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Impfstoffe zum Schutz vor Covid-19, der neuen Coronavirus-Infektion

An Covid-19, der neuen Atemwegsinfektion durch das Coronavirus SARS-CoV-2, leiden Menschen in der ganzen Welt. Unternehmen und Forschungsinstitute entwickeln jedoch Schutzimpfungen dagegen.

In unserer neusten Podcast-Folge der #vfaTonspur befragt Radiojournalist Philipp Eins den Forschungssprecher des vfa, Dr. Rolf Hömke, u.a. zu diesem Thema:



Stand der Impfstoffentwicklung

Jedes Impfstoffprojekt muss sechs Etappen durchlaufen. Sie sind in der folgenden Grafik gezeigt:

Darstellung der einzelnen Entwicklungsschritte von Impfstoffen

Bis vor wenigen Jahren hätte man für das Durchlaufen aller Etappen 15 bis 20 Jahre angesetzt. Neue Technologie und Vorerfahrung mit Impfstoffprojekten gegen verwandte Viren (siehe unten) machen eine enorme Beschleunigung möglich. Das belegen die Zwischenstände, die einige Unternehmen und Forschungsgruppen für ihre Projekte gemeldet haben. Die Projekte, die schon am weitesten vorangekommen sind, sind bereits in Etappe 4 eingetreten, der Erprobung mit Freiwilligen; oder sie planen, das in den kommenden Monaten zu tun:

Von mehreren Projekten haben die Unternehmen oder Forschungseinrichtungen berichtet, dass die Etappe der Erprobung mit Tieren erreicht haben:

Wie schnell?

Arten von Impfstoffen

Die Unternehmen und Forschungsinstitute arbeiten auf unterschiedliche Impfstoffe hin. Die meisten ihrer Projekte zielen dabei auf eine der folgenden drei Arten von Impfstoffen:

Finanzielle Unterstützung

Mehrere Impfstoffprojekte werden von CEPI, der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations, finanziell unterstützt. Es sind die Projekte von:

In Verbindung mit CEPI bietet auch das Unternehmen GSK an, seine eigene Adjuvans-Technologie für Impfstoffe in Projekte für einen SARS-CoV-2-Impfstoff einzubringen. So kam es neben der schon genannten Zusammenarbeit mit der University of Queensland auch zu einer Kooperation mit den chinesischen Impfstoff-Entwicklern Clover Biopharmaceuticals und Innovax Biotech sowie weiteren Unternehmen und Forschungsinstituten.

CEPI ist eine Product Development Partnership, die unter anderem von Norwegen, Deutschland (Bundesforschungsministerium), Japan, Kanada, Australien sowie von der Bill & Melinda Gates Foundation und dem Wellcome Trust finanziert wird. Sie wurde 2017 eigens dafür gegründet, um Impfstoffprojekte gegen größere Epidemien oder Pandemien zu koordinieren, voranzutreiben und finanziell zu unterstützen.

Wichtige finanzielle Unterstützung für Projekte und den Aufbau von Produktionsanlagen kommt aber auch von der EU-Kommission und den Regierungen mehrerer Länder wie beispielsweise den USA, Australien und Kanada.

Ein asiatischer Mann mit Schutzmaske schiebt seinen Ärmel hoch, während im Vordegrund eine Spritze aufgezogen wird.

Beispiele für laufende Impfstoff-Projekte gegen Covid-19

Das Mainzer Unternehmen BioNTech entwickelt mit Pfizer einen Impfstoff, den es ab Ende April mit Freiwilligen in Europa, den USA und China erproben will. Dabei arbeiten die Unternehmen auch mit der chinesischen Firma Fosun Pharma zusammen.

Auch Janssen (im Konzern Johnson & Johnson) hat einen Impfstoff in Arbeit. Er wird mit einer Technologie entwickelt, die schon für einen Ebola-Impfstoff zum Einsatz kam, der derzeit in der EU im Zulassungsverfahren ist. Es arbeitet dafür mit der staatlichen Organisation Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA) in den USA zusammen.

Mit der BARDA kooperiert auch Sanofi Pasteur, die Impfstoffdivision des Unternehmens Sanofi. Ziel ist es, mit Hilfe der unternehmenseigenenen Technologieplattform für rekombinante DNA einen Covid-19-Impfstoff zu entwickeln. Das Projekt führt ein früheres fort, das auf einen SARS-Impfstoff abzielte.

Die Unternehmen Tonix Pharmaceuticals, Altimmune, Greffex, Vaxart, GeoVax (mit BravoVax in China) und LineaRx mit Takis Biotech, alle beheimatet in den USA, haben ebenfalls über die Entwicklung jeweils eigener Impfstoffe berichtet. Altimmunes Impfstoff soll nasal angewendet werden, wie ein schon zuvor entwickelter Grippeimpfstoff des Unternehmens. Tonix wandelt für seinen Impfstoff TNX-1800 ein Horsepox Virus ab. Vaxart plant einen Impfstoff, der als Tablette geschluckt und nicht injiziert wird.

Ebenfalls in den USA tätig ist Kentucky BioProcessing, eine Tochter von British American Tobacco. Das Unternehmen nutzt gentechnisch veränderte Tabakblätter zur Herstellung der Virenproteine für seinen Totimpfstoff. Diese Technologie eignet sich für die rasche Herstellung solcher Proteine, wurde aber noch für keinen zugelassenen Impfstoff verwendet. Der neue Impfstoff wird derzeit mit Tieren erprobt.

In Dänemark entwickelt das Unternehmen ExpreS2ion mit Partnern einen Impfstoff.

Auch das israelische Unternehmen Vaxil hat von der Entwicklung eines eigenen Impfstoffs berichtet.

In Japan gibt es ein Projekt des japanischen Unternehmens Anges mit der Osaka University

Hilft eine Tuberkulose-Impfung gegen Covid-19?

Möglicherweise können noch weitere Impfstoffe etwas zum Schutz vor Ansteckung beitragen, obwohl sie gar nicht gegen Coronaviren entwickelt wurden: Tuberkulose-Impfstoffe. Die Idee dahinter: Impfungen damit steigern die generelle Immunabwehr gegen Keime und könnten deshalb auch Menschen dabei helfen, SARS-CoV-2 abzuwehren oder wenigstens nicht so schwer daran zu erkranken.

An Kliniken in Nijmegen und Utrecht (Niederlande) soll die Eignung des alten Tuberkulose-Impfstoffs BCG erprobt werden. Dieser Impfstoff wird in Deutschland schon lange nicht mehr eingesetzt.

Für Deutschland planen die Unternehmen Vakzine Projekt Management (Deutschland) und Serum Institute of India hingegen die Erprobung des neueren Tuberkulose-Impfstoff VPM1002, der noch keine Zulassung hat, weil letzte Studien gegen Tuberkulose noch laufen. Die Covid-19-Studie soll an mehreren deutschen Kliniken mit älteren Menschen und Beschäftigten im Gesundheitswesen durchgeführt werden. Der Impfstoff wurde ursprünglich am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie entwickelt.

(1) Adjuvantien sind "Wirkverstärker" für Impfstoffe, die es unter anderem ermöglichen können, dass wesentlich weniger Virusprotein pro Impfinjektion für eine Immunisierung ausreichen bzw. mit einer gegebenen Menge produziertem Virusprotein mehr Injektionsdosen hergestellt werden können.