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Impfstoffe zum Schutz vor Covid-19, der neuen Coronavirus-Infektion

An Covid-19, der durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursachten Krankheit, leiden Menschen in der ganzen Welt. Unternehmen und Forschungsinstitute entwickeln jedoch Schutzimpfungen.

In unserer neusten Podcast-Folge der #vfaTonspur befragt Radiojournalist Philipp Eins den Forschungssprecher des vfa, Dr. Rolf Hömke, u.a. zu diesem Thema:


vfa-Tonspur. Aus Forschung, Wirtschaft und Politik · Coronavirus-Pandemie Covid-19: Impfstoffe und Medikamente

Gegen SARS-CoV-2, das erst seit etwa Neujahr bekannt ist, sind binnen kurzer Frist mindestens 138 Impfstoffprojekte angelaufen: Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt derzeit 125 (Aufstellung vom 27.05.2020). Dazu kommen noch mindestens 13 weitere Projekte, die sie noch nicht verzeichnet. Es sind Projekte der folgenden Unternehmen und Institute:

Stand der Impfstoffentwicklung

Jedes Projekt für einen Covid-19-Impfstoff umfasst sieben Teile, von denen einige parallel ablaufen. Sie sind in der folgenden Grafik gezeigt:

Etappen der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs

Bis vor wenigen Jahren hätte man von der Virusanalyse bis zur Zulassung des Impfstoffs 15 bis 20 Jahre angesetzt. Neue Technologien und Vorerfahrung mit Impfstoffprojekten gegen verwandte Viren (siehe unten) machen eine enorme Beschleunigung möglich. Das belegen die Zwischenstände, die einige Unternehmen und Forschungsgruppen für ihre Projekte gemeldet haben. Etliche sind schon in die Erprobung mit Freiwilligen eingetreten oder planen, das in den kommenden Monaten zu tun. Das zeigt die folgende Tabelle (Erklärungen zu den Impfstofftypen siehe weiter unten):

Unternehmen / ForschungsinstitutImpfstoffImpfstofftypErprobung mit FreiwilligenProduktionFinanzielle UnterstützungQuellen
Moderna (USA)mRNA-1273genbasierter Impfstoff (mRNA)seit 16.03. in den USA (Phase I); lt. Medienberichten Phase II für den Frühsommer geplantdurch Lonza (in Portsmouth, New Hampshire [USA] und in Visp, Schweiz)CEPI, US RegierungABC News, Bloomberg, Forbes, Reuters
CanSino Biologics (China) / Beijing Institute of Biotechnology, Academy of Military Medical Sciences, PLA of ChinaAd5-nCoVVektorvirus-Impfstoffhat in China bereits Phase II erreicht, Phase II-Studie in Kanada geplantmit dem National Research Council of Canada (NRC) (Zelllinie HEK293) in Montreal (Kanada)Government of Canada (für Produktion in Kanada)Nature Reviews Drug Discovery, Registereintrag Clinicaltrials.gov Pressemitt. Natl. Research Councel Canada
Inovio (USA)INO-4800genbasierter Impfstoff (DNA), der durch Elektroporation verabreicht wirdseit 06.04. in den USA (Phase I)durch Richter-Helm BioLogics (Germany), VGXI (USA), Ology Bioservices (USA)CEPI, US Department of DefenseInovio, Inovio, Registereintrag Clinicaltrials.gov
Shenzhen Geno-Immune Medical InstituteLV-SMENP-DCmodifizierte dendritische Zellen und antigenspezifische zytotoxische T-Zellenhat in China begonnen (Phase I)tbdk. A.Nature Reviews Drug Discovery, Registereintrag Clinicaltrials.gov
Shenzhen Geno-Immune Medical Institutepathogen-specific aAPCmodifizierte künstliche antigenpräsentierende Zellenhat in China begonnen (Phase I)tbdk. A.Nature Reviews Drug Discovery, Registereintrag Clinicaltrials.gov
Wuhan Institute of Biological Products / Wuhan Institute of Virology der Chinesischen Akademie der Wissenschaften / Sinopharminactivated Novel Coronavirus Pneumonia (COVID-19) vaccine (Vero cells)Impfstoff mit inaktiviertem Virusin China in Phase II seit 25.04.2020tbdk. A.Clinicaltrialsarena ChiCTR
Sinovac BiotechPiCoVaccImpfstoff mit inaktiviertem Virushat in China ca. am 14.04. begonnen (Phase I)tbdk. A.Pressemitt. Sinovac, Registereintrag Clinicaltrials.gov, CGTN
Oxford University (UK) / Pall Life Science / Cobra BiologicsChAdOx1 nCoV-19Vektorviren-Impfstofflt. Medienberichten in Phase II/IIIdurch Halix mit Unterstützung von Merck (Darmstadt), durch Serum Institute of India und durch AstraZenecaCEPI, UK's Natl. Institute for Health Research, UK Research & Innovation, BARDA (USA)The Guardian Online, Meldung Merck, The Lancet: Sarah Gilbert, The Telegraph, inews, LiveScience, BBC, The Pharma Letter, BBC, Registereintrag Clinicaltrials.gov, Statnews, Fiercepharma
BioNTech / Pfizer / Fosun PharmaBNT162genbasierter Impfstoff (mRNA)Studie hat am 23.04. in Deutschland begonnen, eine weitere vor dem 05.05. in den USA (beide Phase I)in Mainz / Idar-Oberstein / Puurs (Belgien) / Kalamazoo (Michigan, USA) / Andover (Massachusetts, USA) / Chesterfield (Missouri, USA)k. A.Pressemitt. BioNTech, Pressemitt. BioNTech/Pfizer, The Wall Street Journal Eintrag EU Clinical Trials Register, Pressemitt. Pfizer, Pressemitt. BioNTech/Pfizer, Crain's Detroit Business
Beijing Institute of Biological Products / SinopharmtbdTopimpfstoff (inaktivierte Viren)Erprobung (Phase I) in China genehmigttbdk. A.WHO
NovavaxNVX-CoV2373Totimpfstoff mit gentechnisch hergestelltem Virusantigen (Nanopartikel-Technologie) und Adjuvans auf Saponin-Basisseit Mitte Mai in Australien (Phase I)durch Emergent BioSolutions (USA)CEPIPressemitt. Novavax, clinicaltrials.gov, Pressemitt. Novavax; Quartalsbericht Novavax, ABC News
Institute of Medical Biology / Chinese Academy of Medical Sciencesk. A.Impfstoff mit inaktiviertem Virushat in China begonnen (Phase I)tbdk. A.WHO
 
Imperial College Londonk. A.genbasierter Impfstofflt. Medienberichten geplant ab JunitbdRegierung von UK, COVID-19 Response Fund der Alumni des Imperial College LondonImperial College, Imperial College
University of Queensland / GSK / Dynavaxk. A.Totimpfstoff mit gentechnisch hergestelltem Virusantigen und Adjuvansgeplant lt. Medienberichten ab Junimit CytivaCEPI, Queensland State Government, Federal Government of Australia, Paul Ramsay Foundation, Newcrest MiningUQ News, ABC News, Canberra Times
Clover Biopharmaceuticalsk. A.Totimpfstoff (Antigen: gentechnisch erzeugtes trimeres Spikeprotein)geplant lt. Medienberichten im Mai/Juni in Australienin eigener Anlage in ChinaCEPICanberra Times
CureVack. A.genbasierter Impfstoff (mRNA)ab Juni in Deutschland und Belgienin eigener Anlage in TübingenCEPI, EU-Kommission, B&M Gates Foundation, DARPAPressemitt. CureVac, Grenzecho, Pressemitt. CureVac, Pressemitt. CureVac
Genexine / Binex / GenNBio / Int. Vaccine Inst. / Korea Advanced Inst. of Science & Technology (KAIST) / Pohang Univ. of Science and Technology (POSTECH)GX-19genbasierter Impfstoff (DNA)lt. Medienberichten ab Junidurch Binexk. A.inquirer.net, Korea Biomedical Review
Arcturus TherapeuticsLUNAR-COV19genbasierter Impfstoff (mRNA)Beginn asap, frühestens Juni, in Singapurdurch Catalent (USA)k.A.PM Arcturus Therapeutics, Quartalsbericht Arcturus Therapeutics
MIGAL (The Galilee Research Institute) und MigVaxk. A.Topimpfstoff mit gentechnisch hergestellten Antigenen (oraler Impfstoff)Beginn geplant lt. Medienberichten im Sommer 2020tbdOurCrowdThe Jerusalem Post, The Jerusalem Post
ReiThera / Leukocare / Univercells (Italien / Deutschland / Belgien)k.A.Vektorvirenimpfstoff (simian adeonoviral vector)Beginn geplant im Sommer 2020 in Italienin Belgien bei UnivercellsOurCrowdPressemitt. ReiThera/Leukocare/Univercells
Sanofi und GSKk. A.Totimpfstoff mit gentechnisch (Baculovirus) hergestelltem Virusantigen und Adjuvansgeplant ab der zweiten Jahreshälfte 2020in eigenen Anlagen und bei Unigen (Japan)US Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA)Pressemitt. Sanofi/GSK
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) / Univ. München / Univ. Marburg / UKEk.A.Vektorviren-Impfstoff auf Basis von MVA-Virengeplant ab Septemberbei IDT Biologika (Dessau)k.A.Pressemitt. des Konsortiums
Janssen (Johnson&Johnson)Ad26Vektorviren-Impfstoffgeplant ab spätestens Septemberin eigenen Werken in Bümpliz (Schweiz) und Leiden (Niederlande) / durch Catalent Biologics (USA) / Zulieferung von Emergent BioSolutions (USA) / Zulieferung für Impfstoff für klinische Studien durch Vibalogics (Cuxhaven)US Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA)Meldung Johnson&Johnson, Artikel Johnson&Johnson, Langenthaler Tagblatt, Biopharma Reporter, Biopharma Reporter, FiercePharma, Pressemitt. Vibalogics
Bharat Biotech (Indien) / Thomas Jefferson Univ. (Philadelphia, USA)k. A.Vektorviren-Impfstoff auf Basis eines deaktivierten Tollwut-Viruslt. Medienbericht geplant ab Dezember 2020tbdk. A.livemint.com
IAVI und MSDk. A.Vektorviren-Impfstoff auf Basis des Virus rVSVgeplant für das zweite Halbjahr 2020tbdBARDA (USA)Pressemitt. MSDPressemitt. MSDPressemitt. MSD
OpenCorona-Konsortium (Karolinska Institut, Universität Gießen und Partner)k. A.genbasierter Impfstoff (DNA)geplant 2021tbdEU: Horizon 2020Pressemitt. Uni Gießen

Wann ist mit einem Impfstoff zu rechnen?

Wie schnell mit Impfkampagnen begonnen werden kann, hängt nicht nur von der Geschwindigkeit von Entwicklung, Erprobung und Zulassung der Impfstoffe ab, sondern auch von den Produktionskapazitäten. Deshalb ist es nicht entscheidend, welcher Impfstoff zuerst die Zulassung erreicht, sondern dass möglichst viele Impfstoffe die Zulassung erreichen und unter Nutzung vieler Produktionsanlagen hergestellt werden können.

Arten von Impfstoffen

Finanzielle Unterstützung

Mehrere Impfstoffprojekte werden von CEPI, der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations, finanziell unterstützt. Es sind die Projekte von:

In Verbindung mit CEPI bietet auch das Unternehmen GSK an, seine eigene Adjuvans-Technologie für Impfstoffe in Projekte für einen SARS-CoV-2-Impfstoff einzubringen. So kam es neben der schon genannten Zusammenarbeit mit der University of Queensland auch zu einer Kooperation mit den chinesischen Impfstoff-Entwicklern Clover Biopharmaceuticals und Innovax Biotech sowie weiteren Unternehmen und Forschungsinstituten.

CEPI ist eine Product Development Partnership, die unter anderem von Norwegen, Deutschland (Bundesforschungsministerium), Japan, Kanada, Australien sowie von der Bill & Melinda Gates Foundation und dem Wellcome Trust finanziert wird. Sie wurde 2017 eigens dafür gegründet, um Impfstoffprojekte gegen größere Epidemien oder Pandemien zu koordinieren, voranzutreiben und finanziell zu unterstützen.

Wichtige finanzielle Unterstützung für Projekte und den Aufbau von Produktionsanlagen kommt aber auch von der EU-Kommission und den Regierungen mehrerer Länder wie beispielsweise den USA, Australien und Kanada.

Das Bild zeigt eine symbolische Impfstoffflasche mit der Aufschrift Coronavirus Vaccine sowie eine Spritze, beides gehalten von einer Hand, die einen blauen Schutzhandschuh trägt.

Beispiele für laufende Impfstoff-Projekte gegen Covid-19

Das Mainzer Unternehmen BioNTech entwickelt mit Pfizer einen Impfstoff, den es ab Ende April mit Freiwilligen in Europa, den USA und China erproben will. Dabei arbeiten die Unternehmen auch mit der chinesischen Firma Fosun Pharma zusammen.

Auch Janssen (im Konzern Johnson & Johnson) hat einen Impfstoff in Arbeit. Er wird mit einer Technologie entwickelt, die schon für einen Ebola-Impfstoff zum Einsatz kam, der derzeit in der EU im Zulassungsverfahren ist. Es arbeitet dafür mit der staatlichen Organisation Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA) in den USA zusammen.

Mit der BARDA kooperiert auch Sanofi Pasteur, die Impfstoffdivision des Unternehmens Sanofi, das wiederum mit GSK zusammenarbeitet. Das Projekt für einen adjuvantierten Totimpfstoff mit gentechnisch hergestelltem Virusprotein baut auf einem früheren auf, das auf einen SARS-Impfstoff abzielte.

Die Unternehmen Tonix Pharmaceuticals, Altimmune, Greffex, Vaxart, GeoVax (mit BravoVax in China) und LineaRx (mit Takis Biotech, Italien), alle beheimatet in den USA, haben ebenfalls über die Entwicklung jeweils eigener Impfstoffe berichtet. Altimmunes Impfstoff soll nasal angewendet werden, wie ein schon zuvor entwickelter Grippeimpfstoff des Unternehmens. Tonix wandelt für seinen Impfstoff TNX-1800 ein Horsepox Virus ab. Vaxart plant einen Impfstoff, der als Tablette geschluckt und nicht injiziert wird.

Ebenfalls in den USA tätig ist Kentucky BioProcessing, eine Tochter von British American Tobacco. Das Unternehmen nutzt gentechnisch veränderte Tabakblätter zur Herstellung der Virenproteine für seinen Totimpfstoff. Diese Technologie eignet sich für die rasche Herstellung solcher Proteine, wurde aber noch für keinen zugelassenen Impfstoff verwendet. Der neue Impfstoff wird derzeit mit Tieren erprobt.

Die Unternehmen ReiThera, Leukocare und Univercells (Italien/Deutschland/Belgien) arbeiten an einem Impfstoff auf Vektorviren-Basis.

In Dänemark entwickelt das Unternehmen ExpreS2ion mit Bavarian Nordic, dem Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen und weiteren Partnern einen Impfstoff. Das Projekt wird von der EU gefördert.

In der Schweiz gibt es ein Projekt des Konsortiums Universitätsspital Zürich/Inselspital und Universtität Bern/Unternehmen Saiba für einen Totimpfstoff mit Virus-like Particles.

Auch das israelische Unternehmen Vaxil hat von der Entwicklung eines eigenen Impfstoffs berichtet.

In Japan gibt es ein Projekt des japanischen Unternehmens Anges mit der Osaka University

Eine indisch-australische Partnerschaft stellt das Projekt von Indian Immunological und der Griffith University für eine Lebendimpfung mit einem abgeschwächten Virus dar.

Die Unternehmen Bharat Biotech International und FluGen sowie die University of Wisconsin-Madison (Indien/USA/USA) wollen einen nasal zu applizierenden Impfstoff entwickeln.

Auch in Vietnam wird ein Impfstoff entwickelt, vom Unternehmen Vabiotech zusammen mit der Universität Bristol (UK).

Einen weiteren Impfstoffe entwickeln die südkoreanischen Unternehmen Genexine und Binex mit weiteren Partnern.

Hilft eine Tuberkulose-Impfung gegen Covid-19?

Möglicherweise können noch weitere Impfstoffe etwas zum Schutz vor Ansteckung beitragen, obwohl sie gar nicht gegen Coronaviren entwickelt wurden: Tuberkulose-Impfstoffe. Die Idee dahinter: Impfungen damit steigern die generelle Immunabwehr gegen Keime und könnten deshalb auch Menschen dabei helfen, SARS-CoV-2 abzuwehren oder wenigstens nicht so schwer daran zu erkranken.

An Kliniken in Nijmegen und Utrecht (Niederlande) soll die Eignung des alten Tuberkulose-Impfstoffs BCG erprobt werden. Dieser Impfstoff wird in Deutschland schon lange nicht mehr eingesetzt.

In Deutschland soll im Mai 2020 eine Studie der Unternehmen Vakzine Projekt Management (Deutschland) und Serum Institute of India zur Erprobung des neueren Tuberkulose-Impfstoffs VPM1002 beginnen, der noch keine Zulassung hat, weil letzte Studien gegen Tuberkulose noch laufen. Die Covid-19-Studie soll an mehreren deutschen Kliniken mit älteren Menschen und Beschäftigten im Gesundheitswesen durchgeführt werden. Der Impfstoff wurde ursprünglich am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie entwickelt.

(1) Adjuvantien sind "Wirkverstärker" für Impfstoffe, die es unter anderem ermöglichen können, dass wesentlich weniger Virusprotein pro Impfinjektion für eine Immunisierung ausreichen bzw. mit einer gegebenen Menge produziertem Virusprotein mehr Injektionsdosen hergestellt werden können.