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22. September 2026 US-Preispolitik: AMNOG für innovative Arzneimittel weiterentwickeln

Die US-Preispolitik verändert die internationalen Rahmenbedingungen für die Preisbildung innovativer Arzneimittel. Da deutsche Erstattungspreise über internationale Preisreferenzierung auf andere Märkte wirken können, entstehen neue Risiken für Markteinführungen in Deutschland. Um den schnellen Zugang zu Innovationen zu sichern, muss das AMNOG aus Sicht des vfa als Versorgungs- und Standortfaktor weiterentwickelt werden.

Deutschland muss für innovative Arzneimittel attraktiv bleiben

Deutschland verliert bei der Verfügbarkeit innovativer Arzneimittel an Boden. Jedes dritte Arzneimittel, das in den vergangenen zehn Jahren in den USA zugelassen wurde, ist in Deutschland nicht zugelassen. Damit fehlen Ärztinnen und Ärzten 175 innovative Arzneimittel, darunter 51 mit Breakthrough-Therapy-Status und damit besonders hohem medizinischem Potenzial. Zugleich verliert Europa auch gegenüber China als früher Zulassungsstandort an Bedeutung (CRA 2026).

Der Innovationsrückstand ist eng mit der Attraktivität und Verlässlichkeit des deutschen Marktumfelds verbunden. Deshalb muss das AMNOG-Verfahren planbar sein, Innovation angemessen berücksichtigen und Anreize für einen zügigen Marktzugang schaffen. Kurzfristige Einsparziele dürfen den Zugang zu innovativen Therapien nicht beeinträchtigen.


US-Preispolitik verändert die Rahmenbedingungen des AMNOG

Die AMNOG-Preisbildung kann nicht mehr ausschließlich national betrachtet werden. Deutsche Erstattungspreise wirken über die US-Preispolitik und Preisreferenzierung in den weltweit größten Arzneimittelmarkt hinein. Ein dadurch sinkendes Preisniveau in den USA kann die Refinanzierung von Forschung und Entwicklung beeinträchtigen.

Nationale Preisvorgaben können damit auf globale Investitionsentscheidungen und Markteinführungsstrategien zurückwirken. Die Eingriffe in die AMNOG-Preisbildung durch das BStabG verschärfen diese Risiken. Deshalb sollte das Verhandlungsprinzip im AMNOG wieder gestärkt werden.

Preisbildung an globale Herausforderungen anpassen

Um internationale Rückwirkungen abzumildern, sollte in den Erstattungsbetragsverhandlungen das US-amerikanische Preisniveau berücksichtigt werden können.

Zudem sollte für neue Arzneimittel in den ersten zwölf Monaten nach Markteinführung wieder die freie Preisbildung gelten. Dies kann die Entscheidung begünstigen, trotz internationaler Referenzwirkungen frühzeitig eine europäische Zulassung anzustreben und innovative Arzneimittel auch in Deutschland verfügbar zu machen.

Vertraulichkeit stärken und innovationsgerechte Maßstäbe setzen

Die bestehende Möglichkeit, verhandelte Erstattungsbeträge nicht zu listen, sollte ausgeweitet und praktikabler gestaltet werden. Dafür sollten der zusätzliche Abschlag von 9 Prozent und die Begrenzung auf das erstmalige Inverkehrbringen aufgehoben werden. Auch der Ausgleich der Handelsmargen durch die pharmazeutische Industrie sollte entfallen.

Zugleich braucht die AMNOG-Preisbildung innovationsgerechte Referenzmaßstäbe. Generikapreise bilden den Wettbewerb nach Ablauf des Patentschutzes ab und sind deshalb kein geeigneter Maßstab für den Wert einer neuen Therapie. Entscheidend sollten der medizinische Fortschritt und vergleichbare patentgeschützte Therapieoptionen sein.

Vier Maßnahmen für eine innovationsgerechte AMNOG-Preisbildung

Die Herausforderungen durch die US-Preispolitik und Most Favored Nation (MFN) erfordern neue Ansätze. Die folgenden Maßnahmen werden voraussichtlich nicht ausreichen, sind aber notwendige erste Schritte.

Der vfa schlägt vor:

  • das US-amerikanische Preisniveau in Erstattungsbetragsverhandlungen zu berücksichtigen,
  • die freie Preisbildung für die ersten zwölf Monate wieder einzuführen,
  • die Vertraulichkeitsoption für Erstattungsbeträge zu stärken und
  • innovationsgerechte Referenzmaßstäbe in der Preisverhandlung anzuwenden.

Ziel ist eine AMNOG-Preisbildung, die globale Entwicklungen berücksichtigt, die Durchlässigkeit von Innovationen in die Versorgung sichert und die Attraktivität Deutschlands für die Markteinführung innovativer Arzneimittel erhält.


Häufige Fragen zur US-Preispolitik und zum AMNOG

Deutsche Erstattungspreise können über die US-Preispolitik und internationale Preisreferenzierung Auswirkungen auf den US-Markt haben. Dadurch können deutsche Preisentscheidungen globale Investitions- und Markteinführungsstrategien beeinflussen. Dies kann wiederum die Verfügbarkeit innovativer Arzneimittel in Deutschland betreffen.

Im AMNOG werden neue Arzneimittel bewertet und Erstattungsbeträge verhandelt. Die dabei geltenden Rahmenbedingungen beeinflussen die Attraktivität einer Markteinführung in Deutschland. Aus Sicht des vfa muss das AMNOG deshalb sowohl als Instrument der Preisbildung als auch als Versorgungs- und Standortfaktor betrachtet werden.

Eine freie Preisbildung in den ersten zwölf Monaten soll die Attraktivität einer frühen Markteinführung in Deutschland erhöhen. Sie kann die Entscheidung begünstigen, trotz internationaler Referenzwirkungen zeitnah eine europäische Zulassung anzustreben und ein neues Arzneimittel in Deutschland verfügbar zu machen.

Die Vertraulichkeitsoption ermöglicht es, einen verhandelten Erstattungsbetrag nicht öffentlich zu listen. Damit sollen negative Auswirkungen deutscher Preise auf andere Länder begrenzt werden. Der vfa schlägt vor, diese Möglichkeit auszuweiten und bestehende Einschränkungen wie den zusätzlichen Abschlag von 9 Prozent aufzuheben.

Innovationsgerechte Referenzmaßstäbe orientieren sich am medizinischen Fortschritt und an vergleichbaren patentgeschützten Therapieoptionen. Generikapreise spiegeln dagegen den Wettbewerb nach Ablauf des Patentschutzes wider. Aus Sicht des vfa sind sie deshalb nicht geeignet, den Wert einer neuen Therapie abzubilden.

Das komplette AMNOG-Konzept des vfa als PDF-Broschüre

Warum das AMNOG jetzt neu ausgerichtet werden muss - Drei Reformfelder für ein AMNOG im globalen Wettbewerb:

- Den Risiken der US-Preispolitik für die Versorgung aktiv begegnen

- Rückkehr zum nutzen- und evidenzbasierten AMNOG

- AMNOG zukunftsfähig weiterentwickeln

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