Was Impfungen leisten: Impfstoffe bieten Schutz vor 27 Krankheiten

Pharma-Unternehmen haben bislang Impfstoffe gegen mehr als zwei Dutzend Krankheiten entwickelt. Diesen Medikamenten ist es zu verdanken, dass viele früher gefürchtete Infektionskrankheiten heute ihren Schrecken verloren haben.

Impfen bedeutet, das Immunsystem eines Menschen so vorzubereiten, dass es den Ausbruch einer Krankheit verhindern oder zumindest ihren Verlauf mildern kann, wenn sich die geimpfte Person infiziert. Ärzte unterscheiden Aktivimpfungen von Passivimmunisierungen, die oft zu den "Impfungen im weiteren Sinne" gezählt werden.


Download (MP4-Format, 82 MB)

Aktivimpfungen

Aktivimpfungen – die Impfungen im eigentlichen Sinne – sorgen dafür, dass der Körper wesentliche Teile eines Krankheitskeims kennenlernt, ohne mit dem gefährlichen Erreger selbst konfrontiert zu sein. Das verschafft ihm den nötigen Vorsprung beim Aufbau seiner Abwehr (bestehend aus Immunzellen und gezielt gegen den Erreger wirkenden Antikörpern). Dringen später die echten Erreger ein, ist die Abwehr schon aufgestellt und zerstört sie. Viele Aktivimpfungen wirken erst richtig und über Jahre, wenn sie zwei oder dreimal durchgeführt wurden.

Impfstoffe werden auch Vakzinen genannt. Der Name leitet sich von vaccinus – lateinisch „von der Kuh" – her. Denn mit Kuhpockenviren wurde in England ab 1796 wirksam gegen die Pocken geimpft – oder „vaccinated", wie man es dort nannte.

Impfungen-Selbstcheck



Gegen folgende Krankheiten gibt es heute vorbeugende Aktivimpfungen:

  • Brechdurchfall durch Rotaviren
  • Cholera
  • Diphtherie
  • FSME = Frühsommer-Meningoenzephalitis
  • Gelbfieber
  • Genitalwarzen durch humane Papillomviren (HPV)
  • HPV-Infektion, die zu Gebärmutterhalskrebs oder anderen Krebsarten im Genital-Anal-Bereich führen kann
  • saisonale echte Grippe = Influenza
  • Gürtelrose = Herpes zoster
  • Haemophilus-influenzae-b-Infektion (Hib-Infektion)
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Hirnhautentzündung durch Meningokokken der Serogruppen A, B, C, W135 und Y
  • Japanische Enzephalitis
  • Keuchhusten = Pertussis
  • Lungenentzündung durch Pneumokokken
  • Masern
  • Meningokokken-Erkrankungen neben Hirnhautentzündung
  • Milzbrand (Anthrax) [in Deutschland noch nicht auf dem Markt]
  • Mittelohrentzündung durch Pneumokokken
  • Mumps
  • Polio = Kinderlähmung
  • Röteln
  • Tetanus = Wundstarrkrampf
  • Tollwut
  • Typhus
  • Vogelgrippe [zugelassen, aber Herstellung nur im Falle einer drohenden Epidemie oder staatlicher Bevorratung]
  • Windpocken



Die Ständige Impfkommission STIKO

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am staatlichen Robert Koch-Institut, Berlin, entscheidet, welche Impfungen in Deutschland für bestimmte Bevölkerungsgruppen (z. B. Kinder, Senioren) ausdrück-lich empfohlen sind. Diese müssen dann von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Andere Impfungen – etwa Reiseimpfungen – müssen die Versicherten hingegen meist selbst bezahlen. Die STIKO-Mitglieder, überwiegend Ärzte aus Universitätskliniken, werden vom Bundesministerium für Gesundheit berufen. Die aktuellen STIKO-Empfehlungen sind stets abrufbar unter www.rki.de, Rubrik Infektionsschutz.
Gegen Pocken wird nicht mehr geimpft; und der einzige Impfstoff gegen Tuberkulose (der sogenannte BCG-Impfstoff) wird in Deutschland wegen seines hierzulande schlechten Nutzen-Risiko-Verhältnisses nicht angewendet.

Alle verfügbaren Impfstoffe richten sich gegen Infektionskrankheiten. Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen gehören dazu, weil sie von verschiedenen Stämmen sexuell übertragener humaner Papillomviren (HPV) ausgelöst werden.

Neben Impfstoffen gegen einzelne Krankheiten gibt es auch Kombinations-Impfstoffe, die vor bis zu sechs Krankheiten gleichzeitig schützen. Hierdurch lässt sich die Zahl der erforderlichen Injektionen im Vergleich zu Einzelimpfungen verringern. Kombinations-Impfstoffe kommen vor allem für die Grundimmunisierung von Kindern und für Auffrischimpfungen bei Erwachsenen zum Einsatz.


Passivimmunisierung

Sind bei einem Menschen schon Krankheitserreger eingedrungen, ist es für eine Impfung meist zu spät (1) . Dann kann jedoch eine Passivimmunisierung helfen. Dabei werden dem Patienten Antikörper gespritzt, die aus der Blutflüssigkeit (dem Serum) geimpfter Menschen (selten auch Pferden) gewonnen wurden. Die Impfstoffe für die Passivimmunisierung heißen auch Immunglobuline oder – in Anlehnung an ihre Herkunft – Antiseren.

Seit einigen Jahren gibt es auch ein "künstliches Antiserum". Die darin enthaltenen Antikörper gegen das RSV-Virus werden nicht aus Blutserum gewonnen, sondern gentechnisch hergestellt. Weitere Impfstoffe dieser Art gegen andere Virus- oder bakterielle Infektionen sind in Entwicklung.

Gegen folgende Infektionskrankheiten sind Immunglobuline zur Passivimmunisierung verfügbar:

  • Botulismus (Fleischvergiftung durch Botulinum-Bakterien)
  • Cytomegalieviren-Infektion (CMV-Infektion)
  • Diphtherie
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Masern
  • RSV-Infektion (gentechnisch hergestellt)
  • Röteln
  • Tetanus = Wundstarrkrampf
  • Tollwut



Zudem gibt es verschiedene Immunglobulin-Präparate, die Patienten mit schwerer Immunschwäche gleich gegen eine Vielzahl von Infekten passiv immunisieren; sie enthalten Antikörpergemische. Durch Passivimmunisierung wirken auch Antiseren gegen Schlangen- und Skorpionsgifte und gegen die Rhesusfaktor-Unverträglichkeit zwischen Mutter und Kind während der Schwangerschaft.

Alle Impfstoffe und Immunglobuline sind Originalpräparate; Generika gibt es davon nicht. Einige Generikafirmen vertreiben allerdings Originalimpfstoffe in Lizenz.

(1) Eine wichtige Ausnahme stellt Tollwut dar, wo eine Aktivimpfung auch nach einer Ansteckung fast immer einem Krankheitsausbruch zuvor kommt.