AMR Action Fund: ein Investitionsprogramm der Industrie für neue Antibiotika
Was ist der AMR Action Fund?
Nach eigenen Angaben ist der
AMR Action Fund
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der weltweit größte Venture-Capital-Fonds, der sich auf Unternehmen die dringend benötigt, antimikrobielle Therapien entwickeln spezialisiert hat. Das Konzept entstand in Gesprächen zwischen dem internationalen Pharmaverband IFPMA, der Weltgesundheitsorganisation WHO, der Europäischen Investitionsbank EIB und der gemeinnützigen Forschungsstiftung Wellcome, damals noch Wellcome Trust. Im Juli 2020 kündigten mehr als 20 biopharmazeutische Unternehmen gemeinsam die Gründung des Fonds an und stellten dafür den Großteil der ursprünglich vorgesehenen rund eine Milliarde US Dollar bereit. Später kamen unter anderem die Europäische Investitionsbank, Wellcome und die Boehringer Ingelheim Stiftung als nichtindustrielle Investoren hinzu.
Der Fonds vergibt keine klassische Forschungsförderung, sondern beteiligt sich mit Eigenkapital an Unternehmen. Er stellt damit Kapital für Entwicklungsprogramme bereit, die wegen der besonderen wirtschaftlichen Bedingungen im Antibiotikabereich nur schwer private Finanzierung finden. Bei der Auswahl möglicher Investments wird er von einem unabhängigen wissenschaftlichen Beirat unterstützt.
Anders als bei klassischen Venture Capital Fonds stand bei der Gründung nicht die Aussicht auf möglichst hohe Renditen im Vordergrund. Der damalige IFPMA-Generaldirektor Thomas Cueni erklärte 2020, die beteiligten Unternehmen hätten den Fonds trotz fehlender kurzfristiger Gewinnerwartungen geschaffen, um die Finanzierungslücke in der Antibiotikaentwicklung zu überbrücken. Wie bei einem Beteiligungsfonds üblich, stellt er Unternehmen Kapital zur Verfügung und erhält dafür Unternehmensanteile, die er später wieder verkaufen kann. Das übergeordnete Ziel bleibt dabei, neue antimikrobielle Therapien weiterzuentwickeln.
2020: A game-changing year for AMR? | IFPMA Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster)
Wo der Fonds ansetzt und wie er investiert
Seiner
Investmentstrategie
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entsprechend investiert der AMR Action Fund Eigenkapital in kleine und mittlere Biotechnologieunternehmen, die gewissen Anforderungen erfüllen. Im Fokus stehen Programme gegen Erreger, die von der
WHO
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und den
US Centers for Disease Control and Prevention
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sowie anderen Gesundheitsbehörden als besonders relevant eingestuft werden, für die also ein hoher medizinischer Bedarf besteht. Berücksichtigt werden klassische chemische Wirkstoffe ebenso wie neuartige Behandlungsansätze, etwa Phagen oder Antikörpertherapien. Für ein Investment kommen nur Unternehmen in Frage, die mindestens ein Entwicklungsprojekt vorweisen können, bei dem das mögliche neue Arzneimittel bereits mit Studienteilnehmenden klinisch erprobt wird.
Ein wissenschaftlicher Beirat unterstützt den Fonds bei der Prüfung möglicher Investments. Laut Angaben des Action Fonds, bewertet der Beirat dabei die Entwicklungsprojekte der Unternehmen anhand ihres wissenschaftlichen Nutzens, ihren möglichen Patientennutzen und ihre Bedeutung für die öffentliche Gesundheit. Im Beirat sind Fachleute aus Bereichen wie Antibiotikaentwicklung, Planung klinischer Studien und Arzneimittelherstellung vertreten.
Der Fonds ergänzt damit Programme, die früher in der Entwicklung antimikrobieller Therapien ansetzen. CARB-X Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) unterstützt therapeutische Projekte bereits bei der Auswahl und Optimierung erster aussichtsreicher Wirkstoffe, bei den anschließenden vorklinischen Untersuchungen und bis einschließlich Phase I, also der ersten Phase mit Studienteilnehmenden.
INCATE Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) richtet sich vor allem an akademische Gruppen und junge Unternehmen und unterstützt sie mit Beratung sowie Finanzierung ohne dafür Unternehmensanteilen zu erhalten. Dadurch sollen die Projekte so weit vorangebracht werden, dass anschließend weitere Geldgeber investieren können.
Der AMR Action Fund stellt an seine Unternehmen im Portfolio konkrete Anforderungen zum späteren Zugang und zum verantwortungsvollen Einsatz neuer Antibiotika. Sie sollen der
AMR Industry Alliance
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beitreten und deren Verpflichtungen zu Forschung, Zugang, sachgerechtem Einsatz und umweltverträglicher Herstellung erfüllen. Dazu gehört unter anderem, Werbung für Antibiotika am Ziel eines zurückhaltenden und gezielten Einsatzes auszurichten, Daten zur Resistenzentwicklung mit Gesundheitsbehörden und medizinischen Fachkreisen zu teilen und mit Diagnostikunternehmen zusammenzuarbeiten.
Sobald ein möglicher neuer Wirkstoff die klinische Phase III erreicht, soll das Unternehmen außerdem einen öffentlich zugänglichen Plan für den Zugang und den sachgerechten Einsatz vorlegen. Darin soll es unter anderem erläutern, für welche Patientengruppen und Anwendungsgebiete das Mittel entwickelt wird, wie eine möglichst breite Zulassung und Verfügbarkeit angestrebt wird und wie der Zugang in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ermöglicht werden kann. Der Plan soll zugleich Maßnahmen für einen gezielten Einsatz vorsehen, etwa die Beobachtung neu auftretender Resistenzen. Der Fonds verfolgt die Umsetzung dieser Pläne und berücksichtigt die Fortschritte nach eigenen Angaben auch bei möglichen weiteren Investitionen.
Zwischenbilanz 2026
Auf seiner
Internetseite
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stellt der AMR Action Fund mit Stand August 2026 insgesamt 14 aktuelle und frühere Unternehmen vor, an denen er beteiligt ist oder war.
Einen ersten Zulassungserfolg gab es 2024: Die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte dem damaligen Portfoliounternehmen Utility Therapeutics (2025 durch Alembic Pharmaceuticals aquiriert) die Zulassung für ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Pivmecillinam (aus der Antibiotikaklasse der Penicilline) zur Behandlung unkomplizierter Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Frauen. Pivmecillinam war allerdings bereits zuvor in mehreren europäischen Ländern im Einsatz. Die FDA-Entscheidung war somit die erste US-Zulassung dieses Wirkstoffs, nicht aber die Zulassung eines neu entwickelten Wirkstoffs oder einer neuen Antibiotikaklasse.
Weitere Programme, in die der Fonds investiert hat, haben die späte klinische Entwicklung erreicht. So untersucht
BioVersys
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seit April 2026 einen antibakteriellen Wirkstoffkandidaten aus der Klasse der Rifamycine (Hemmung der bakteriellen RNA Polymerase) in einer globalen
Phase-III-Studie
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gegen bestimmte schwere Lungeninfektionen durch carbapenemresistente Acinetobacter-Bakterien.
Vedanta
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untersucht in einer
Phase III-Studie
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, ob ein oral verabreichtes Präparat aus acht definierten Darmbakterienstämmen wiederkehrenden Clostridioides-difficile-Infektionen vorbeugen kann.
Für eine von Venatorx entwickelte und 2025 an Basilea Pharmaceutica auslizenzierte orale Antibiotikakombination (aus einem Cephalosporin und einem neuartigen Betalaktamase-Inhibitor) ist der Beginn eines
Phase-III-Programms
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im ersten Quartal 2027 vorgesehen; sie soll gegen komplizierte Harnwegsinfektionen einschließlich Nierenbeckenentzündungen eingesetzt werden.
Ausblick bis 2030
Der Fonds hält weiterhin an seinem Ziel fest, bis Ende 2030 zwei bis vier neuartige Antibiotika für Patientinnen und Patienten verfügbar zu machen. Ob er das erreichen wird, hängt vor allem vom weiteren Verlauf der klinischen Studien und von möglichen Zulassungsentscheidungen in den kommenden Jahren ab.
Die Investitionen des Fonds sind dienen als Überbrückung. Sie können Entwicklungsprogramme finanzieren, lösen aber nicht das wirtschaftliche Problem nach einer Zulassung: Neue Antibiotika sollen gezielt und möglichst zurückhaltend eingesetzt werden. Dadurch bleiben die Absatzmengen und damit auch die Einnahmen häufig gering und schwer planbar. Warum für neue Antibiotika neben Forschungsförderung oder Investments auch besondere Marktanreize benötigt werden, wird im Artikel "
Antibiotika-Forschung braucht neue Unterstützung" im Detail erläutert.
Bis 2030 wird deshalb nicht nur zu beobachten sein, welche Programme im Portfolio des Fonds die klinische Entwicklung und ein Zulassungsverfahren erfolgreich abschließen. Ebenso wichtig ist, ob zugelassene Therapien unter tragfähigen Marktbedingungen dauerhaft hergestellt und verfügbar gehalten werden können. Der Fonds investiert deshalb nicht nur in Entwicklungsprogramme, sondern setzt sich zugleich gegenüber politischen Entscheidungsträgern für bessere Marktbedingungen ein.