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2. April 2026 Arzneimittelentwicklung gegen Adipositas

Je besser die Regulation von Appetit und Nährstoffverwertung im Körper verstanden wird, desto mehr Möglichkeiten tun sich auf, Medikamente gegen Adipositas, also extremes Übergewicht, zu entwickeln. Neben Prävention, Verhaltensänderungen, Sport und chirurgischen Maßnahmen können sie einen Beitrag dazu leisten, Adipositas zu überwinden oder zu reduzieren.

Die Verbreitung von Adipositas hat längst epidemische Ausmaße angenommen. Sie ist mit erheblichen Belastungen für die Betroffenen verbunden, insbesondere aufgrund von Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ 2, Atherosklerose, Herzinfarkten und sogar einigen Krebsarten. Hierdurch verursacht Adipositas auch hohe Kosten für das Gesundheitswesen.

Die Verbreitung von Adipositas hat längst epidemische Ausmaße angenommen. Sie ist mit erheblichen Belastungen für die Betroffenen verbunden, insbesondere aufgrund von Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ 2, Atherosklerose, Herzinfarkten und sogar einigen Krebsarten. Hierdurch verursacht Adipositas auch hohe Kosten für das Gesundheitswesen.

Adipositas und ihre Ursachen

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) leiden Erwachsene dann an Adipositas, wenn sie einen Body Mass Index (BMI) von mindestens 30 aufweisen. Bei einem BMI von 25 bis unter 30 spricht die WHO hingegen von Übergewicht, und ein BMI von 18,5 bis unter 25 gilt ihr als Normalgewicht.1 Der BMI errechnet sich dabei als Körpergewicht dividiert durch das Quadrat der Körperhöhe, in kg/m2. Für Adipositas bei Kindern und Jugendlichen wendet die WHO eine kompliziertere Definition an, die sich vom WHO Child Growth Standards Median (und nicht vom BMI) ableitet.

Ein Missverhältnis von Nahrungskalorien und Energieverbrauch (vor allem durch Bewegung) über längere Zeit ist Hauptursache für Adipositas. Das wiederum ist multifaktoriell bedingt, etwa durch Art und Umfang des Nahrungsangebots, durch spezifische Regelkreisläufe im zentralen Nervensystem und durch soziale Umweltfaktoren. Auch bestimmte Medikamente und Gendefekte können eine Adipositas verursachen.

Erkenntnisse aus der Adipositas-Forschung

Ein Workshop der Paul-Martini-Stiftung befasste sich im März 2023 mit den Ursachen und Komplikationen von Adipositas und mit den Behandlungsmöglichkeiten. Auch wurde diskutiert, wie das für Deutschland geplante "Disease Management Program Adipositas" ausgestaltet sein könnte. Viele Vorträge und die Diskussion sind auf der Website der Stiftung Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) abrufbar.

Behandlungsmöglichkeiten

Laut Deutscher Adipositas Gesellschaft Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) stellt eine Basistherapie aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltensinterventionen die Grundlage für die Adipositas-Behandlung dar. Wenn aber das Gewicht damit nicht zureichend gesenkt werden kann, kommen ihr zufolge andere Maßnahmen in Betracht.
Zu diesen zählen u.a. verschiedene Formen von Magenoperation.

Aber auch die Pharmaforschung hat in den letzten Jahren wesentliche Erfolge verbuchen können. So ist seit 2022 ein Medikament verfügbar, das Patient:innen helfen kann, deren Adipositas die Folge bestimmter seltener Gendefekte ist (konkret: einem Funktionsverlust des biallelischen POMC-Gens inkl. PCSK1, ein POMC-Mangel oder ein biallelischer Leptinrezeptor-Mangel). Was andere Formen der Adipositas betrifft, so konnte für weitere Wirkstoffe, die zunächst gegen Diabetes Typ 2 entwickelt wurden, in Studien gezeigt werden, dass sie auch bei Nicht-Diabetiker:innen zu einer wesentlichen Gewichtsabnahme beitragen können. Diese Wirkstoffe wurden von den natürlichen Darmhormonen GLP-1 und GIP und z.T. noch anderen Hormonen abgeleitet. Für die Adipositas-Therapie sind bislang drei dieser Wirkstoffe zugelassen: zwei GLP-1-Agonisten und ein GLP-1/GIP-Coagonist (also ein Wirkstoff, der zugleich die Rezeptoren von GLP-1 und von GIP anspricht).

Die Arzneimittelentwicklung gegen Adipositas wird aber noch fortgesetzt. Einige Medikamente mit gleichem oder anderem Wirkprinzip werden derzeit in klinischen Studien geprüft, andere sind noch im Laborstadium.

Eine Übersicht zu den in Deutschland verfügbaren Medikamenten zur Adipositas-Therapie (ohne Homöopathika) und zu Medikamenten im letzten Erprobungsstadium (Phase III) bietet die folgende Tabelle (Stand: 02.04.2026):

Wirkstoff des MedikamentsWirkstoffklasseHerstellerzur Anwendung beiStatus für Adipositas-Behandlung von ErwachsenenStatus für Adipositas-Behandlung von JugendlichenKrankenkassenBemerkungen
OrlistatLipasehemmerverschiedene AnbieterAdipositas und Übergewicht ab BMI 28 in Verbindung mit Risikofaktorenauf dem Marktnicht zugelassenkeine Erstattungk.A.
SetmelanotidMelanocortin-4 (MC4)-RezeptoragonistenRhythm PharmaceuticalsAdipositas aufgrund von Funktionsverlust des biallelischen POMC-Gens inkl. PCSK1, POMC-Mangel oder biallelischer Leptinrezeptor-Mangelauf dem Marktauf dem Markt mit Zulassung ab 6 JahrenErstattungk.A.
LiraglutidGLP-1-AgonistNovo Nordisk (Dänemark)Adipositas ab BMI 30 oder Übergewicht ab BMI 27 i. Verb. mit Übdergewichts-bedingten Begleiterkrankungen (abweichend bei Jugendlichen: Adipositas äquivalent zu BMI 30 und mind. 60 kg Körpergewicht)auf dem Marktauf dem Marktkeine ErstattungWirkstoff in anderem Medikament auch zugelassen f. d. Therapie von Typ 2-Diabetes (die erstattet wird)
SemaglutidGLP-1-AgonistNovo Nordisk (Dänemark)Adipositas ab BMI 30 oder Übergewicht ab BMI 27 i. Verb. m. Übergewichts-bedingten Begleiterkrankungen (abweichend bei Jugendlichen ab 12 Jahren: Adipositas gemäß geschlechts- und altersspezifischen BMI-Wachstumstabellen und mind. 60 kg Körpergewicht)auf der MarktDarreichungsform zur Injektion in Deutschland vermarktet mit Zulassung ab 12 Jahren; orale Darreichungsform in Deutschland nicht vermarktetkeine ErstattungWirkstoff in anderem Medikament auch zugelassen für die Therapie von Typ 2-Diabetes (die erstattet wird)
TirzepatidGLP-1/GIP-Coagonist Lilly (USA) Adipositas ab BMI 30 oder Übergewicht ab BMI 27 i. Verb. mit Übdergewichts-bedingten Begleiterkrankungen auf dem Markt; für die Adipositas-Therapie zugelassen Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) seit 22.12.2023 Phase III-Studie mit 12 bis 17-Jährigen keine Erstattung zuvor schon zugelassen und in Deutschland vermarktet f. d. Therapie von Typ 2-Diabetes (für die es auch erstattet wird)
Orforglipron GLP-1-Agonist (oral) Lilly (USA) (einlizensiert von Chugai) tbd; derzeit in Erprobung bei Adipositas oder Übergewicht ab BMI 25, jeweils bei gleichzeitigem Typ 2-Diabetesim EU-Zulassungsverfahrenk. A.tbdwird auch für die Therapie von Typ 2-Diabetes erprobt; in den USA zugelassen Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) seit 01.04.2026
Mazdutide GLP-1-/Glucagon-Coagonist Innovent Biological (China) tbd in China Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) im Zulassungsverfahren; für den Rest der Welt in Phase IIIk. A. tbd k. A.
Semaglutid + Cagrilintide (= NN-9388) GLP-1-Agonist plus Amylin-Analogon Novo Nordisk (Dänemark) tbd; derzeit in Erprobung bei Adipositas ab BMI 30 in klin. Erprobung Phase III k. A. tbd wird auch für die Therapie von Typ 2-Diabetes erprobt
Tesofensin Dopamin-Noradrenalin-5HT-Wiederaufnahme-Inhibitor Saniona (Dänemark) und Productos Medix (Mexiko) tbd; wurde gegen Adipositas erprobt in klin. Phase III (in Mexiko im Zulassungsverfahren Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) ) k.A. tbd k.A.
Ecnoglutid GLP-1-Agonist Sciwind (China) tbd; derzeit in Erprobung bei Übergewicht ab BMI 24 mit Begleiterkrankungen oder Übergewicht/Adipositas ab BMI 28 unabhängig von Begleiterkrankungen in klin. Erprobung Phase III Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) in Phase I-Studie mit Teenagern tbd k. A.
Retatrutid GLP-1/GIP/Glucagon-Triagonist Lilly (USA) tbd; in Erprobung bei Adipositas ab BMI 30 oder Übergewicht ab BMI 27 i. Verb. mit Übergewichts-bedingten Begleiterkrankungen in klin. Erprobung Phase III Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) nein tbd wird auch für die Therapie von Typ 2-Diabetes erprobt
SurvodutideGLP-1/Glucagon-Coagonist Boehringer Ingelheim und Zealand Pharma tbd; in Erprobung bei Adipositas ab BMI 30 oder Übergewicht ab BMI 27 i. Verb. mit Übergewichts-bedingten Begleiterkrankungen in klin. Erprobung Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) Phase III nein tbd k. A.
Efpeglenatide (Langlenatide, SAR-439977) GLP-1-Agonist, ein Exendin-4-Analogon, lang wirksam Hanmi Pharmaceutical (Südkorea) tbd klin. Erprobung in Phase III nein tbd auch in Entwicklung zur Therapie von Diabetes Typ 2
GX-G6 (HyGlutide) GLP-1-Agonist CSPC (China) tbd; in Erprobung bei Adipositas ab BMI 28 oder Übergewicht ab BMI 24 i. Verb. mit Übergewichts-bedingten Begleiterkrankungen in klin. Erprobung Phase III nein tbd auch in Entwicklung für die Therapie von Diabetes Typ 2
BGM-0504 GLP-1/GIP-Coagonist BrightGene Bio-Medical Technology (China) tbd in klin. Erprobung Phase III nein tbd auch in Entwicklung für die Therapie von Diabetes Typ 2
HRS-9531 GLP-1/GIP-Coagonist Jiangsu Hengrui Pharmaceuticals (China) / Kailera Therapeutics (USA) tbd; in Erprobung bei Adipositas ab BMI 28 oder Übergewicht ab BMI 24 i. Verb. mit Übergewichts-bedingten Begleiterkrankungen in klin. Erprobung Phase III nein tbd auch in Entwicklung für die Therapie von Diabetes Typ 2
VCT-220 GLP-1-Agonist (oral einnehmbar) Suzhou Vincentage Pharma (China) / Corxel Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) (China) tbd in klin. Erprobung Phase III k. A. tbd auch in Entwicklung zur Therapie von Diabetes Typ 2
Enobosarm (MK-2866; VERU-024) Androgen-Rezeptor-Modulator (oral einnehmbar) Veru Pharma (USA) tbd in klin. Erprobung Phase III als Ergänzung zu einem GLP-1-Rezeptor-Agonisten k. A. tbd auch in Entwicklung zur Therapie von Brustkrebs
Bioglutide GLP-1/GIP/IGF-1-Triagonist (oral einnehmbar) Biomed Pharma (USA) tbd in klin. Erprobung Phase III k. A. tbd -
HDM-1002 GLP-1-Agonist Huadong Medicine (China) tbd in klin. Erprobung Phase III k. A. tbd auch in Entwicklung gegen Diabetes Typ 2
Poterepatide (HDM-1005) GLP-1/GIP-Coagonist Huadong Medicine (China) tbd in klin. Erprobung Phase III k. A. tbd auch in Entwicklung gegen chronische Herzinsuffizienz (HFpEF), MAFLD, MASH und obstruktive Schlafapnoe
RAY-1225 GLP-1/GIP-Coagonist Guangdong Raynovent Biotech (China) tbd in klin. Erprobung Phase III k. A. tbd auch in Entwicklung gegen Diabetes Typ 2 und nicht-alkoholische Steatohepatitis
Maridebart cafraglutide GLP-1-Agonist und GIP-Antagonist, ein Antikörper-Peptid-Konjugat Amgen (USA) tbd in klin. Erprobung Phase III k. A. tbd auch in Entwicklung gegen Diabetes Typ 2 und Herzinsuffizienz
HS-20094 GLP-1/GIP-Coagonist (wird s.c. injiziert) Jiangsu Hansoh Pharmaceutical (China) tbd in klin. Erprobung Phase III k. A. tbd auch in Entwicklung gegen Diabetes Typ 2 und Hyperlipidämie
KAI-7535 (= HRS-7535) GLP-1-Agonist (oral einnehmbar) Kailera Therapeutices (USA) in Lizenz von Jiangsu Hansoh Pharmaceutical (China) tbd in klin. Erprobung Phase III k. A. tbd auch in Entwicklung gegen Diabetes Typ 2 und bestimmte Formen von Herzinsuffizienz
Mirikizumab Anti-Interleukin-23-Antikörper Lilly (USA) tbd; in Erprobung bei Adipositas ab BMI 30 oder Übergewicht ab BMI 27 i. Verb. mit Übergewichts-bedingten Begleiterkrankungen in klin. Erprobung Phase III nein tbd ist schon zur Therapie von Morbus Crohn zugelassen
CT-388 GLP-1/GIP-Rezeptor-Coagonist Roche (Schweiz) tbd; bislang in Erprobung bei Adipositas ab BMI 30 oder Übergewicht ab BMI 27 i. Verb. mit Übergewichts-bedingten Begleiterkrankungen klin. Erprobung in Phase III in Vorbereitung (Phase II abgeschlossen) nein tbd k. A.
Elecoglipron GLP-1-Rezeptor-Agonist AstraZeneca (UK) tbd; bislang in Erprobung bei Adipositas ab BMI 30 oder Übergewicht ab BMI 27 i. Verb. mit Übergewichts-bedingten Begleiterkrankungen klin. Erprobung in Phase III in Vorbereitung (Phase II abgeschlossen) nein tbd auch in Entwicklung gegen Diabetes Typ 2
UBT251 GLP-1/GIP/Glucagon-Rezeptor-Triagonist United Biotechnology (China) tbd klin. Erprobung in Phase III in China in Vorbereitung Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) (Phase II abgeschlossen) nein tbd auch in Entwicklung gegen Diabetes Typ 2; Kooperationspartner für Länder außer China, Hong Kong, Macau und Taiwan: Novo Nordisk

Unternehmen erproben derzeit weltweit weitere 70 Adipositas-Medikamente mit neuen Wirkstoffen in Phase II mit Patient:innen. Die gehören teilweise zu bereits eingeführten Arzneimittelklassen, teilweise haben sie auch neue Wirkprinzipien. Zu den hier aktiven Unternehmen zählen beispielsweise die vfa-Unternehmen Amgen, Shionogi, Roche, AstraZeneca und Pfizer; und auch die Unternehmen Novo Nordisk und Lilly, die beide schon über zugelassene Adipositas-Medikamente verfügen, erproben weitere in Phase II.

Quelle: PharmaProjects Database, vfa-Recherchen, Pressemitteilungen der genannten Unternehmen
Stand: 26.03.2026

Prävention

Auch wenn sich die Behandlungsmöglichkeiten absehbar bessern, behält die Prävention von Adipositas überragende Bedeutung. Die WHO Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) insistiert hierfür insbesondere auf Verhaltensänderungen beim Einzelnen, freiwillige oder verordnete Änderungen im Nahrungsmittelsortiment und mehr Angebote für körperliche Aktivität.

Rechtslage zur Erstattungsfähigkeit von Medikamenten zur Gewichtsreduktion

Ist Adipositas eine Krankheit? Die WHO Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) hat bereits im Jahr 2000 klargemacht, dass sie sie als Krankheit versteht. Auch der Bundestag hat 2020 in der „Nationalen Diabetesstrategie“ Adipositas als chronische Erkrankung eingestuft und die Bundesregierung aufgefordert, "darauf hinzuwirken, dass eine individuelle, multimodale und interdisziplinäre Versorgung von Menschen mit Adipositas Grad 1 bis 3 in der vertragsärztlichen Versorgung zu Lasten der Krankenkassen ermöglicht und eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Krankenbehandlung sichergestellt wird.“ Darin steht ferner: „Es ist in diesem Zusammenhang auch zu prüfen, ob der Gemeinsame Bundesausschuss beauftragt werden sollte, eine Richtlinie über die multimodale und interdisziplinäre Versorgung von Menschen mit einem krankhaften Übergewicht (Grad 1 bis 3) zu beschließen."

Im deutschen Sozialrecht sind Arzneimittel, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht (sogenannte Lifestyle-Arzneimittel), seit Jahrzenten von der Versorgung ausgeschlossen. Dazu zählen laut Sozialgesetzbuch V (SGB V) auch „Arzneimittel, die zur Abmagerung, zur Zügelung des Appetits oder zur Regulierung des Körpergewichtes dienen“ (§ 34 Abs. 1 Satz 7 und 8 SGB V). Das Nähere dazu hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das oberste Gremium für Kassenleistungen, zu regeln: in der Richtlinie nach § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 SGB V (sog. Arzneimittel-Richtlinie). In Umsetzung dieses gesetzlichen Auftrages führt der G-BA die einzelnen „Abmagerungsmittel“ in der Anlage II zum „Verordnungsausschluss von Arzneimitteln zur Erhöhung der Lebensqualität gemäß § 34 Abs. 1 Satz 7 SGB V (Lifestyle Arzneimittel)“ auf. Nur die Behandlung von Gendefekt-verursachter Adipositas mit Setmelanotid (siehe oben) sieht der G-BA als Ausnahme vor. Der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) wies in diesem Zusammenhang darauf hin, „dass die ‚Anerkennung‘ eines Beschwerdebildes als eine – im leistungsrechtlichen Sinne – behandlungsbedürftige Erkrankung nicht in der Kompetenz des G-BA liegt“.

Immerhin wurden erste Schritte hin zu einer Erstattung der nicht-medikamentösen Behandlung von Adipositas mit dem Konzept für „Disease Management Programme (DMP) Adipositas“ eingeführt. Die wurden allerdings bisher noch nirgendwo verwirklicht, da bisher keine regionalen Verträge zur Vergütung zwischen Krankenkassen und den Leistungserbringern abgeschlossen wurden.

Empfehlungen des vfa

Bei Menschen mit Adipositas, also einem Body Mass Index (BMI) von 30 und mehr, liegt eine erhebliche Fehlregulation von Nahrungsaufnahme und Kalorienverbrauch vor, mit hohem Risiko für problematische Folgeerkrankungen. Gleiches gilt für Menschen mit einem BMI 27,0 - 29,9 (erhebliches Übergewicht), bei denen bereits Begleiterkrankungen eingetreten sind. Deshalb sieht der vfa „Adipositas” und „Übergewicht ab BMI 27 mit Begleiterkrankungen“ als Krankheitsbilder an und nicht als Lifestyle-Angelegenheiten.

Der generelle Ausschluss der Erstattungsfähigkeit der medikamentösen Adipositasbehandlung sollte daher einer Überprüfung unterzogen werden, denn es ist zu erwarten, dass der Einsatz dieser Medikamente die Krankheitslast und die Häufigkeit, mit der Begleit- und Folgeerkrankungen auftreten, wesentlich reduzieren würde.

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