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Transparenz im Doppelpack

Deutschland braucht eine sachliche Debatte über die Zusammenarbeit zwischen Pharma-Industrie und anderen Akteuren im Gesundheitswesen. Denn moderne Therapien und Arzneimittel sind das Werk vieler und können nur dann optimal entwickelt und eingesetzt werden, wenn auch möglichst viele Wissen und Erfahrung teilen: Namentlich die Hersteller, Ärzte und Patienten.

Schon 2004 haben forschende Pharma-Unternehmen die „Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.“ (FSA) gegründet. Die FSA hat Selbstverpflichtungen der forschenden Pharma-Unternehmen etabliert: Diese Kodizes stehen für eindeutige Verhaltensstandards, Integrität und transparente Zusammenarbeit. Seit diesem Jahr werden zum ersten Mal die Veröffentlichungspflichten aller Kodizes zu einem Zeitpunkt (1. Juli) erfüllt.

Die Mitgliedsunternehmen von vfa und FSA haben für das Jahr 2019 Leistungen an Patientenorganisationen in Höhe von rund 7,1 Mio. Euro veröffentlicht. So sieht es der einschlägige Kodex vor. Zusätzlich haben sie im Rahmen des Transparenzkodexes Leistungen an Ärztinnen und Ärzte und medizinische Institutionen veröffentlicht. Diese beliefen sich auf rund 629 Mio. Euro. Mit diesem Geld wird unter anderem der Aufwand von Medizinern in der Forschung vergolten oder ihre Fortbildung im Umgang mit Arzneimitteln unterstützt.

Ein Tortendiagramm zeigt den prozentualen Anteil von Leistungen der pharmazeutischen Industrie an Personen, Institutionen und Forschungseinrichtungen

Der FSA ist der Verein „Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.“ und wurde 2004 von den vfa-Mitgliedern gegründet. Jedes vfa-Mitglied muss auch Mitglied des FSA sein. Weitere Pharma-Unternehmen haben sich angeschlossen, so dass heute 55 Pharma-Unternehmen dem FSA angehören. Eine Liste der beteiligten Unternehmen finden Sie hier:

https://www.fsa-pharma.de/de/der-fsa/mitgliedschaft/unsere-mitglieder/

Der FSA überwacht die korrekte Zusammenarbeit von pharmazeutischen Unternehmen mit Ärzten und anderen Angehörigen der medizinischen Fachkreise.

Die FSA-Mitglieder haben sich bislang drei Kodizes unterworfen: dem Kodex für die Zusammenarbeit mit Fachkreisen, dem Kodex zur Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen sowie dem Transparenzkodex.

Kodizes sind freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie. Auch die forschenden Pharma-Unternehmen haben sich selbst diese Regeln gegeben. Sie betreffen das Verhältnis zu anderen wichtigen Akteuren im Gesundheitswesen.

Die wichtigsten Kodizes der forschenden Pharma-Unternehmen regeln ihre Beziehungen zu Patientenorganisationen („Kodex für Patientenorganisationen “) und zu Ärztinnen und Ärzten („Fachkreisekodex“ und „Transparenzkodex“). Ein zentraler Bestandteil der Kodizes ist die Pflicht der Pharma-Unternehmen, ihre eigenen Leistungen an Ärzte und Patientenorganisationen zu veröffentlichen.

Der FSA-Kodex „Patientenorganisationen“ schafft verbindliche Regeln für eine vertrauensvolle, transparente und ethisch einwandfreie Zusammenarbeit von Organisationen der Patientenselbsthilfe und Pharma-Unternehmen. Der Kodex wurde am 13.10.2008 vom Bundeskartellamt als Wettbewerbsregel genehmigt. Ein wichtiges Element des Kodex für Patientenorganisationen ist, dass Leistungen von Pharma-Firmen an Patientenorganisationen veröffentlicht werden müssen.

Der Transparenzkodex ist eine Selbstverpflichtung zahlreicher Pharma-Unternehmen, die zusammen rund 75% des deutschen Marktes abdecken. Die teilnehmenden Unternehmen veröffentlichen einmal jährlich Leistungen an Ärztinnen und Ärzte, Fachkreisangehörige, medizinische Organisationen und Institutionen aus den Bereichen Forschung, Fortbildung und Veranstaltungsunterstützung auf ihren Websites. Eine namentliche Veröffentlichung von Ärzten, die Leistungen erhalten haben, erfolgt nur mit Zustimmung des Arztes.

Wir finden es notwendig und richtig, dass sich Pharma-Unternehmen in der Fortbildung engagieren! Denn Therapieansätze bzw. Therapieoptionen und die daraus resultierenden Arzneimittel werden immer komplexer und damit auch erklärungsbedürftiger. Und Pharma-Unternehmen kennen ihre Medikamente am besten und haben ein Interesse daran, dieses Wissen zu teilen. Deshalb unterstützen Firmen die Fortbildung von Ärzten auch finanziell. Durch ein breites Angebot im Bereich der Fortbildung können umfassende Erkenntnisse aus allen Bereichen der Wissenschaft und Forschung eingebracht werden. Wichtig dabei ist, dass das transparent und nach strengen Regeln geschieht, damit jeder Arzt und jede Ärztin selbst entscheiden kann, ob er an einer gesponserten Fortbildung teilnehmen möchte. Es muss also für Ärzte klar erkennbar sein, dass eine Fortbildung gesponsert wird. Die strengen Regeln für die Zusammenarbeit gewährleisten dabei, dass die Fortbildung einen wissenschaftlichen Fokus hat.

Nach dem Bundesdatenschutzgesetz und der EU-Datenschutzgrundverordnung ist die Veröffentlichung von personenbezogenen Daten an eine freiwillige Einwilligungserklärung der jeweiligen Person geknüpft.

An den Regeln ändert sich durch Corona nichts. Die Veröffentlichung der Leistungen der Mitgliedsunternehmen an Ärzte und andere Fachkreisangehörige nach FSA-Transparenzkodex erfolgt nach wie vor im Zeitfenster bis Ende Juni 2020. Aber natürlich fordert die aktuelle Pandemie gerade Ärztinnen und Ärzte und Angehörige der medizinischen Fachkreise ganz besonders und lässt ihnen momentan wenig Raum für administrative Vorgänge wie die Einholung der datenschutzrechtlich erforderlichen individuellen Einwilligung durch die Unternehmen. Entsprechend sind Unternehmen, die wegen der besonderen Situation die Einwilligungserklärungen von Ärzten und anderen Fachkreisangehörigen derzeit nicht einholen können, gehalten, diese Leistungen zunächst innerhalb des Veröffentlichungszeitraums bis Ende Juni auf aggregierter Basis transparent zu machen, entsprechende Erläuterungen in ihren methodischen Hinweisen aufzunehmen und in der Folgezeit ihre Transparenzveröffentlichung um individuelle Zustimmungen zu ergänzen und zu aktualisieren. Vor diesem Hintergrund sind Auswirkungen auf die Zustimmungsquote beim Transparenzkodex natürlich nicht ausgeschlossen. Das ist aber von allen Beteiligten wegen der besonderen Situation in diesem Jahr hinzunehmen. An unserem Eintreten für alle FSA-Kodizes und dem Werben um Teilnahme in Zukunft wird das nichts ändern!



Die Zahlen der vorangegangenen Jahre:

Ein Tortendiagramm zeigt den prozentualen Anteil von Leistungen der pharmazeutischen Industrie an Personen, Institutionen und Forschungseinrichtungen




Diese Infografik weist die Höhe der Leistungen aus, die forschende Pharma-Unternehmen an Ärzte, Fachkreisangehörige sowie medizinische Organisationen und Einrichtungen offenlegen.