Um Nachteile im internationalen Konkurrenzkampf zu verhindern, muss kontinuierlich in die Erneuerung des Kapitalstocks investiert werden. In Deutschland wurde das über Jahre vernachlässigt. Der Standort braucht dringend einen Modernisierungsschub.
Die deutsche Wirtschaft dürfte dieses Jahr um 0,7 Prozent wachsen – trotz heftiger Verwerfungen auf den Weltmärkten und Sorgen um Energielieferungen. In der Pharmaindustrie stehen dagegen die Zeichen auf Rationalisierung: Die Produktion der Impfstoffmengen geht zurück. Die Politik hat drastische Einschnitte in der Arzneimittelvergütung beschlossen.
Deutschlands Geschäftsmodell ist im Wesentlichen auf den Export von Industriegütern ausgerichtet. Besonders gefragt: Hightechprodukte aus Schlüsselbranchen. Von großer Bedeutung ist auch die Pharmaindustrie, deren heimische Produktion in großen Teilen exportiert wird.
Deutschlands industrielle Struktur steht vor einem großen Wandel. Um im globalen Standortwettbewerb bestehen zu können, bedarf es Schlüsselindustrien wie der Pharma-Branche. Sie kompensieren die Nachteile einer alternden Gesellschaft. Ihnen muss das Augenmerk einer gezielten Industriepolitik gelten.
Globalen Lieferketten sind weiterhin erheblich gestört: Vorleistungsgüter fehlen, Rohstoffpreise zeigen erhebliche Knappheiten an. Eine Rückkehr zu einem störungsfreien Wirtschaftskreislauf rückt in greifbare Nähe. Ein Risiko bleibt aber China.
Der internationale Standortwettbewerb wird hart geführt: Die USA locken Hightech-Unternehmen mit Subventionen und attraktiven Standortbedingungen. China etabliert globale Logistik- und Wertschöpfungsstrukturen. Europa hingegen taumelt von Krise zu Krise. Vor allem Deutschland verliert an Boden bei der Wettbewerbsfähigkeit. Es ist Zeit, eine Industriestrategie zu verfolgen, die auf hochproduktive Branchen setzt.
Hohe Energiepreise, große Unsicherheit über die künftige Verfügbarkeit fossiler Energien und der Klimawandel: Vor allem die europäischen Volkswirtschaften stehen vor erheblichen Umstrukturierungen. Hohe Investitionen sind notwendig. Dies erfordert Veränderung, ist aber Chance zugleich.
Die Folgen der Corona-Pandemie, Krieg und die daraus resultierende Explosion der Preise lasten auf der globalen Wirtschaft. Die Krise macht auch vor der Pharmaindustrie nicht halt. Wirtschaftspolitisch steht Deutschland vor großen Herausforderungen.
Die deutsche Pharmaindustrie ist eine Schlüsselbranche. Sie ist nicht nur zentral für die medizinische Versorgung, sondern auch wichtiger Wirtschaftsfaktor. Gut 300.000 Beschäftigte sind direkt oder in der Herstellung von Vorleistungen mit der Pharmaindustrie verbunden.
Frauen holen bei den Löhnen auf: Der Gender-Pay-Gap ist in den letzten Jahren geschrumpft - besonders stark in der Pharma-Industrie. Abgesehen davon gilt: Frauen finden in unserer Branche zunehmend gute und entsprechend hoch entlohnte Jobs. Ihr Anteil in der Belegschaft wächst.
Die Vorleistungskosten für die deutsche Wirtschaft ziehen dramatisch an. Energie und Rohstoffe haben sich erheblich verteuert. Einige Branchen geben diese Kosten an ihre Kunden weiter – in anderen sind die Preissetzungsspielräume gering. Dort drücken die gestiegenen Kosten die Margen und damit auf die Spielräume für wichtige Investitionsvorhaben. Die pharmazeutische Industrie spürt das besonders. Die gestiegenen Bezugskosten können aufgrund des regulierten Marktes nicht weitergegeben werden.
Der anstehende Wandel der industriellen Wertschöpfung erfordert massive Investitionen in moderne Produktionsanlagen und energieeffiziente Infrastruktur. Dabei hat Deutschland schon jetzt Nachholbedarf. In den vergangenen Jahren wurde zu wenig investiert. Die Ursachen für die Schwäche sind unter anderem hausgemacht: Falsche politische Weichenstellungen haben in der pharmazeutischen Industrie höhere Investitionen verhindert.