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Therapeutische Medikamente gegen die Coronavirusinfektion Covid-19

Gegen die Pandemie mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 werden nicht nur Impfstoffe entwickelt, sondern auch Medikamente erprobt.

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Auch wenn die Entwicklung von Impfstoffen gegen das neue Coronavirus mit nie gekannter Geschwindigkeit vorangeht, ist es doch unwahrscheinlich, dass diese schon 2020 für Massenimpfungen verfügbar werden. Deshalb richten sich die Hoffnungen darauf, dass es schneller gelingt, Medikamente zur Behandlung bereits Infizierter zu finden.

Laufende Projekte für das Umwidmen therapeutischer Medikamente

Im Fokus stehen da insbesondere Arzneimittel, die schon gegen eine andere Krankheit zugelassen oder zumindest in Entwicklung sind. Sie umzufunktionieren kann schneller gelingen als eine grundständige Neuentwicklung. Pharmaforscher sprechen von einem "Repurposing" der Medikamente.

Zahlreiche solche Medikamente auf ihre Eignung gegen die Corona-Krankheit Covid-19 geprüft. Sie gehören meist zu einer der folgenden drei Gruppen:

  • Antivirale Medikamente, die ursprünglich gegen HIV, Ebola, Hepatitis C, Grippe, SARS oder MERS (zwei von anderen Coronaviren hervorgerufene Krankheiten) entwickelt wurden. Sie sollen die Vermehrung der Viren blockieren oder verhindern, dass sie in Lungenzellen eindringen. Auch ein altes Malaria-Medikament wird geprüft, dessen Wirksamkeit gegen Viren erst vor kurzem entdeckt wurde.
  • Immunmodulatoren, die z. B. gegen Rheumatoide Arthritis oder entzündliche Darmerkrankungen entwickelt wurden. Sie sollen die Abwehrreaktionen des Körpers so begrenzen, dass diese nicht noch mehr Schaden anrichten als die Viren selbst.
  • Medikamente für Lungenkranke, die z. B. gegen idiopathische Lungenfibrose entwickelt wurden. Sie sollen verhindern, dass die Lunge der Patienten das Blut nicht mehr mit genug Sauerstoff versorgen kann.

Dazu kommen aber trotzdem noch Projekte für Neuentwicklungen von Medikamenten.

Genauere Angaben zu einigen Medikamenten und Projekten finden sich weiter unten auf der Seite.


Schnell Klarheit über die Eignung der Medikamente gewinnen

In etliche Studien zur Prüfung von Medikamenten gegen Covid-19 in China und andernorts wurden nur wenige Dutzend Patienten einbezogen; und oft gab es auch keinen direkten Vergleich mit Patienten, die nur die medizinische Grundbehandlung ohne zusätzliches Medikament erhalten. Solche Studien lassen sich zwar schnell einrichten, doch oft sind ihre Resultate uneindeutig. Auch gibt es zwar international viele Covid-19-Patienten in Kliniken, aber doch nicht so viele, dass sich damit alle Medikamente umfassend testen ließen, die derzeit vorgeschlagen sind.

Die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde EMA hat daher an Unternehmen und Forschungseinrichtungen appelliert, für ihre Medikamente möglichst gemeinsame multinationale, mehrarmige, kontrollierte und randomisierte Patienten-Studien zu organisieren:

  • "Multinational" bedeutet, dass medizinische Einrichtungen in mehreren Ländern daran mitwirken.
  • "Mehrarmig" und "kontrolliert" bedeutet, dass die Patientinnen und Patienten in Gruppen eingeteilt werden, die jeweils eine andere Behandlung erhalten: Alle erhalten zwar die gleiche medizinische Grundbehandlung, doch jede Gruppe bis auf eine erhält zusätzlich jeweils eins der zu erprobenden Medikamente. Bei der letzten Gruppe (der Kontrollgruppe) bleibt es hingegen bei der mediznischen Grundbehandlung.
  • "Randomisiert" bedeutet, dass die teilnahmewilligen Patienten nach dem Zufallsprinzip einer der Gruppen zugeteilt werden.

Solche Studien, so die EMA, würden im Vergleich zu Kleinstudien mit höherer Wahrscheinlichkeit zu klaren Ergebnissen über die Eignung von Medikamenten führen; Ergebnissen, die dann auch eine Zulassung der Medikamente gegen Covid-19 erlauben.

Eine solche Studie hat vor kurzem die Weltgesundheitsorganisation WHO angekündigt: In dieser SOLIDARITY genannten Studie sollen vier Behandlungen mit für eine Umfunktionierung in Betracht kommenden Medikamente untereinander und mit der reinen Grundbehandlung verglichen werden. In der Studie wird es also die folgenden "Studienarme" (= Behandlungsarten) geben, an denen voraussichtlich – randomisiert verteilt – mehrere Tausend Patienten teilnehmen werden:

  1. Grundbehandlung allein
  2. Grundbehandlung + Remdesivir (Hemmstoff der RNA-Polymerase des Virus)
  3. Grundbehandlung + Ritonavir/Lopinavir (HIV-Medikament)
  4. Grundbehandlung + Ritonavir/Lopinavir (HIV-Medikament) + Beta-Interferon (MS-Medikament)
  5. Grundbehandlung + Chloroquin (Malaria-Medikament)

An der Studie sollen u.a. medizinische Einrichtungen aus Argentinien, Iran, Südafrika und Indien mitwirken. Ein Monitoring-Board wird sich regelmäßig Zwischenergebnisse der Studie ansehen und Studienarme beenden, in denen die Patienten nicht besser (oder sogar schlechter) als in der Kontrollgruppe dran sind. Auch besteht die Möglichkeit, die Studie um weitere Arme zu ergänzen, in denen dann noch andere Zuatzbehandlungen erprobt werden.

Parallel dazu hat in der EU und UK die Studie DISCOVERY mit sehr ähnlichem Aufbau begonnen, koordiniert von der französischen Forschungsorganisation INSERM. Daran sollen 3.200 Patientinnen und Patienten aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien, Schweden und UK teilnehmen. Statt Chloroquin soll das ähnliche Malaria-Medikament Hydroxychloroquin verwendet werden. Das gewählte Beta-Inteferon ist Interferon Beta-1A.

Eine weitere große Studie haben Mediziner der Universität Oxford in UK gestartet, genannt RECOVERY. Vorgesehen sind die folgenden Studienarme:

  1. Grundbehandlung allein
  2. Grundbehandlung + Ritonavir/Lopinavir (HIV-Medikament)
  3. Grundbehandlung + Beta-Interferon (MS-Medikament)
  4. Grundbehandlung + Dexamethason (Cortison-Derivat zur Dämpfung des Immunsystems)
  5. Grundbehandlung + Hydroxychloroquin (Malaria-Medikament)

Begonnen wurde aber zunächst nur mit den Armen 1, 2 und 4. Auch bei dieser Studie können noch weitere Studienarme ergänzt werden, wenn weitere Medikamente getestet werden sollen.

Auch in den USA finden große klinische Studien zur Covid-19-Therapie mit ausgewählten Medikamenten statt, darunter der Adaptive COVID-19 Treatment Trial (ACTT), für den die National Institutes of Health (NIH) verantwortlich sind.

In mehreren Fällen stellen Unternehmen für diese Studien große Mengen ihrer Medikamente zur Verfügung. Beispielsweise hat Sandoz, die Generika-Division von Novartis, zugesagt, 130 Millionen Dosen Hydroxychloroquin für klinische Studien und Einrichtungen bereitzustellen, davon 30 Millionen für eine US-Studie. Merck liefert Interferon beta-1a für den DISCOVERY trial.

Beispiele für Medikamente, deren Umwidmung erprobt oder erwogen wird

Eine Übersicht über alle laufenden Projekte für Medikamente und Impfstoffe gegen Covid-19 pflegt das US-amerikanischeMilken Institute. Zu einigen davon finden sich hier weitere Informationen; die vfa-Aufstellung erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Antivirale Medikamente

Remdesivir wurde von Gilead Sciences ursprünglich gegen Ebola-Infektionen entwickelt (gegen die es sich nicht bewährt hat), zeigte aber im Labor Wirksamkeit gegen MERS-Viren. Nun wird das Medikament mit diesem Wirkstoff in mehreren Studien gegen SARS-CoV-2 erprobt.

CytoDyn prüft in einer Studie mit Patienten (Phase II), ob sein Antikörper-Wirkstoff Leronlimab gegen das Coronavirus wirksam ist. Entwickelt wird er seit längerem gegen HIV und tripel-negativen Brustkrebs, wofür er auch schon in Studien erprobt wird.

AbbVie hat ein weiteres HIV-Medikament mit der Wirkstoffkombination Lopinavir / Ritonavir für die Erprobung als Covid-19-Therapeutikum zur Verfügung gestellt. Studien mit Patienten laufen, darunter auch eine Studie, in der die Patienten zusätzlich Novaferon von Beijing Genova Biotech inhalieren. Dieses Alpha-Interferon ist in China zugelassen zur Therapie von Hepatitis B. Das Medikament soll nun auch in großen Studien weltweit erprobt werden.

Das Unternehmen Ascletis Pharma kombiniert Ritonavir stattdessen mit einem in China gegen Hepatitis C zugelassenen Medikament mit dem Wirkstoff Danoprevir. Studien laufen.

In China und Thailand fanden und finden ferner Studien mit Favipiravir (=Favilavir) statt. Das Medikament mit Favipiravir von FUJIFILM Toyama Chemical hat bislang nur eine Zulassung für die Grippetherapie (in Japan und China) und ist in Japan nur für die Zweitlinientherapie vorgesehen (wenn andere Grippe-Medikmente nicht oder ungenügend wirksam sind). Medienberichten zufolge haben chinesische Behörden das Medikament als wirksam gegen Covid-19 bezeichnet; der Hersteller allerdings stuft sein Medikament weiterhin hinsichtlich Covid-19 als "under study" ein.

Ebenfalls eigentlich gegen Grippe in Entwicklung ist ATR-002, ein Kinaseinhibitor des Unternehmens Atriva Therapeutics in Tübingen. Nun prüft das Unternehmen, ob der Wirkstoff auch die Vermehrung von SARS-CoV-2 hemmen kann.

APEIRON Biologics (Wien) wird das Medikament APN01 in einer klinischen Studie mit Patienten (Phase II) in Deutschland, Österreich und Dänemarkt erproben. Es ist aus der SARS-Forschung hervorgegangen und wurde zwischenzeitlich auch schon in Patientenstudien gegen andere Lungenerkrankungen erprobt. Es blockiert ein Molekül auf den Viren, das diese zum Eindringen in Lungenzelllen benötigen und hilft zusätzlich dabei, Lungenschäden durch Entzündungsreaktionen zu vermeiden.

Chloroquin ist eigentlich als Wirkstoff in Malaria-Medikamenten bekannt geworden, wurde aber in den letzten Jahren nur noch wenig verordnet. Mittlerweile ist aber bekannt, dass der Wirkstoff auch antiviral eingesetzt werden kann. Nach positiven Labortests gegen SARS-CoV-2 kam von chinesischen Forschern inzwischen auch die Nachricht, dass sich Chloroquin in einer klinischen Studie als wirksam erwiesen habe. Das Unternehmen Bayer hat daraufhin die Produktion seines Originalpräparats mit Chloroquin wieder hochgefahren.

Auch Malariamedikamente mit dem ähnlichen Wirkstoff Hydroxychloroquin werden derzeit in Studien geprüft. Das Unternehmen Novartis hat zugesagt, diese Anstrengungen zu unterstützen und im Fall positiver Bescheide der Arzneimittelbehörden Ende Mai bis zu 130 Millionen Dosiseinheiten davon für die Behandlung von Menschen weltweit zur Verfügung zu stellen. Ebenso wird Sanofi ein Malaria-Medikament mit diesem Wirkstoff zur Verfügung zu stellen.

Vom bisherigen Anwendungsgebiet her eigentlich kein antiviraler Wirkstoff ist Camostat Mesilat – ein Medikament damit hat in Japan eine Zulassung gegen Bauchspeicheldrüsenentzündung. Forscher eines deutschen Konsortiums von Forschungseinrichtungen unter Führung des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen haben aber festgestellt, dass er im Labor ein Enzym von Lungenzellen hemmt, das für das Eindringen der SARS-CoV-2-Viren essenziell ist. Sie planen deshalb, ihn in klinischen Studien zu testen.

Auch der Wirkstoff Brilacidin des Unternehmens Innovation Pharmaceuticals wurde ursprünglich nicht gegen Viren entwickelt. Vielmehr wird er derzeit zur Therapie von entzündlichen Darmerkrankungen und Entzündungen der Mundschleimhaut erprobt. Jedoch ist zu erwarten, dass er die äußere Hülle des SARS-CoV-2-Virus angreifen kann. Dies wird derzeit in Zellkulturen geprüft.

Das spanische Unternehmen PharmaMar möchte nach ermutigenden Labortests sein Medikament mit Plitidepsin in einer Studie gegen Covid-19 erproben. Das Medikament, das eigentlich in Australien und Südostasien zur Therapie des Multiplen Myeloms (einer Form von Knochenmark-Krebs) zugelassen ist, hemmt mußmaßlich die Virenvermehrung, weil es das dafür nötige Protein EF1A in den befallenen Zellen blockiert.

Eine Gruppe von Medikamenten bekämpft Viren nicht direkt, sondern fördert die körpereigene Virenabwehr: die Interferone. Sie sind Varianten körpereigener Botenstoffe, die gentechnisch hergestellt werden. Biochemiker unterteilen diese Botenstoffe in mehrere Untergruppen, von denen gegen SARS-CoV-2 die Alpha- und die Beta-Interferone von Bedeutung sind:

  • Alpha-Interferone: In einer Reihe von Studien mit Covid-19-Patienten wurden Medikamente mit den Wirkstoffen Interferon alpha-1b, Interferon alpha-2b (der kubanischen Firma BioCubaFarma und der kubanisch-chinesischen Firma Changchun Heber Biological Technology), Peg-Interferon-alpha-2a (hergestellt von Roche), Peg-Interferon-alpha-2b oder Novaferon (von der chinesischen Firma Genova Biotech) allein oder zusätzlich zu anderen Medikamenten eingesetzt. Teilweise wurde das jeweilige Alpha-Interferon in inhalierbarer Form verabreicht. Alle diese Medikamente haben zumindest in einigen Ländern die Zulassung zur Therapie bestimmter Virusinfektionen, beispielsweise Hepatitis B oder C. BioCubaFarm hat mitgeteilt, dass es große Mengen seines Medikaments weltweit liefern kann.
  • Beta-Interferone: Gegen Covid-19 in Studien erprobt werden derzeit Medikamente mit Interferon beta-1a und Interferon beta-1b. Für eine größere Studie des Instituts INSERM in Frankreich stellt das deutsche Unternehmen Merck sein Interferon beta-1a-Medikament zur Verfügung. Eine Zulassung zur antiviralen Therapie haben beide Wirkstoffe in der EU nicht, doch in Laborversuchen konnte Interferon beta-1a die Vermehrung der verwandten SARS-Viren aufhalten. Für eine inhalierbare Form von Interferon-beta-1a hat das britische Unternehmen Synairgen die Genehmigung für eine Studie mit Covid-19-Patienten erhalten.

Pfizer erprobt derzeit im Labor weitere antivirale Wirkstoffe, die das Unternehmen schon zuvor zur Behandlung anderer Viruskrankheiten entwickelt hat. Sollten sich ein oder mehrere davon in Labortests bewähren, würde Pfizer sie den einschlägigen toxikologischen Tests unterziehen und Ende 2020 mit der Erprobung mit Menschen beginnen. Auch MSD untersucht derzeit, welche seiner antiviralen Wirkstoffe gegen SARS-CoV-2 wirksam sein könnten. Novartis untersucht, welche eigenen Produkte und welche Substanzen aus der eigenen Substanzbibliothek für Wirkstoffentwicklung sich auch für eine Behandlung von Covid-19-Patienten eignen könnten – sei es als antivirales Medikament, sei es auf andere Art (siehe unten). Auch Janssen (Division von Johnson & Johnson) prüft seine antiviralen Wirkstoffe im Labor.

Dämpfende Immunmodulatoren

Immunreaktionen sind bei Infizierten grundsätzlich erwünscht; sie dürfen nur nicht so exzessiv ausfallen, dass sie in der Lunge mehr Schaden anrichten als helfen.
Deshalb sollen in mehreren Projekten überschießende Immunreaktionen bei schwer Erkrankten gedämpft werden.

Sanofi und Regeneron erproben deshalb ihren Immunmodulator Sarilumab in einer Studie mit betroffenen Covid-19-Patienten in Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, Russland, Kanada und den USA. Dieser Interleukin-6-Antagonist ist zugelassen für die Rheuma-Therapie.

Roche erprobt ebenfalls einen Interleukin-6-Antagonisten, Tocilizumab, mit Covid-19-Patienten, die an einer schweren Lungenentzündung leiden. Das Medikament ist schon zugelassen zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Chinesische Mediziner erproben es ebenfalls schon seit einigen Wochen bei schwer infizierten Patienten.

Chinesische Mediziner erproben ferner den Immunmodulator Fingolimod mit Patienten. Er wurde von Novartis für die Therapie der Multiplen Sklerose entwickelt und ist dafür zugelassen.

Das Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum plant die Erprobung der Immunmodulatoren Anakinra und Emapalumab in einer klinischen Studie. Den Anstoß gaben Beobachtungen italienischer Ärzte. Anakinra ist (u.a. in der EU) zugelassen zur Therapie von Rheumatoider Arthritis und den Entzündungskrankheiten CAPS(1) und Still-Syndrom; Emapalumab hat in den USA eine Zulassung gegen die Entzündungskrankheit Hämophagozytische Lymphohistiozytose.

Das Jenaer Unternehmen InflaRx entwickelt derzeit das immunmodulatorische Medikament IFX-1 für die Behandlung verschiedener Entzündungskrankheiten; mehrere Studien mit Patienten wurden schon durchgeführt. Nun prüft InflaRx in einer Studie in den Niederlanden, ob es auch schwer an Covid-19 Erkrankten helfen kann. Der Wirkstoff ist ein monoklonaler Antikörper.

Novartis stuft auch den Januskinase-Inhibitor Ruxolitinib als vielversprechend ein, um überschießende Immunreaktionen zu dämpfen. Er ist zugelassen zur Behandlung bestimmter Krebsarten.

In Kanada wird in einer klinischen Studie Colchicin als Mittel gegen überschießende Immunreaktionen erprobt, geleitet vom Montreal Heart Institute. Das Mittel ist zugelassen gegen Gicht (und in manchen Ländern auch gegen Herzbeutelentzündung).

Im weiteren Sinne kann man auch Natriummetaarsenit (NaAsO2) zu den Immunmodulatoren zählen, denn es dämpft die Produktion bestimmter Botenstoffe des Immunsystems (den Cytokinen), die intensive Immunreaktionen auslösen können. Das südkoreanische Unternehmen Komipharm hat damit ein Medikament gegen tumorassoziierte Schmerzen entwickelt (Projektname PAX-1-001). Nun hat es klinische Studien zur Erprobung des Medikaments bei Covid-19-Patienten beantragt.

Medikamente für Lungenkranke

Chinesische Forscher wollen ein Medikament von Roche mit dem Wirkstoff Pirfenidon erproben, das bereits für Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose zugelassen ist. Dieses Medikament wirkt der Vernarbung geschädigten Lungengewebes entgegen.

Das kanadische Unternehmen Algernon Pharmaceuticals plant, sein Medikament NP-120 mit dem Wirkstoff Ifenprodil auf Eignung zu erproben. Ifenprodil ist mittlerweile patentfrei in Japan und Südkorea zugelassen gegen neurologische Krankheiten. Algernon entwickelt mit diesem Wirkstoff seit einiger Zeit ein Medikament gegen idiopatische Lungenfibrose.

Das Wiener Biotech-Unternehmen Apeptico will seinen Wirkstoff Solnatide gegen aktutes Lungenversagen (ARSD) auf Eignung für Covid-19-Patienten mit schweren Lungenschäden erproben. Es soll die Dichtheit von Membranen im Lungengewebe wiederherstellen.

Auch das US-amerikanische Unternehmen Bioxytran entwickelt derzeit ein Medikament mit dem Wirkstoff BXT-25 für Patienten mit ARDS. Es kann voraussichtlich die Sauerstoffaufnahme in einer geschädigten Lunge verbessern und Patienten helfen, die sonst nur noch über eine künstliche Lunge zureichend mit Sauerstoff versorgt werden können. Das Unternehmen möchte sein Medikament mit einem Partner auch für schwerkranke Patienten mit Covid-19 erproben.

In den USA wurde für das Beatmungsgerät des Unternehmens Bellerophon Therapeutics zugelassen, die Atemnot bei Covid-19-Patienten durch Beimengung von etwas Stickstoffmonoxid zur Atemluft zu lindern. Dieses Gas, das der Körper selbst als Botenstoff bildet, kann durch Muskelentspannung die Blutgefäße in den Lungen weiten. Dieses Vorgehen zeigte schon während der SARS-Epidemie positive Efffekte.

Neue Medikamente gegen SARS-CoV-2

In einer wachsenden Zahl von Projekten wird auch versucht, neue Medikamente gegen Covid-19 zu entwickeln. Auch hier kann man drei Arten von Projekten unterscheiden:

  • Projekte für Antikörper zur Passivimmunisierung
  • Vorhandene Projekte in frühen Stadien für antivirale Medikamente
  • Projekte zur Neuentwicklung geeigneter Wirkstoffe

Hier einige Beispiele für Projekte aus diesen Bereichen:

Antikörper zur Passivimmunisierung

Eine schon alte Methoden der Medizin zur Bekämpfung von Erregern ist, Patienten die Antikörper aus dem Blutserum von Personen (oder Tieren) zu spritzen, die die Krankheit bereits überstanden haben. Schon das Diphtherie-Antiserum von Emil von Behring von 1891 wirkte so, auch wenn damals niemand etwas von Antikörpern wusste. Ein anderes Beispiel sind die Spritzen zur Passivimmunisierung ("Passivimpfung") von Personen, die sich mit Tetanus angesteckt haben könnten, weil sie nicht dagegen geimpft sind. Vor kurzem haben auch mehrere Ebola-Medikamente mit solchen Antikörpern in Studien eine hohe Wirksamkeit gezeigt.

Bei den meisten Projekten zur Neuentwicklung von Medikamenten gegen SARS-CoV-2 steht deshalb ebenfalls die Blutflüssigkeit vormaliger Covid-19-Patienten im Zentrum, das sogenannte „Rekonvaleszentenserum“ oder "Rekonvaleszentenplasma" (beide enthalten keine Blutkörperchen, aus Serum wurden zusätzlich bestimmte Gerinnungsstoffe entfernt). Die Hoffnung ist, dass einige der darin enthaltenen Antikörper imstande sind, SARS-CoV-2 im Körper vermehrungsunfähig zu machen.
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Im einfachsten Fall sollen Patienten direkt Infusionen mit dem (auf Unbedenklichkeit kontrollierten) Blutplasma ehemaliger Covid-19-Patienten oder frisch daraus gewonnenen Antikörpern erhalten. So wollen beispielsweise die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), das Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen sowie die Unikliniken Köln und Münster vorgehen. Auch in New York und anderen Teilen der USA soll diese Methode in einer von der Arzneimittelbehörde FDA angegebenen Weise praktiziert werden.

Die Unternehmen, Takeda (Japan) und Grifols (Spanien) wollen stattdessen die Antikörper aus solchem Plasma gewinnen und daraus ein Medikament für Infusionen herstellen, ein polyklonales Anti-SARS-CoV-2 Hyperimmunglobulin (H-IG). Grifols will sein H-IG-Präparat in den USA produzieren.

Weitere Unternehmen und Forschungsgruppen in der Welt folgen ebenfalls dem gleichen Grundgedanken, gehen aber biotechnisch einen Schritt weiter: Sie gehen ebenfalls von Rekonvaleszenten-Serum aus, picken aber die bestgeeigneten Antikörper heraus und "kopieren" sie dann mit biotechnischen Mitteln, um damit ein Medikament herzustellen. Eins dieser Projekte wird vom schwedischen Karolinska Institut verfolgt. Ein weiteres betreiben die Unternehmen AbCellera und Lilly, die verkündet haben, dass binnen Monaten mit den wirksamsten von mehr als 500 gewonnenen Antikörpern ein Medikament entwickelt werden soll, das mit Patienten erprobt werden kann. Auch AstraZeneca (UK), Celltrion (Südkorea) und Amgen mit Adaptive Biotechnologies (USA) arbeiten daran, auf diese Weise ein Medikament zu entwickeln.

Noch einen Schritt weiter geht ein Konsortium von Forschungseinrichtungen in den USA im Rahmen der DARPA Pandemic Preparedness Platform. In ihrem Medikament sollen am Ende nicht Kopien der wirksamsten Antikörper aus Rekonvaleszenten-Plasma selbst enthalten sein, sondern stattdessen die Gene dafür – in Form von mRNA. Wer diese mRNA injiziert bekommt, stellt für eine Weile in seinem Körper die Antikörper selbst her und ist geschützt. Der Vorteil dieses Vorgehens: Wahrscheinlich kann man so schneller große Mengen an Medikamenten-Dosen herstellen als wenn man die Antikörper biotechnisch produzieren muss. Der Nachteil: Bisher gibt es noch kein anderes Medikament, das so funktioniert. Geleitet wird das Projekt unter anderem von James Crowe, Vanderbilt University, Tennessee, der für seine Pionierarbeiten auf diesem Gebiet 2019 den Future Insight Prize des deutschen Unternehmens Merck erhielt.

Mehrere Projekte für neue Medikamente variieren den Ansatz "Rekonvaleszentenserum". So hat Vir Biotechnology schon zuvor Antikörper aus dem Blutserum von Patienten gewonnen, die 2003 eine SARS-Infektion überstanden haben. Nun prüft das Unternehmen mit den US-amerikanischen Instituten NIH und NIAID, ob auch diese imstande sind, die Vermehrung von SARS-CoV-2 zu stoppen. Für die biotechnische Produktion von "Kopien" dieser Antikörper kooperiert Vir Biotechnology mit dem US-Unternehmen Biogen und dem chinesischen Unternehmen WuXi Biologics. Auch das Imperial College London arbeitet mit Partnern an einer Antikörpertherapie ausgehend von Antikörpern aus dem Blutserum von früheren SARS-Patienten.

Wissenschaftler der Universität Utrecht (Niederlande) haben ebenfalls Antikörper aus dem Blutserum von SARS-Rekonvaleszenten von 2003 untersucht. Sie fanden einen Antikörper, der die Vermehrung von SARS-CoV-2 in Kultur hemmen kann. Er soll nun weiter erprobt werden.

Ein ähnliches Projekt betreibt Regeneron: Das Unternehmen erprobt ein Medikament mit den monoklonalen Antikörpern REGN3048 und REGN3051 in einer Phase I-Studie mit Freiwilligen. Diese Antikörper wurden zur Behandlung des MERS-Coronavirus entwickelt, das mit SARS-CoV-2 verwandt ist.

Auch das Unternehmen Boehringer Ingelheim arbeitet mit dem deutschen Biotech-Unternehmen Yumab und weiteren Partnern an einem Antikörper-Medikament gegen Covid-19. Dabei wird aber kein Rekonvaleszentenplasma analysiert, vielmehr werden mit Labormethoden (Phage Display) gezielt künstliche Antikörper geschaffen, die beispielsweise die Bindung des Virus an menschliche Zellen unterbrechen können.


Vorhandene Projekte in frühen Stadien für antivirale Medikamente

Einen anderen Weg verfolgt ein Forschungsteam der Universität Lübeck. Es entwickelt seit Jahren sogenannte Alpha-Ketoamide als antivirale Wirkstoffe gegen Corona- und Enteroviren (die u. a. für Mundfäule verantwortlich sind). In Laborversuchen hemmen neuen experimentellen Wirkstoffe die Vermehrung dieser Viren. Einer davon, genannt "13b", ist gegen Coronaviren optimiert. Er soll nun in Zellkulturen und mit Tieren getestet und im Fall von positiven Ergebnissen gemeinsam mit einem Pharma-Unternehmen in Studien mit Menschen erprobt werden.


Projekte zur Neuentwicklung geeigneter Wirkstoffe

Eine Reihe großer Pharma-Unternehmen haben sich zusammengetan, um neue therapeutische Medikamente (wie auch Impfstoffe und Diagnostika) gegen Covid-19 zu entwickeln. In einem ersten Schritt werden sie ihre firmeneigenen Sammlungen von Molekülen, für die bereits einige Daten zu Sicherheit und Wirkungsweise vorliegen, zur Verfügung zu stellen. Diese sollen von der Einrichtung „Covid-19 Therapeutics Accelerator“ getestet werden, die von der Gates Foundation, dem Wellcome Trust und Mastercard ins Leben gerufen wurde. Für als aussichtsreich eingestufte Moleküle sollen dann binnen zwei Monaten auch Tests mit Tieren beginnen. Zu der Unternehmens-Gruppe gehören BD, bioMérieux, Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Eisai, Eli Lilly, Gilead, GSK, Janssen (Johnson & Johnson), MSD, Merck, Novartis, Pfizer und Sanofi.

Auch das auf Antiinfektiva spezialisierte deutsche Unternehmen AiCuris hat angekündigt, eigene Substanzen auf Eignung gegen SARS-CoV-2 zu prüfen.

Einen anderen Plan verfolgen die Unternehmen Vir Pharmaceuticals und Alnylam Pharmaceuticals (beide USA). Sie haben angekündigt, sogenannte siRNA-Wirkstoffe zu entwickeln, die das Virus dadurch blockieren, dass einige seiner Gene nicht mehr funktionieren. Der Ansatz heißt Gene Silencing. Auch das südkoreanische Unternehmen OliX Pharmaceuticals arbeitet an einem Wirkstoff dieser Art gegen SARS-CoV-2.

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