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Hoher Krankenstand: Wie Impfungen für Erwachsene Prävention und Wirtschaft stärken

Impfungen verhindern nicht nur schwere Krankheitsverläufe. Sie tragen auch dazu bei, Arbeitsausfälle zu verringern, Produktivität zu sichern und die Stabilität von Wertschöpfungsketten zu stärken. Gerade bei Infektionen, gegen die wirksame Impfstoffe verfügbar sind, zeigt sich Jahr für Jahr: Ein relevanter Teil der Fehlzeiten in Deutschland wäre grundsätzlich vermeidbar.

Ein Foto zeigt eine junge, langhaarige Ärztin mit KIttel und Schutzmaske, wie sie auf einer Baustelle einen Bauarbeiter mit Warnweste und Schutzmaske impft.

Viele Fehlzeiten durch Infektionen, die sich durch Impfungen vermeiden lassen

Die WHO hebt in der Europäischen Impfwoche 2026 hervor, wie wichtig Impfangebote über die gesamte Lebensspanne hinweg sind. Das zeigt sich auch bei erwerbstätigen Erwachsenen. Seit mehreren Jahren ist der Krankenstand in Deutschland hoch. Zu dieser Entwicklung tragen verschiedene Faktoren bei. Einen besonders großen Anteil haben Atemwegserkrankungen. Daneben beeinflussen aber auch weitere Erkrankungen, die sich durch Impfungen verhindern lassen, die Zahl der Arbeitsunfähigkeiten. Dazu zählen neben Influenza, COVID-19 und Keuchhusten auch HPV-assoziierte Erkrankungen und Gürtelrose.

Fast 6 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer waren im Jahr 2024 mindestens einmal wegen einer solchen Erkrankung arbeitsunfähig gemeldet. Im Durchschnitt dauerten diese Krankschreibungen 10,5 Tage. Insgesamt summierten sich die entsprechenden Tage der Arbeitsunfähigkeit bei allen gesetzlich Versicherten, die mindestens einmal arbeitsunfähig gemeldet waren, auf 28.588.880. Das entsprach 37 Prozent aller AU-Tage dieser Gruppe.

Die COVID-19-Pandemie markiert einen Einschnitt

Im Zehn-Jahres-Vergleich lässt sich die Entwicklung der Arbeitsunfähigkeiten in zwei Phasen einteilen: eine vergleichsweise stabile Zeit vor der Pandemie und eine deutlich dynamischere Phase danach. Zwischen 2015 und 2019 schwankte die AU-Prävalenz nur gering und lag zwischen 1.172 und 1.778 Fällen pro 100.000 GKV-Versicherten. In den Jahren 2020 bis 2024 waren die Ausschläge erheblich stärker. Der Höchstwert wurde 2022 mit 19.221 Fällen pro 100.000 erreicht. Auch 2024 lag die AU-Prävalenz mit 5.714 Fällen pro 100.000 noch deutlich über dem Niveau vor der Pandemie.

Durch Impfungen vermeidbare Krankheiten verursachen oft lange Ausfälle

Wie lange Beschäftigte arbeitsunfähig sind, unterscheidet sich je nach Erkrankung deutlich. Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung bei GKV-Versicherten mit Influenza-Diagnose bei 9,4 Tagen. Bei Gürtelrose waren es im Schnitt 18,5 Tage und damit etwa doppelt so viele. Über alle Erkrankungen hinweg, die sich durch Impfschutz verhindern lassen, betrug die durchschnittliche AU-Dauer 2024 10,5 Tage. Anders gesagt: Erwerbstätige im arbeitsfähigen Alter fielen im Mittel fast zwei Wochen aus.

Legt man einen Urlaubsanspruch von 31 Tagen zugrunde, ergibt sich daraus ein krankheitsbedingter Arbeitsausfall von rund 5 Prozent durch Krankheiten, für die eine Impfung verfügbar ist. Auch der Anteil dieser AU-Tage an allen AU-Tagen hat sich in den Pandemie-Jahren deutlich verändert. 2024 lag er bei 37 Prozent unter den GKV-Versicherten, die mindestens einmal krankgeschrieben waren.

Impfungen für Erwachsene sind auch wirtschaftspolitisch relevant

Die Ergebnisse unterstreichen, dass Erwachsenenimpfungen nicht nur gesundheitspolitisch, sondern auch wirtschaftspolitisch bedeutsam sind. Modellrechnungen des Office for Health Economics gehen von einem 19-fachen Return-on-Invest aus; für Deutschland könnte der Mehrwert sogar bei dem 22-Fachen liegen. Impfungen helfen damit nicht nur, Erkrankungen und Komplikationen zu vermeiden. Sie können auch dazu beitragen, Beschäftigungsfähigkeit, Produktivität und wirtschaftliche Stabilität zu sichern.

Wie sich das Potenzial besser nutzen ließe

Damit dieses Potenzial in der Versorgung stärker wirksam wird, sollte es erwerbstätigen Erwachsenen leichter gemacht werden, Impfangebote im Alltag wahrzunehmen. Drei Maßnahmen erscheinen besonders naheliegend:

In Deutschland bleiben die Impfquoten in vielen Bereichen zu niedrig. Ein Teil der ungeimpften Personen nennt Hürden bei der Inanspruchnahme als Grund. Dabei waren die Möglichkeiten für einen breiten Impfschutz hierzulande selten so groß wie heute. Investitionen in Impfungen und Prävention könnten dieses Potenzial besser erschließen und zugleich einen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung leisten. Passend dazu steht die Europäische Impfwoche 2026 unter dem Motto: Impfstoffe wirken für jede Generation.

FAQs

Weil sie Infektionen verhindern können, die häufig zu Arbeitsunfähigkeit führen. Weniger Erkrankungen bedeuten weniger Fehlzeiten, geringere Ausfälle in Betrieben und mehr Stabilität für Arbeitsabläufe und Wertschöpfungsketten.

Bei GKV-Versicherten, die mindestens einmal krankgeschrieben waren, entfielen 2024 insgesamt 28.588.880 AU-Tage auf Erkrankungen, gegen die Impfungen verfügbar sind. Das entsprach 37 Prozent aller AU-Tage dieser Gruppe.

Besonders relevant sind Atemwegserkrankungen wie Influenza und COVID-19. Hinzu kommen unter anderem Keuchhusten, Gürtelrose und HPV-assoziierte Erkrankungen.

Weil sie nicht nur die individuelle Gesundheit stärken, sondern auch Fehlzeiten reduzieren und damit Produktivität sichern können. Der Beitrag von Erwachsenenimpfungen reicht daher über die Prävention schwerer Verläufe hinaus und betrifft auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

Besonders sinnvoll erscheinen niedrigschwellige Impfangebote in Apotheken, ein elektronischer Impfpass in der ePA mit Erinnerungsfunktionen sowie weniger Bürokratie beim betrieblichen Impfen. So ließen sich Impfangebote einfacher in den Alltag integrieren.