Virus im Fadenkreuz - Innovative Therapien gegen AIDS

Die Krankheit: Angriff auf die Immunabwehr


HIV steht für Human Immunodeficiency Virus, zu Deutsch menschliches Immunschwäche-Virus. Eine Ansteckung mit diesem Erreger führt - wenn sie nicht behandelt wird - zu einer fortschreitenden Schwächung des Immunsystems. Hierdurch ist dieses irgendwann nicht mehr fähig, Krankheitskeime abzuwehren oder das Entstehen von Tumoren zu verhindern. Dieses letzte Stadium der Krankheit heißt Acquired Immune Deficiency Syndrome - erworbenes Immunschwäche-Syndrom -, abgekürzt AIDS.


(© vfa / R. Hömke)
Plakat der aktuellen Aufklärungskampagne „Gemeinsam gegen AIDS“
Seit um 1996 herum klar wurde, dass eine Kombination mehrerer Medikamente die Viren für lange Zeit in Schach halten kann, ließ sich die Infektion bei vielen Patienten von einer tödlichen in eine chronische Krankheit umwandeln. Bei ihnen schreitet die Schädigung des Immunsystems nicht weiter fort, und sie geraten nicht ins AIDS-Stadium.
Die Behandlung verlangt jedoch eiserne Einnahmetreue und hat spürbare Nebenwirkungen. Deshalb bleibt es oberstes Gebot, es gar nicht erst zu einer Infektion kommen zu lassen.


Übertragungswege und –risiken

Könnte man sich mit HIV so leicht anstecken wie mit einer Grippe, wäre die Menschheit wohl schon weithin dezimiert. Glücklicherweise ist die Übertragung auf nur wenige Wege beschränkt und findet auch auf diesen nicht in jedem Fall statt. Dennoch ist das Ansteckungsrisiko hoch genug, dass sich an jedem Tag knapp 7.000 Menschen weltweit neu infizieren. Am häufigsten übertragen wird HIV beim Geschlechtsverkehr ohne Kondom. Die Viren im Sperma und Scheidensekret Infizierter können über die Schleimhäute von Mund, Scheide und After oder durch Wunden in das Blut des Partners gelangen. Beim Mann können zudem die Eichel oder die Innenseite der Vorhaut als Eintrittspforte dienen. HIV wird auch unter Drogenkonsumenten übertragen, die Spritzen gemeinsam benutzen. Kinder können sich während der Geburt oder über die Muttermilch bei ihren Müttern infizieren.

Auf die konkrete Ansteckungsgefahr im Einzelfall haben viele Faktoren Einfluss. So ist das Risiko bei Analverkehr anscheinend höher als bei Vaginalverkehr. Hohe Viruszahlen in den Körperflüssigkeiten steigern das Risiko ebenso wie Geschlechtskrankheiten und Entzündungen an den Geschlechtsorganen. Männer, deren Vorhaut beschnitten wurde (wie es bei einigen Religionen Brauch ist), haben hingegen ein etwas verringertes Ansteckungsrisiko. Intensiv diskutiert wird derzeit, ob HIV-Infizierte noch infektiös sind, wenn bei ihnen die Medikamente sehr gut angeschlagen haben. Allerdings weiß im Alltag ohnehin niemand, ob die Therapie der eigenen Infektion oder der des Partners aktuell noch wirkt, so dass in jedem Fall Vorsichtsmaßnahmen geboten sind.


Verlauf der Infektion

Ist das Virus ins Blut gelangt, infiziert es vor allem bestimmte weiße Blutkörperchen, die T-Helferzellen oder auch CD4-Zellen heißen. Diese Zellen steuern die körpereigene Abwehr, können insbesondere andere Typen von Immunzellen aktivieren und so eine Abwehrreaktion gegen Krankheitskeime einleiten. Ist HIV in eine CD4-Zelle eingedrungen, zwingt das Virus sie, große Mengen an neuen Viren zu produzieren. Diese verlassen die Zelle, zerstören sie und infizieren weitere CD4-Zellen.

Wird eine HIV-Infektion nicht behandelt, verläuft sie gewöhnlich in vier Phasen:
  • In der Akutphase - etwa zwei bis vier Wochen nach der Ansteckung - leiden viele Patienten für einige Tage unter grippeartigen Symptomen wie Fieber und Halsschmerzen. Die Viren vermehren sich explosionsartig und töten viele CD4-Zellen.
  • In der folgenden symptomfreien Latenzphase sinkt die Zahl der Viren wieder stark, da sie jetzt von anderen Immunzellen bekämpft werden. Die Zahl der CD4-Zellen nimmt wieder zu. Von den Patienten unbemerkt, tobt nun in ihrem Körper über Jahre ein heftiger Kampf, den HIV letztlich für sich entscheidet. Denn jeden Tag werden bis zu zehn Milliarden Viren, aber nur eine Milliarde CD4-Zellen neu gebildet.
  • In die symptomatische Phase treten Patienten ein, wenn die Zahl der CD4-Zellen von normal 800 bis 1.000 auf 200-350 pro Mikroliter (Kubikmillimeter) Blut gesunken ist. Anzeichen dafür sind häufig Fieber und Gewichtsabnahme sowie eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen.
  • Ist die CD4-Zellzahl nach acht bis zehn Jahren auf unter 200 pro Mikroliter Blut gesunken, ist der Körper anfällig für einige Erreger geworden, die einem Menschen sonst nichts anhaben können, z. B. der Lungenentzündungserreger Pneumocystis. Das Stadium AIDS ist erreicht, sobald tatsächlich ein oder mehrere solche Infektionen auftreten oder sich bestimmte seltene Tumore wie der Hautkrebs Kaposi-Sarkom zeigen.

Verlauf einer unbehandelten HIV-Infektion

Konzentration von HIV und CD4-Zellen im Blut im Verlauf einer HIV-Infektion

HIV in Deutschland

HIV-positiv
Seit 1985 sind Tests verfügbar, die anhand einer Blutprobe zeigen, ob jemand mit HIV infiziert ist. Blutproben mit Zeichen einer HIV-Infektion sind „HIV-positiv", die übrigen „HIV-negativ". Seit langem ist „HIV-positiv" aber auch ein Ausdruck dafür, dass jemand mit HIV infiziert ist.
Nach Angaben des staatlichen Robert-Koch-Instituts waren Ende 2009 in Deutschland etwa 67.000 Menschen mit HIV infiziert, davon 55.000 Männer, 12.000 Frauen und 200 Kinder. Rund 11.300 Patienten litten an AIDS und 550 starben. Von den knapp 3.000 Neuinfektionen gingen etwa 72% auf Sex unter Männern zurück. Die nach wie vor hohe Zahl an Neuinfektionen zeigt, wie wichtig es ist, einer Ansteckung vorzubeugen. Das wirksamste Mittel ist - von monogamem sexuellem Verhalten abgesehen - der Gebrauch von Kondomen.

Weiter: "HIV-Therapie heute: Die Viren in Schach halten"

Seiten: 1 2 3 4

Aktuelles vom vfa per RSS Aktuell

vfa legt Beschwerde gegen "heute journal" ein:
"Wir sind empört!"


vfa korrigiert Pinkwart:
"5 % und 5 Mrd. sollte man nicht verwechseln"


vfa zur CDU/CSU-Klausur - Gesundheitspolitik:
"Der Himmel auf Erden sieht anders aus!"


Cornelia Yzer warns
Quick Fixes Do Not Help Sick People

Publikationen

Virus im Fadenkreuz Innovative Therapien gegen AIDS
Virus im Fadenkreuz
Download PDF Zur Bestellung
vormerken
Forschung für das Leben Entwicklungsprojekte für innovative Arzneimittel
Forschung für das Leben
Download PDF Zur Bestellung
vormerken

Weitere Publikationen...

Aus F&E

Pharmakogenetik
In Deutschland zugelassene Arzneimittel für die individualisierte Medizin


Arzneimittelentwicklung:
Patienten und Ärzte hoffen auf bessere Behandlungsmöglichkeiten - und die Chancen dafür sind gut: Bis Ende 2013 können gegen rund 130 Krankheiten neue Medikamente herauskommen


Gerinnungshemmer:
Thrombosen, Embolien und Schlaganfälle: Besser vorbeugen