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Impfstoffe – Wie sie wirken und wovor sie schützen

Impfstoffe schützen vor Infektionskrankheiten, indem sie das Immunsystem zur Herstellung von Antikörpern und Vermehrung bestimmter Immunzellen anregen. Sie sind mit die wichtigsten Mittel zur Prävention gegen Krankheiten. Forschende Pharmaunternehmen entwickeln immer wieder neue und verbesserte Impfmöglichkeiten. Man unterscheidet Totimpfstoffe, Lebendimpfstoffe und genbasierte Impfstoffe.

Ein Kleinkind blickt nach oben, während es mit einer Spritze in den rechten Oberarm geimpft wird.

Gegen viele Krankheitserreger kann sich das menschliche Immunsystem eigentlich wehren. Es stellt unter anderem Antikörper her und vermehrt bestimmte Immunzellen, die gezielt gegen den eingedrungenen Keim vorgehen. Diese bleiben noch lange nach der Infektion erhalten, so dass ein lang andauernder Schutz entsteht, eine Immunität.

Aktivimpfungen: Prävention gegen Infektionskrankheiten mit Lebend-, Tot- und genbasierten Impfstoffe

Ärzte nennen die Impfungen auch Aktivimpfungen, weil der menschliche Körper in Reaktion auf die Impfung selbst aktiv werden muss, um den gewünschten Immunschutz aufzubauen. Sowohl Lebendimpfstoffe als auch Totimpfstoffe sowie genbasierte Impfstoffe können Geimpfte meist für viele Jahre schützen ‒ zum Teil sogar lebenslang. Das wird aber häufig erst erreicht, wenn sie zwei oder dreimal nacheinander im Abstand von Wochen oder sogar Monaten gespritzt wurden. Es gibt jedoch auch Impfungen, bei denen eine Injektion ausreicht.
Alle verfügbaren Impfstoffe richten sich gegen Infektionskrankheiten. Krebserkrankungen im Genital/Anal-Bereich von Frauen und Männern sowie Genitalwarzen zählen ebenfalls dazu, da sie von verschiedenen Stämmen sexuell übertragener humaner Papillomviren (HPV) ausgelöst werden.

Vor folgenden Krankheiten kann man sich heute mit zugelassenen Impfstoffen schützen:

  • Cholera [T]
  • Dengue-Fieber [L]
  • Diphtherie [V]
  • Ebola [V]
  • FSME = Frühsommer-Meningoenzephalitis [T]
  • Gelbfieber [L]
  • Genitalwarzen durch humane Papillomviren (HPV) [T])
  • Haemophilus-influenzae-b-Infektion (Hib-Infektion) [T]
  • Hepatitis A [T]
  • Hepatitis B [T]
  • Herpes zoster (Gürtelrose) [L, T]
  • Hirnhautentzündung oder Sepsis durch Meningokokken der Serogruppen A, B, C, W135 und Y [T]
  • Influenza (saisonale echte Grippe) [L, T]
  • Krebsarten im genitalen / analen Bereich durch humane Papillomviren (HPV) [T]
  • Masern [L]
  • Japanische Enzephalitis [T]
  • Lungen- und Mittelohrentzündung durch Pneumokokken [T]
  • Mumps [L]
  • Pertussis (Keuchhusten) [T]
  • Pocken [L]
  • Polio [T]
  • Rotaviren (Brechdurchfall) [L]
  • Röteln [L]
  • Tetanus = Wundstarrkrampf [T]
  • Tollwut [T]
  • Typhus [L, T]
  • Varizellen (Windpocken) [L]
  • Humane Papillomaviren (HPV) [T]

[L] und [T] stehen für „Lebendimpfstoff“ und „Totimpfstoff“, [V] steht für „Vektorviren-Impfstoff“.

Lebendimpfstoffe erzielen oft besonders langen Schutz

Lebendimpfstoffe enthalten vermehrungsfähige Erreger. Aber es handelt sich meist um Stämme der Erreger, denen die krank machenden Eigenschaften abgezüchtet wurden. Diese heißen „attenuierte“ Erreger. Die Lebendimpfstoffe gegen Mumps, Masern und Röteln enthalten solche attenuierten Viren und bewirken meist lebenslangen Impfschutz.

Attenuierte Viren gehen mit dem Restrisiko einher, dass die Impfung in seltenen Fällen doch ähnliche Beschwerden wie die Krankheit selbst hervorruft. Doch die Symptome fallen meist sehr schwach aus und dauern nur wenige Tage an. Dennoch gibt es aus diesem Grund spezielle Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für Schwangere.

Totimpfstoffe

Totimpfstoffe enthalten nur „totes“, das heißt nicht vermehrungsfähiges Material: das sind abgetötete Krankheitserreger oder Bestandteile von ihnen. Diese haben den Namen „Antigene“ erhalten, weil sie im Körper Antikörper generieren. Der Immunschutz durch Totimpfstoffe hält meist nur einige Jahre an und muss dann ggf. aufgefrischt werden.

Spezielle Formen der Totimpfstoffe sind insbesondere die folgenden:

Subunit- und Spaltimpfstoffe: Sie enthalten keine ganzen abgetöteten Erreger, sondern nur daraus gewonnene oder gentechnisch hergestellte Biomoleküle. Die meisten Grippeimpfstoffe sind Spaltimpfstoffe, die aus echten Grippeviren hergestellt werden. Mehrere Subunit-Impfstoffe enthalten zwar ebenfalls ausgewählte Moleküle eines Erregers, diese wurden jedoch nicht aus dem Erreger selbst gewonnen, sondern gentechnisch in großen Stahltanks mit Hefe-, Säugetier- oder Insektenzellen produziert. Den Zellen wurden zuvor die dazu nötigen Gene des Erregers übertragen. Das gilt beispielsweise für die Impfstoffe gegen Hepatitis B oder Cholera.

Konjugatimpfstoffe sind Subunitimpfstoffe, bei denen die Erregermoleküle nicht direkt in den Impfstoff eingebracht, sondern zuvor an Proteine gebunden werden, die eine Trägersubstanz darstellen. Diese so genannten Konjugate erzielen eine stärkere Immunreaktion und einen länger anhaltenden Schutz als das Antigen allein. Mehrere Impfstoffe gegen Hirnhaut-und Lungenentzündung zählen zu den Konjugatimpfstoffen; hier sind die Antigene Polysaccharide, die an Proteine gebunden werden.

VLP-Impfstoffe enthalten Virus-like Particles. Das bedeutet, dass die Antigene nicht einfach ungeordnet im Impfstoff gelöst sind, sondern sich mit weiteren Molekülen zu kleinen Gebilden zusammengelagert haben, die wie Viren aussehen. Das sorgt in manchen Fällen für bessere Impfwirkung. Anders als Viren sind die VLP aber nicht vermehrungsfähig. Beispiele für VLP-Impfstoffe sind die Vakzinen gegen Krankheiten, die von humanen Papillomviren (HPV) verursacht werden.

Genbasierte Impfstoffe

Bei Lebend- und Totimpfstoffen werden dem Körper die abgeschwächten Erreger oder Erregerantigene mit dem Impfstoff zugeführt. Bei genbasierten Impfstoffen müssen Körperzellen hingegen ein Antigen selbst herstellen, nachdem ihm das entsprechende Gen mit dem Impfstoff appliziert wurde. Das ist das Prinzip von Vektorviren-, RNA- und DNA-Impfstoffen.

Für Vektorviren-Impfstoffe wird im Labor ein Gen des betreffenden Erregers (z.B. dem Ebola-Virus) harmlosen Viren mitgegeben. Diese können zwar in menschliche Zellen eindringen und sich eventuell dort auch vermehren, machen aber nicht krank. Die befallene Zelle produziert daraufhin eine Zeit lang auf Basis des Gens das Erregerantigen, was zur Immunreaktion beim Geimpften führt. Das Erbgut der befallenen Zellen, die DNA, wird dabei nicht verändert.

Als harmlose Vektorviren kommen unter anderem die Impfviren aus Pocken- und Masern-Impfstoffen in Betracht, oder auch Affen-Adenoviren. Die ersten zugelassenen Vektorviren-Impfstoffe schützen vor Ebola und Dengue-Fieber.

RNA-Impfstoffe enthalten hingegen keine Viren, sondern nur das betreffende Erregergen in Form sogenannter Messenger-RNA. Diese wird in kleine Bläschen, die Lipidnanopartikel verpackt und als Impfstoff gespritzt. Gelangt die Messenger-RNA in Zellen, stellen diese damit das Erregerantigen her, was wiederum zu einer Immunreaktion führt. Auch hier wird die DNA der Körperzellen nicht verändert, und die Antigenproduktion endet nach kurzer Zeit wieder.

Bislang gibt es noch keine zugelassenen RNA-Impfstoffe, doch es sind mehrere gegen Grippe, Tollwut und COVID-19 in Entwicklung.

DNA-Impfstoffe ähneln den RNA-Impfstoffen, enthalten jedoch das betreffende Erregergen in Form der Erbsubstanz DNA. Bislang gibt es noch keine zugelassenen DNA-Impfstoffe, doch es sind welche gegen COVID-19 in Entwicklung.

Passivimmunisierung: Wenn es für eine Impfung zu spät ist

Sind bei einem Menschen schon Krankheitserreger eingedrungen, ist es für eine Impfung meist zu spät. Eine Ausnahme stellt Tollwut dar, wo eine Aktivimpfung auch nach einer Ansteckung fast immer einem Krankheitsausbruch zuvorkommt.

Wurde eine Impfung versäumt, lassen sich manche Krankheitserreger nach dem Eindringen noch durch eine Passivimmunisierung mit einem sogenannten Antiserum in Schach halten. Dabei handelt es sich in gewisser Hinsicht um eine „transplantierte Impfung“. Früher wurden Passivimmunisierungen mitunter auch „Passiv-Impfungen“ genannt. Dabei werden dem Patienten Immunglobuline gespritzt, die aus der Blutflüssigkeit (dem Serum) geimpfter Menschen und selten auch dem von Pferden gewonnen wurden. Immunglobuline sind auch bekannt als Antikörper. Die Injektionslösungen für die Passivimmunisierung heißen in Anlehnung an ihre Herkunft auch Antiseren.

Gegen diese Krankheiten sind Antikörper bzw. Antiserene zur Passivimmunisierung verfügbar:

  • Botulismus (Fleischvergiftung durch Botulinum-Bakterien)
  • Cytomegalieviren-Infektion (CMV-Infektion)
  • Darmkoliken durch Clostridium difficile (Rezidive)
  • Diphtherie
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Masern
  • RSV-Infektion (gentechnisch hergestellt)
  • Röteln
  • Tetanus = Wundstarrkrampf
  • Tollwut

Zudem gibt es verschiedene Immunglobulin-Präparate mit Antikörpergemischen, die Menschen mit schwerer Immunschwäche gleich gegen eine Vielzahl von Infekten passiv immunisieren. Durch Passivimmunisierung wirken auch Antiseren gegen Schlangen- und Skorpionsgifte und gegen die Rhesusfaktor-Unverträglichkeit zwischen Mutter und Kind während der Schwangerschaft. Alle Impfstoffe und Immunglobuline sind Originalpräparate. Generika, also günstigere Nachahmerpräparate, gibt es davon nicht. Einige Generikafirmen vertreiben allerdings Originalimpfstoffe in Lizenz.