Die „Stärkung der Patientenrechte als Schlüssel zur Verbesserung der Versorgung“ war das Thema des 17. vfa-Round-Table für Patienten-Selbsthilfegruppen, der am Freitag, dem 24. September, in Berlin stattfand. Rund 80 Bundes- und Landesvertreter der Patientenorganisationen diskutierten mit Politik, Kassenvertretern, Wissenschaftlern und Vertretern des vfa.

Wolfgang Zöller, Patientenbeauftragter der Bundesregierung
Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, erläuterte sein Engagement für die Einrichtung eines „Patientenrechtegesetz“. Er setze sich dafür ein, die bisher in unterschiedlichen
Gesetzen und Verordnungen zersplitterten Rechte transparent zu bündeln und die Rechtssicherheit für die Patienten damit zu verbessern. Zu spontanem Beifall führte seine Aussage, dass seiner Meinung nach zukünftig in alle Spruchkörper des Gesundheitssystems Patientenvertreter aufgenommen werden sollten.

Cornelia Yzer, vfa-Hauptgeschäftsführerin, befasste sich mit der Frage der „Arzneimittelversorgung und der Patienteninformation über die Qualität“. Sie zeigte auf, dass die Realität die Gesetzeslage schon lange überholt hat, und plädierte dafür, dass die Politik den Patienten die Informationen zu Arzneimitteln, die sie haben wollen, auch rechtlich zugänglich machen sollte. Die forschenden Pharma-Unternehmen seien bereit, qualitativ hochwertige Informationen über ihre Produkte zur Verfügung zu stellen. Das Recht der Patienten auf Qualität beziehe sich auch auf die pharmazeutischen Innovationen. Durch das AMNOG käme es allerdings in naher Zukunft zu weitreichenden Auswirkungen im Bereich der Arzneimittelversorgung für die Patienten. Damit die Verfahren der frühen Nutzenbewertung transparent und gut werden, setze sich der vfa dafür ein, dass alle Beteiligten in den Prozess einbezogen werden, d.h. auch die Patienten.

Dr. Martin Danner, BAG-Selbsthilfe
Die „Partizipation im Gesundheitswesen aus Patientensicht“ beleuchtete Dr. Martin Danner, BAG-Selbsthilfe. Er machte in seinem Referat viele Bereiche auf Bundes- und Landesebene aus, in denen die Patientenbeteiligung zwingend ausgeweitet werden müsste.






Prof. Dr. Joachim Kugler, TU Dresden
Prof. Dr. Joachim Kugler von der Medizinische Fakultät der Technischen Universität Dresden referierte über „Anspruch und Wirklichkeit in der Versorgung der Patienten“ zwischen denen für ihn eine große Lücke klafft. Er bezeichnete die Selbsthilfe als den „schlafenden Riesen im Gesundheitssystem“ und forderte, den Patienten und seine Organisationen stärker zu integrieren, um die Schwachstellen des Versorgungsystems zu beseitigen.

Rolf Stuppardt, IKK e.V.
Für Rolf Stuppardt, Geschäftsführer der IKK e.V., war „Patientenorientierung und Wirtschaftlichkeit – kein Widerspruch“. Er legte überzeugend dar, dass durch einen starken Patienteneinfluss das Versorgungssystem
nachhaltig und effizient gestaltet werden könne. Denn durch die Stärkung der Eigenverantwortung z.B. durch eine langfristige Gesundheitsbildung, auch im Sinne von Patientencoaching, könnten erhebliche Kosten im Gesundheitssystem eingespart werden.

Hans-Detlev Kunz, Deutscher Psoriasis Bund e.V.
In Statements von Patientenvertretern wurde von Hans-Detlev Kunz, Deutscher Psoriasis Bund e.V., vehement eine bessere Umsetzung der bereits bestehenden Regelungen zur Patientenbeteiligung eingefordert.








Werner Kubitza, Bundesverband der Kehlkopfoperierten e.V.
Werner Kubitza, vom Bundesverband der Kehlkopfoperierten e.V., forderte, die Regelungen eines Patientengesetzes auf alle Bereiche des Gesundheitssystems, also auch auf die gesetzliche Renten- und Unfallversicherung auszuweiten.


Hierin wurde er von Karin Meißler, Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. unterstützt, die darauf hinwies, dass viele Patienten ihre Rechte nicht kennen.


Ein besonderer Gast beim diesjährigen Round-Table war Friedrich Müller von der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe, der vielen als Patient aus den TV-Spots der vfa-Kampagne „Forschung ist die beste Medizin“ bekannt ist. Herr Müller machte aus langjähriger persönlicher Erfahrung deutlich, dass es sich lohnt, für die Patientenrechte zu kämpfen.


Wolfgang van den Bergh, Ärztezeitung
In der von Wolfgang van den Bergh von der Ärztezeitung fachkundig und professionell, moderierten Podiums- und Plenumsdiskussion herrschte Einigkeit darüber, dass die Patienten stärker in das Versorgungssystem eingebunden werden müssen und Schulungen und Informationen, auch über Arzneimittel, den Patienten befähigen, seine Rolle als Marktteilnehmer wahrzunehmen.

Wieder einmal zeigte sich beim Patienten-Round-Table, wie wichtig und wie hoch akzeptiert der Austausch zwischen Patientenselbsthilfe-Organisationen und vfa sowie weiteren Playern im Gesundheitswesen ist. Er hilft, die Position des jeweils anderen differenzierter zu verstehen und gemeinsame Positionen zu identifizieren. Auch in Zukunft wird dieser wichtige Dialog des vfa mit Patientenorganisationen unter Einbindung von Politik, Wissenschaft und Krankenkassen vom vfa in zahlreichen Veranstaltungen fortgeführt werden.



Die einzelnen Reden, Vorträge und Präsentationen der Veranstaltung finden Sie jeweils als PDF-Download hier:

„Arzneimittelversorgung/Patienteninformation über die Qualität”; Rede von vfa-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer

"Partizipation im Gesundheitswesenaus Patientensicht"; Dr. Martin Danner, Bundesgeschäftsführer der BAG SELBSTHILFE

"Stärkung der Patientenrechte als Schlüssel zur Verbesserung der Versorgung"; Werner Kubitza, Bundesverband der Kehlkopfoperierten

"Versorgung der Patienten - Anspruch und Wirklichkeit"; Prof. Joachim Kugler, TU Dresden

„Stärkung der Patientenrechte als Schlüssel zur Verbesserung der Versorgung“; Hans-Detlev Kunz, Geschäftsführer Deutscher Psoriasis Bund e. V.

"Patientenorientierung und Wirtschaftlichkeit –kein Wiederspruch"; Rolf Stuppardt, Geschäftsführer IKK e.V.