Anwendungsbeobachtungen sind für Pharmaunternehmen und Zulassungsbehörden ein unverzichtbares Instrument für die Arzneimittelforschung. Denn anders als bei klinischen Studien werden hier Informationen über Arzneimittel unter Alltagsbedingungen gewonnen, also dann, wenn z. B. auch die Therapietreue und Begleiterkrankungen der Patienten einen zusätzlichen Einfluss auf das Ergebnis ausüben. vfa-Unternehmen haben sich dazu verpflichtet, diese gemäß umfassenden Qualitäts- und Transparenzstandards durchzuführen. Angaben zu laufenden und abgeschlossenen Anwendungsbeobachtungen sowie Ergebniszusammenfassungen finden sich in öffentlich zugänglichen Datenbanken.




Bei Anwendungsbeobachtungen (AWB) werden von den teilnehmenden Ärzten viele Krankengeschichten, bei denen ein bestimmtes Präparat zum Einsatz kam, von den behandelnden Ärzten dokumentiert, und der Hersteller wertet die Protokolle (denen jeder Hinweis auf die konkreten Patienten fehlt) aus. Daraus kann er weitere Informationen z. B. über die Zuverlässigkeit von Arzneimitteln und deren Anwendung unter Alltagsbedingungen gewinnen, also dann, wenn die Anwendungszuverlässigkeit nicht ideal ist oder die Patienten an verschiedenen anderen Begleiterkrankungen leiden. Auch lassen sich Hinweise auf noch nicht bekannnte Nebenwirkungen oder auf Wechselwirkungen gewinnen.

Anwendungsbeobachtungen werden von den Herstellern selbst initiiert, können aber auch von den Behörden als Auflagen bei der Erteilung der Zulassung eingefordert werden. Unternehmen müssen sie dann durchführen, um die Zulassung ihrer Präparate abzusichern.

Damit Anwendungsbeobachtungen nicht in Misskredit geraten, müssen sie nach strengen Regeln durchgeführt werden. Diese umfassen Qualitätsstandards und Transparenzrichtlinien, zu denen sich die im vfa organisierten Firmen 2007 verpflichtet haben. Sie gelten für Anwendungsbeobachtungen, aber auch verwandte Formen von „nicht-interventionellen Studien“, etwa Fallregister zu bestimmten Krankheiten.

Kernpunkte der Selbstverpflichtung:

  • Anwendungsbeobachtungen Studien gehören im Unternehmen organisatorisch wie budgetär in den Verantwortungsbereich des Leiters der medizinischen Abteilung. Mitarbeiter anderer Abteilungen können mitwirken, unterstehen dabei aber seiner Leitung.
  • Für jede Anwendungsbeobachtung wird eine Beratung durch eine der deutschen Ethik-Kommissionen eingeholt.
  • Die Patienten, die einbezogen werden sollen, müssen ihr Einverständnis geben, nachdem sie über die jeweilige Anwendungsbeobachtung informiert wurden.
  • Zu Studienbeginn werden Informationen in ein öffentlich zugängliches Online-Register eingestellt.
  • Spätestens zwölf Monate nach Abschluss der Anwendungsbeobachtung ist eine Zusammenfassung der Studien-Ergebnisse zu veröffentlichen.


Diese Selbstverpflichtung ist mittlerweile Teil des "FSA-Kodex zur Zusammenarbeit mit Fachkreisen" der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) - und damit wären Verstöße gegen diese Vorgaben auch strafbewehrt.

(© vfa)
Andere Aspekte sind ohnehin bereits eindeutig durch die "Empfehlungen zur Planung, Durchführung und Auswertung von Anwendungsbeobachtungen" der deutschen Arzneimittelbehörden - Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und Paul-Ehrlich-Institut (PEI) - geregelt. Diese Empfehlungen von BfArM und PEI, das deutsche Arzneimittelgesetz sowie der FSA-Kodex sehen auch vor, dass die Vergütung nach ihrer Art und Höhe so zu bemessen ist, dass kein Anreiz für eine bevorzugte Verschreibung oder Empfehlung bestimmter Arzneimittel entsteht.

Alle Anwendungsbeobachtungen müssen vor ihrem Beginn der kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen, dem Verband der Privaten Krankenversicherung und den deutschen Arzneimittelbehörden (BfArM oder alternativ dem Paul-Ehrlich-Institut, je nach Zuständigkeit) gemeldet werden. Dabei sind u. a. Ort, Zeit und Ziel der Anwendungsbeobachtung sowie deren Beobachtungsplan vorzulegen. Der kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen sind dabei auch die beteiligten Ärzte namentlich zu benennen, die Art und die Höhe der geleisteten Vergütung anzugeben sowie die geschlossenen Verträge zu übermitteln.


Register und Ergebniszusammenfassungen

Seit Gültigkeit der Selbstverpflichtung im Jahr 2007 haben vfa-Unternehmen ihre Anwendungsbeobachtungen und anderen nicht-interventionellen Studien in öffentlich zugänglichen Online-Registern angezeigt.

Seit August 2013 gilt das auch für andere Unternehmen. Wurden die AWBs von der EMA verlangt – als sogenannte "post-authorization safety studies" oder „post-autorization efficacy studies“ (PAES) – werden sie auf www.clinicaltrials.gov angezeigt (Advanced Search, Study Type: observational). Andere AWBs werden auf den Websites der deutschen Arzneimittelbehörden BfArM und PEI gelistet (http://awbdb.bfarm.de und www.pei.de/db-awb). In den Datenbanken von BfArM und PEI werden nach Abschluss der Anwendungsbeobachtung auch die zugehörigen Ergebniszusammenfassungen veröffentlicht.

Vor August 2013 waren die vfa-Unternehmen in der Wahl des öffentlichen Online-Registers für ihre Registrierungen für Anwendungsbeobachtungen und anderen nicht-interventionellen Studien frei. Sie nutzten dafür entweder das internationale Studienregister clinicaltrials.gov (wo man sie mit der Einstellung „Study Type: Observational Studies“ finden kann), ein vom vfa geschaffenes Register unter www.vfa.de/nis oder andere, z. B. firmeneigene, Register. Auch dort wurden zu abgeschlossenen Anwendungsbeobachtungen und anderen nicht-interventionellen Studien die Zusammenfassungen der Ergebnisse publiziert. Seit jedoch die Nutzung der Register von BfArM und PEI aufgrund der Regelungen des deutschen Arzneimittelgesetzes nach § 67 Abs. 6 AMG Pflicht ist bzw. automatisch erfolgt, wird das vfa-eigene Register nicht mehr für Neueinträge genutzt, sondern nur noch zur Darstellung des weiteren Fortgangs der bereits registrierten Studien bzw. der Veröffentlichung der Ergebniszusammenfassungen.