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Dem Körper helfen, sich zu wehren

Impfstoffe sind ein wichtiger Beitrag zum Gesundheitswesen. Denn Schutzimpfungen nützen nicht nur die Geimpften, sondern bewahren auch Ungeimpfte in ihrem Umfeld davor zu erkranken. Forschende Pharma-Unternehmen entwickeln immer wieder neue Impfmöglichkeiten und verbessern auch die vorhandenen Impfstoffe.

Ein Kleinkind blickt nach oben, während es mit einer Spritze in den rechten Oberarm geimpft wird.

Gegen viele Krankheitserreger kann sich das menschliche Immunsystem eigentlich wehren. Aber bei einigen gelingt ihm das schlecht, wenn es den Erreger noch nie zuvor gesehen hat. Impfen bedeutet, das Immunsystem mit den Merkmalen eines Erregers bekannt zu machen, ehe der echte Erreger eindringt. Dann kann es sich darauf vorbereiten. Kommt es später zur Ansteckung, kann das trainierte Immunsystem schnell reagieren, so dass die Krankheit gar nicht ausbricht oder zumindest einen milderen Verlauf nimmt.

Aktivimpfungen

Ärzte nennen die Impfungen im eigentlichen Sinne auch Aktivimpfungen, weil der menschliche Körper – in Reaktion auf die Impfung – selbst aktiv werden muss, um seine Immunabwehr gegen den betreffenden Erreger aufzubauen. Viele Aktivimpfungen sind erst richtig und für viele Jahre wirksam, wenn sie zwei oder dreimal nacheinander durchgeführt wurden.

Impfstoffe werden auch Vakzinen genannt. Der Name leitet sich von vaccinus – lateinisch „von der Kuh" – her. Denn mit Kuhpockenviren wurde in England ab 1796 wirksam gegen die Pocken geimpft – oder „vaccinated", wie man es dort nannte.

Gegen folgende Krankheiten gibt es heute vorbeugende Aktivimpfungen:

  • Brechdurchfall durch Rotaviren
  • Cholera
  • Diphtherie
  • Ebola (seit 11/2019)
  • FSME = Frühsommer-Meningoenzephalitis
  • Gelbfieber
  • Genitalwarzen durch humane Papillomviren (HPV)
  • HPV-Infektion, die zu Gebärmutterhalskrebs oder anderen Krebsarten im Genital-Anal-Bereich führen kann
  • saisonale echte Grippe = Influenza
  • Gürtelrose = Herpes zoster
  • Haemophilus-influenzae-b-Infektion (Hib-Infektion)
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Hirnhautentzündung oder Sepsis durch Meningokokken der Serogruppen A, B, C, W135 und Y
  • Japanische Enzephalitis
  • Keuchhusten = Pertussis
  • Lungenentzündung durch Pneumokokken
  • Masern
  • Milzbrand = Anthrax
  • Mittelohrentzündung durch Pneumokokken
  • Mumps
  • Polio = Kinderlähmung
  • Röteln
  • Tetanus = Wundstarrkrampf
  • Tollwut
  • Typhus
  • Vogelgrippe [zugelassen, aber Herstellung nur im Falle einer drohenden Epidemie oder staatlicher Bevorratung]
  • Windpocken

Gegen Pocken wird nicht mehr geimpft; und der einzige Impfstoff gegen Tuberkulose (der sogenannte BCG-Impfstoff) wird in Deutschland wegen seines hierzulande schlechten Nutzen-Risiko-Verhältnisses nicht angewendet; zudem ist er bei Erwachsenen unwirksam.

Alle verfügbaren Impfstoffe richten sich gegen Infektionskrankheiten. Krebserkrankungen im Genital/Anal-Bereich von Frauen und Männern sowie Genitalwarzen gehören dazu, weil sie von verschiedenen Stämmen sexuell übertragener humaner Papillomviren (HPV) ausgelöst werden.

Neben Impfstoffen gegen einzelne Krankheiten gibt es auch Kombinations-Impfstoffe, die vor bis zu sechs Krankheiten gleichzeitig schützen. Hierdurch lässt sich die Zahl der erforderlichen Injektionen im Vergleich zu Einzelimpfungen verringern. Kombinations-Impfstoffe kommen vor allem für die Grundimmunisierung von Kindern und für Auffrischimpfungen bei Erwachsenen zum Einsatz.

Passivimmunisierung

Sind bei einem Menschen schon Krankheitserreger eingedrungen, ist es für eine Impfung meist zu spät (1) . Dann kann jedoch eine Passivimmunisierung helfen. Dabei werden dem Patienten Immunglobuline (= Antikörper) gespritzt, die aus der Blutflüssigkeit (dem Serum) geimpfter Menschen (selten auch dem von Pferden) gewonnen wurden. Die Injektionslösungen für die Passivimmunisierung heißen auch in Anlehnung an ihre Herkunft Antiseren.

Seit einigen Jahren gibt es auch eine Art "künstliche Antiseren". Im einem der beiden bislang zugelassenen Präparate sind Antikörper gegen das RSV-Virus enthalten, die nicht aus Blutserum gewonnen, sondern gentechnisch hergestellt wurden. Im anderen sind – ebenfalls gentechnisch hergestellte – Antikörper gegen das Toxin des bakteriellen Darmkeims Clostridium difficle. Weitere Antikörper-basierte Passivimmunisierungen gegen andere Virus- oder bakterielle Infektionen sind in Entwicklung.

Gegen folgende Infektionskrankheiten sind Immunglobuline zur Passivimmunisierung verfügbar:

  • Botulismus (Fleischvergiftung durch Botulinum-Bakterien)
  • Cytomegalieviren-Infektion (CMV-Infektion)
  • Darmkoliken durch Clostridium difficile (Rezidive)
  • Diphtherie
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Masern
  • RSV-Infektion (gentechnisch hergestellt)
  • Röteln
  • Tetanus = Wundstarrkrampf
  • Tollwut

Zudem gibt es verschiedene Immunglobulin-Präparate, die Patienten mit schwerer Immunschwäche gleich gegen eine Vielzahl von Infekten passiv immunisieren; sie enthalten Antikörpergemische. Durch Passivimmunisierung wirken auch Antiseren gegen Schlangen- und Skorpionsgifte und gegen die Rhesusfaktor-Unverträglichkeit zwischen Mutter und Kind während der Schwangerschaft.

Alle Impfstoffe und Immunglobuline sind Originalpräparate; Generika gibt es davon nicht. Einige Generikafirmen vertreiben allerdings Originalimpfstoffe in Lizenz.

(1) Eine wichtige Ausnahme stellt Tollwut dar, wo eine Aktivimpfung auch nach einer Ansteckung fast immer einem Krankheitsausbruch zuvor kommt.