26.08.2026 | PRESSEMITTEILUNG 030/2026 Millionen offene Stellen: Deutschland braucht mehr berufliche Mobilität
- Beschäftigte verlassen verstärkt Berufe mit sinkenden Zukunftschancen
- Formale Rahmenbedingungen erschweren die Mobilität
- Weiterbildung und leichtere Übergänge stärken die Fachkräftesicherung
Deutschland braucht mehr berufliche Mobilität, um Fachkräfte besser dorthin zu bringen, wo sie benötigt werden. Trotz steigender Arbeitslosigkeit waren in den vergangenen beiden Jahren zwischen 1,4 und 1,75 Millionen Stellen offen. Gleichzeitig zeigt sich: Beschäftigte wechseln bereits verstärkt aus Berufen, deren Nachfrage zurückgeht. Das zeigt eine Analyse für die neueste Ausgabe des MacroScope Pharma Economic Policy Briefs des vfa.
„Der deutsche Arbeitsmarkt ist beweglicher, als sein Ruf vermuten lässt. Beschäftigte reagieren bereits darauf, wenn die Nachfrage nach ihrem Beruf sinkt“, sagt vfa-Chefvolkswirt Dr. Claus Michelsen. „Aber der Strukturwandel wird schneller. Deshalb müssen wir es Menschen erleichtern, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden. Das ist eine zentrale Voraussetzung für Produktivität und Fachkräftesicherung.“
Arbeitsmarkt sortiert sich um
Die Auswertung von Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigt: In Berufen, deren Stellenangebot zwischen 2024 und 2025 stärker zurückging, wechselten vergleichsweise mehr Beschäftigte in andere Berufe. Zugleich wechselten weniger Menschen neu in diese Tätigkeiten. Der Arbeitsmarkt reagiert also auf veränderte Strukturen.
Allerdings bremsen konjunkturelle Unsicherheit und institutionelle Hürden diese Anpassung. In wirtschaftlich schwachen Zeiten nimmt die Fluktuation ab, weil Beschäftigte stärker an bestehenden Arbeitsverhältnissen festhalten. Auch formale Qualifikationsanforderungen und arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen wie ein hoher Kündigungsschutz können Wechsel erschweren.
Pharma zeigt hohe Mobilität trotz Regulierung
Die Pharmaindustrie zeigt, dass Mobilität in einer stark regulierten und hoch spezialisierten Branche möglich ist. Rund sieben Prozent der Beschäftigten verlassen ihren jeweiligen Arbeitgeber. Von diesen wechselt mehr als die Hälfte direkt in eine andere Branche. Übertragbare Kompetenzen ermöglichen damit Wissenstransfer über Branchengrenzen hinweg.
Gerade in wissensintensiven Branchen kommt es deshalb darauf an, Qualifikationen laufend an neue Anforderungen anzupassen. Weiterbildungsangebote können Beschäftigte beim Wechsel aus weniger nachgefragten Tätigkeiten in wachsende Berufsfelder unterstützen.
Aus Sicht des vfa sollte die Arbeitsmarktpolitik Flexibilität und Sicherheit stärker miteinander verbinden. Auch flexiblere Regelungen mit klaren Abfindungsansprüchen können für bestimmte Beschäftigtengruppen und junge Hightech-Unternehmen dazu beitragen, Neueinstellungen zu erleichtern.
„Der demografische Wandel macht berufliche Mobilität zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit“, sagt Michelsen. „Je besser Wechsel zwischen Berufen und Branchen gelingen, desto besser kann Deutschland Fachkräfte sichern und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken.“
Die gesamte Analyse lesen Sie hier in der neuesten Ausgabe des MacroScope Pharma Economic Policy Briefs Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) .
Der vfa ist der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 50 weltweit führenden Herstellern und ihren rund 90 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des vfa stehen für mehr als die Hälfte des deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland rund 100.000 Mitarbeiter:innen. Rund 20.000 davon arbeiten in Forschung und Entwicklung.
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