Normalerweise kann die Zulassung für ein Medikament erst beantragt werden, wenn Ergebnisse aus allen drei großen Phasen der Erprobung mit Probanden und Patienten vorliegen (Phase I mit Gesunden; Phase II mit wenigen, Phase III mit vielen Kranken). Doch in bestimmten dringlichen Fällen erteilt die EU eine Zulassung auch schon nach Abschluss der Phase II-Studien: eine Zulassung mit Auflagen (Conditional Approval). Beauflagt wird, die Studien der Phase III nachzuholen und evtl. weitere Untersuchungen durchzuführen; die gesammelten Ergebnisse sind binnen festgesetzter Fristen an die EU-Arzneimittelbehörde EMA nachzuliefern. Liegen diese Ergebnisse vor und sind positiv, wird die Zulassung mit Auflagen in eine gewöhnliche Zulassung (Non-Conditional Approval) überführt.

Da die EU die Hersteller auch bei gewöhnlichen Zulassungen zu weiteren Untersuchungen mit dem neuen Medikament verpflichtet, ist das Besondere an einem Conditional Approval nicht, dass Auflagen erteilt werden, sondern nur, wie umfangreich diese sind.

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Conditional Approvals sind 2005 in der EU eingeführt worden, um dringend benötigte neue Medikamente den Patienten schneller zugänglich zu machen. Grundvoraussetzung ist auch für diese, dass die Experten der EMA den Nutzen als höher als die Risiken einstufen. Die ersten Zulassungen dieser Art wurden 2006 erteilt; seither gab es insgesamt 37. Sie machen damit nur rund 8 % der Zulassungen1 insgesamt aus. Unter den Medikamenten, die auf diese Weise frühzeitig zugänglich gemacht wurden, waren eine Reihe von Krebs- und HIV-Mitteln, aber beispielsweise auch Antiepileptika und Antibiotika gegen multiresistente Tuberkulose und chronische Atemwegsinfektionen sowie Impfstoffe für den Fall einer Grippe-Pandemie.

Eine Zulassung mit Auflagen gilt nur für ein Jahr; vor ihrer Verlängerung wird sie jedes Mal von der Zulassungsbehörde dahingehend überprüft, ob die Auflagen erfüllt sind bzw. werden.


EMA bilanziert positiv

Schon 17 Mal konnte ein Conditional Approval in eine reguläre Zulassung umgewandelt werden (Stand September 2017). Kein Conditional Approval musste zurückgenommen oder ihr Ruhen angeordnet werden. Dies ist aus der öffentlichen Datenbank der Europäischen Kommission mit dem Stichwort „switch to non-conditional“ zu ersehen.

Eine positive Bilanz hat auch die EMA selbst im Januar 2017 in einem Report gezogen, auf Basis einer detaillierten Analyse. Sie bestätigt, dass die Hersteller der Medikamente die Auflagen erfüllen, auch wenn das in 30 % der Fälle länger gedauert hat als ursprünglich geplant.

Wenn es zu solchen Verlängerungen kommt, ist meist der Grund dafür, dass sich die Studienteilnehmer nicht so schnell rekrutieren lassen wie erhofft. In diesen Fällen gewährt die EMA längere Fristen, verfolgt aber weiter, ob auf die Erfüllung der Auflagen hingearbeitet wird.


Positive Erfahrungen

Dass die Auflagen für praktisch alle zwischen 2007 und 2011 mit Conditional Approval zugelassenen Medikamente inzwischen abgearbeitet sind (nur für ein Mittel laufen die Studien noch), zeigt die Compliance der Hersteller. Dass keine Zulassung zurückgenommen werden musste zeigt, dass die Experten der EU die betreffenden Medikamente von vorn herein gut einschätzen konnten. Die schnellere Verfügbarkeit dieser Medikamente ging also nicht mit einer unnötigen Gefährdung von Patienten einher; und auch die Annahme, Hersteller drückten sich um das Erfüllen von Auflagen, ist von der Praxis widerlegt.

Dieses Ergebnis stärkt auch die Plausibilität des neuen Konzepts „Adaptive Pathways“ der Arzneimittelbehörde EMA, bei dem ausgewählte Medikamente künftig für eng definierte Patientengruppen frühzeitig zugelassen werden sollen, woran sich weitere Entwicklungsaktivitäten für die Medikamente für größere Patientengruppen anschließen. Das Programm baut auf existierenden Sonderformen der Zulassung wie den Conditional Approvals auf. Bis zum ersten auf diesem Wege zugelassenen Medikament wird es aber noch mehrere Jahre dauern.


1 für Medikamente mit neuem Wirkstoff oder neuer Wirkstoffkombination