningitis) tötet oder schädigt jährlich Hunderttausende, besonders in den Ländern unmittelbar südlich der Sahara, im sogenannten „meningitis belt". Gegen einige der Erreger (Meningokokken) wird seit einigen Jahren geimpft, doch kommt es immer wieder zu regionalen Ausbrüchen.
In einigen Entwicklungs- und Schwellenländern wurde auch begonnen, mit den seit wenigen Jahren verfügbaren Impfstoffen gegen Rotaviren zu impfen. Bislang sterben jährlich rund eine halbe Million Kinder an dem Brechdurchfall, den die Viren verursachen.

Gegen Grippe, die weltweit jährlich bis zu 500.000 Menschen tötet, gibt es ebenfalls Fortschritte: So haben zwei Hersteller der WHO die Spende von zusammen 150 Millionen Einheiten Impfstoff gegen Schweinegrippe für Entwicklungsländer zugesagt.

Hindernisse bei Impfkampagnen
Wie in Deutschland treffen Impfungen auch in Entwicklungsländern mitunter auf Ablehnung. So verhinderten muslimische Geistliche mehrere Jahre lang, dass in Teilen Nigerias gegen Polio geimpft wurde. Sie glaubten, der in westlichen Industrienationen produzierte Impfstoff diene dazu, muslimische Mädchen unfruchtbar zu machen. Vertreter einiger Richtungen des Islam sehen Krankheiten zudem als göttliche Verfügung an, der man sich nicht widersetzen soll. Dies ist jedoch keine allgemein akzeptierte islamische Lehre.
Internationale Koordination und Finanzierung
Arzneimittelhersteller liefern ihre Impfstoffe für die Kampagnen zu sehr günstigen Konditionen. So entfallen 29 % der europäischen Impfstoffproduktion, aber nur 3,0 % der zugehörigen Umsätze auf die Belieferung humanitärer Organisationen für Entwicklungsländer. Durchgeführt werden Impfkampagnen vor allem von den betroffenen Ländern, vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF (z. B. bei Polio) und Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen (z. B. bei Meningitis). Ein wichtiger Finanzier der Impfmaßnahmen ist die 2000 gegründete GAVI Alliance, an der neben der WHO, UNICEF und der Weltbank auch viele Regierungen, die Europäische Kommission, Impfstoffhersteller und Stiftungen beteiligt sind. Die GAVI Alliance stellt beispielsweise Ländern Finanzmittel für Impfungen zur Verfügung und ermöglicht es ihnen damit, längerfristige Impfkampagnen zu planen. Die Planungssicherheit kommt auch der Lieferfähigkeit der Hersteller zugute.

Impfstoffforschung für Entwicklungsländer
Derzeit entwickeln Unternehmen mehrere Impfstoffe gegen Krankheiten, die vor allem in Entwicklungsländern auftreten - etwa Malaria, Tuberkulose und Dengue-Fieber (s. Grafik auf der nächsten Blätterseite). In der Vergangenheit sind Pläne für solche Impfstoffe häufig an Finanzierungsproblemen gescheitert: Es bestand für die Unternehmen keine Aussicht, die Kosten eines von ihnen vorfinanzierten Impfstoffs durch Einnahmen wieder einzuspielen. Bei Impfstoffprojekten gegen Malaria und Tuberkulose haben inzwischen die Public-Private Partnerships
(© vfa / European Vaccine Manufacturers)
Malaria Vaccine Initiative und AERAS Global TB Vaccine Foundation die Koordination übernommen, finanziert vor allem von der Bill-and-Melinda-Gates Foundation und den Niederlanden, Dänemark und Norwegen.

Zwei Pharmafirmen haben sogar eigens Forschungs-institute gegründet, die für mehr Impfstoffe gegen Krankheiten der Entwicklungsländer (siehe Blätterseite 7) sorgen sollen. Die Hillemann Laboratories in Indien werden als Joint-Venture des US-amerikanischen Pharmaunternehmens Merck & Co., Inc., und der britischen Wellcome Foundation betrieben; das Novartis Institut im italienischen Siena wird vom Unternehmen Novartis alleine betrieben - die dort initiierten Projekte sind aber auch auf Förderung durch Entwicklungspartner angewiesen.

Um die Entwicklung einer Impfung gegen Lungen- und Hirnhautentzündung durch afrikanische Pneumokokken-Stämme zu fördern, haben mehrere Industrienationen 2007 eine Zusage gegeben, von einem fertigen Impfstoff jährlich ein festes Kontingent zu kaufen und für Entwicklungsländer bereitzustellen. So haben sie einen verlässlichen Markt geschaffen, und ein Pharmaunternehmen hat zugesagt, einen entsprechenden Impfstoff zu entwickeln. Dieses innovative Förderinstrument, vorgezogene Marktverpflichtung oder advance market commitment (AMC) genannt, könnte künftig noch weitere Impfstoffprojekte für Entwicklungsländer ermöglichen.

Deutschlands Engagement, was Impfstoffe für Entwicklungsländer anbelangt, beschränkt sich bisher auf einen jährlichen Beitrag zur GAVI Alliance von 4 Millionen Euro. Die Entwicklung eines Tuberkuloseimpfstoffs durch das Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie und die Vakzine Projekt Management GmbH (VPM) wurde bisher weitgehend von der Bill-and-Melinda-Gates Foundation finanziert. An advance market commitments beteiligt sich Deutschland bislang nicht. Es wäre wünschenswert, wenn Deutschland sich stärker als bisher an der Bekämpfung von Krankheiten beteiligen würde, die ausschließlich oder überwiegend in Entwicklungsländern auftreten. Dies könnte u.a. durch Beteiligung an bestehenden oder neu zu gründenden Public-Private Partnerships für Impfstoffentwicklung geschehen. Mit deutscher Unterstützung könnte die Pharmaforschung in Europa hier einen erheblichen Beitrag leisten.


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