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So funktioniert die COVAX Facility für weltweiten Zugang zu Covid-Impfstoffen

Mit dem Ziel, dass Länder unabhängig von ihrer Kaufkraft zügigen Zugang zu Impfstoffen gegen COVID-19 erhalten, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die Initiative COVAX und die dazu gehörige COVAX Facility ins Leben gerufen. COVAX steht für „Covid-19 Vaccines Global Access“.

Aufgabe der COVAX Facility ist es, die Entwicklung und Produktion von Impfstoffen zu beschleunigen. Vor allem aber ist sie dafür zuständig, Impfstoff-Dosen bei Herstellern zu kaufen und allen Staaten zuzuteilen, die ihre Teilnahme an COVAX erklärt haben. Erste Impfstoffkontingente haben Länder in Afrika, Asien, Südamerika und Europa erreicht.

In unserer jüngsten Podcast-Ausgabe der #vfaTonspur befragt Radio-Journalist Philipp Eins den vfa-Geschäftsführer Forschung Dr. Siegfried Throm zur europäischen Impfstoffbeschaffung: Ist die Aufhebung der Patente die Lösung für mehr Impfstoffe? Wie können sie weltweit gerecht verteilt werden? Und welche Rolle spielt die sogenannte COVAX-Facility dabei?


Bis Ende 2021 sollen mindestens zwei Milliarden qualitätsgesicherte und bedarfsgerechte Impfstoffdosen bereitstehen, um die akute Phase der Pandemie zu beenden – so das erklärte Ziel von COVAX. Ärmere Länder sollen mindestens 1,7 Milliarden dieser Impfdosen erhalten, damit sie im Jahr 2021 rund 26 Prozent ihrer Bevölkerung schützen können. Dahinter steht der Gedanke der Solidarität und die Überzeugung, dass die Covid-19-Pandemie sich in einer eng verflochtenen Welt nur eindämmen lässt, wenn alle Regionen ausreichend geschützt sind.

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Der Zugang zur Impfung muss für alle Länder möglich und bezahlbar sein.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel Ende November 2020 in ihrer Videobotschaft zum G20-Gipfel
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Ich danke den USA, Deutschland, der Europäischen Kommission, der Europäischen Investitionsbank, Japan und Kanada für ihre bedeutenden Finanzierungszusagen. Die heutigen Nachrichten zeigen uns, dass die Solidarität siegt.»

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO, am 19. Februar 2021, nach dem Online-G7-Gipfel

Während China seit Oktober 2020 Mitglied der COVAX Facility ist, schlossen sich die USA erst nach dem Amtsantritt von Präsident Joe Biden im Januar 2021 an. Die USA wird COVAX, wie Biden beim virtuellen G7-Gipfel bekanntgab, in den Jahren 2021 und 2022 mit voraussichtlich insgesamt vier Milliarden US-Dollar unterstützen.

Um die Impfstoff-Versorgung ärmerer Länder zu beschleunigen, startete am 15. April 2021 eine weltweite Kampagne zur Beschaffung weiterer zwei Milliarden US-Dollar. Die neue Initiative – sie wurde von den USA und der Impfstoffallianz Gavi ins Leben gerufen – soll die Zuteilung von 1,8 Milliarden Impfdosen an einkommensschwache Länder bis Ende 2021 sichern. Bei der virtuellen Auftaktveranstaltung machten zahlreiche Regierungen sowie internationale Stiftungen und Wirtschaftsunternehmen Zusagen im Wert von fast 400 Millionen US-Dollar. Zum größten Einzelbeitrag verpflichtete sich Schweden mit gut 258 Millionen US-Dollar. Die Kampagne läuft weiter und soll ihren Höhepunkt im Juni 2021 auf dem Gavi COVAX AMC-Gipfel in Japan haben. Bei dem Treffen am 15. April bekräftigten führende Vertreter der pharmazeutischen Industrie ihre Zusage zur Lieferung von Impfdosen an COVAX, um die Ausbreitung der Pandemie zu stoppen.

Mit ihrem Aufruf zur Spende von Impfstoffen erzielte die neue Kampagne erste Erfolge. So verpflichtete sich Neuseeland zur kostenlosen Weitergabe von mehr als 1,6 Millionen Dosen – vorzugsweise an Länder in der Pazifikregion. Bei der Auftaktveranstaltung kündigten Vertreter Frankreichs den baldigen Abschluss einer Vereinbarung zwischen COVAX und Team Europe zur Dosis-Spende an.

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Es gibt nach wie vor eine schockierende und sich ausweitende Ungleichheit bei der weltweiten Verteilung von Impfstoffen. Einige AMC-Länder haben keine Impfstoffe erhalten, keines der Länder hat genug erhalten und nun erhalten einige Länder ihre Zuteilungen für die zweite Runde nicht rechtzeitig. Wir haben gezeigt, dass COVAX funktioniert. Um jedoch das volle Potenzial auszuschöpfen, müssen sich alle Länder politisch und finanziell engagieren, um COVAX vollständig zu finanzieren und die Pandemie zu beenden.»

Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Generaldirektor, am 15. April 2021, bei der Veranstaltung „One World Protected“

Ein ausgeklügelter Mechanismus

Um die Versorgung teilnehmender Länder sicherzustellen, hat die COVAX Facility unterschiedliche Vorgehensweisen entwickelt:

  • Wohlhabende Nationen beziffern vorab den Bevölkerungsanteil (zwischen 10 und 50 %), der mit Impfstoffen aus dem COVAX-Programm geschützt werden soll. Für die entsprechende Belieferung bietet die COVAX zwei Bezahlmodelle an. Bei der „Verpflichtenden Kaufvereinbarung“ (Committed Purchase Agreement) zahlen die Länder die Hälfte des kalkulierten Preises für die erforderlichen Impfstoffdosen an und unterzeichnen für die andere Hälfte eine Abnahmeverpflichtung (COVAX rechnet pro Person mit 6,40 US-Dollar für zwei Impfdosen). Bei der „Freiwilligen Kaufvereinbarung“ (Optional Payment Agreement) zahlen die Länder vorab 6,20 US-Dollar pro Person und erwerben damit das Recht auf Belieferung mit den Impfstoffen ihrer Wahl aus dem COVAX-Sortiment. Bezogen werden die Impfstoffe entweder direkt vom Hersteller oder mithilfe von UNICEF und anderen überstaatlichen Organisationen. Nicht verwendete Mittel werden nach Auskunft der COVAX Facility zurückerstattet.
  • Wohlhabendere Länder können erworbene Bezugsrechte auch anonym zur Verwendung für mittellose Länder spenden. Von dieser Option Gebrauch machen unter anderem Deutschland und die EU-Kommission, aber auch Nichtregierungsorganisationen wie die Gates-Stiftung. Darüber hinaus können reichere Länder Impfstoffe, die sie sich in bilateralen Verträgen mit Herstellern gesichert haben, ärmeren Ländern zu fairen Konditionen zugänglich machen. Das Prozedere regeln die von der COVAX Facility veröffentlichten Grundsätze „Principles for Dose-Sharing“.
  • Staaten mit geringem oder mittlerem Einkommen werden mithilfe des Gavi COVAX Advance Market Commitment (AMC, auf Deutsch: vorgezogene Marktverpflichtung) mit Impfstoffen versorgt. Dank der Spenden wohlhabender Länder konnte das Programm anlaufen; Ende 2020 standen dafür bereits insgesamt 2,4 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Die weitere Finanzierung soll unter anderem über Anleihen gesichert werden. Die Empfängerländer können bis 150 Millionen US-Dollar zur Vorbereitung auf die bevorstehende Impfkampagne beantragen und sich dabei von Institutionen wie WHO, UNICEF oder Weltbank beraten lassen. Bevor die Länder Impfstoffe erhalten, müssen sie eine sachgerechte Infrastruktur nachweisen, aber auch gut ausgebildetes Gesundheitspersonal und Aktivitäten zur Aufklärung der Bevölkerung. Detaillierte Impfstoff-Anfragen stellten bisher 86 von 92 ärmeren Teilnehmerstaaten. Über ein „Country Readiness Portal“ können AMC-Teilnehmer ihre endgültigen nationalen Einsatz- und Impfpläne einreichen.
Illustration des Zusammenspiels von Nationen, Covax Facility und Impfstpffherstellern

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Grafik ist für die Berichterstattung mit Angabe „Abbildung: vfa“ ohne Kosten freigegeben; keine Nutzung für Werbematerial.

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Dies ist ein ermutigender Fortschritt, aber die Menge der Dosen, die über COVAX verteilt werden, ist immer noch relativ gering. Eine unserer Hauptprioritäten ist es jetzt, den Ehrgeiz von COVAX zu erhöhen, um allen Ländern zu helfen, die Pandemie zu beenden.»

Tedros A. Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO am 5. März 2021

Kooperation mit den Herstellern

Hersteller von Impfstoffen, die mit der COVAX Facility zusammenarbeiten, sollen durch Vorab-Kaufverpflichtungen und Vorauszahlungen in die Lage versetzt werden, ihre Produktionskapazitäten zügig und umfangreich auszuweiten. Dafür will die COVAX Facility Milliardenbeträge bereitstellen. In den Vorab-Kaufverpflichtungen werden Liefermengen, Lieferfristen und Preise festgelegt, wobei die COVAX Facility Preise aushandeln will, die höchstens auf dem Niveau bilateral abgeschlossener Lieferverträge mit einzelnen Staaten liegen. Wie die Impfstofflieferungen teilnehmenden Länder zugeteilt werden und zu verwenden sind, regeln WHO-Leitlinien.

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Machen wir uns nichts vor: Die Frage, wer auf der Welt welchen Impfstoff wann bekommt, wird natürlich auch neue Verbundenheiten und neue Erinnerungen schaffen; denn wer in einer solchen Not Hilfe bekommt, erinnert sich daran natürlich sehr viel stärker, als das in guten Zeiten der Fall wäre.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26.01.2021 beim virtuellen Weltwirtschaftsgipfel von Davos

Die avisierten zwei Milliarden Impfdosen beziehen sich unter anderem auf Absprachen zwischen COVAX und folgenden Herstellern (in alphabetischer Reihenfolge):

  • AstraZeneca lieferte die ersten, Ende Februar 2021 über die COVAX Facility ausgelieferten Impfstoffe. Zusammen mit seinen Lizenznehmern, darunter vor allem das Serum Institute of India, stellte das Unternehmen den Löwenanteil der bis 8. April 2021 von COVAX ausgelieferten ersten 38 Millionen Impfdosen bereit. Ziel sei es, in den folgenden Monaten insgesamt 142 Länder mit Hunderten von Millionen Dosen des Impfstoffs zu versorgen, teilte das britisch-schwedische Unternehmen mit. Der Großteil dieser Dosen werde an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen gehen. AstraZeneca war das erste global agierende Pharmaunternehmen, das sich im Juni 2020 COVAX anschloss. Der britisch-schwedische Mutterkonzern hatte die Bereitstellung von 170 Millionen seines Impfstoffs AZD1222 zugesagt.
  • Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson hat über seine belgische Tochter Janssen Pharmaceutica N.V. die Lieferung von 220 Millionen Dosen seines Eine-Dosis-Impfstoffs an die COVAX Facility angekündigt. Der Impfstoff soll bis zum dritten Quartal 2021 über das südafrikanische Unternehmen Aspen Pharmacare zur Verfügung gestellt werden – dem Vernehmen nach zum Preis von zehn US-Dollar pro Dosis. Bis Ende 2021 sollen weitere 180 Millionen Dosen für die 55 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union folgen. Damit würde der US-Konzern der für 2021 avisierten Lieferung von 500 Millionen Dosen näher rücken.
  • Der US-Hersteller Novavax bekundete seine Absicht, der COVAX Facility insgesamt 1,1 Milliarden Dosen seines Impfstoff-Kandidaten NVX-CoV2327 zur Verfügung zu stellen, wie am 18. Februar 2021 bekannt wurde. Darin enthalten ist die mit dem Hersteller Serum Institute of India bereits vereinbarte Lieferung. Entwicklung und Herstellung von NVX-CoV2327 werden mit Mitteln der COVAX Facility gefördert. Die aktuelle Absichtsbekundung (Memorandum of Understanding) leitet die Verhandlungen über eine Vorkaufsrecht-Vereinbarung ein.
  • Mit Pfizer wurde ein Vertrag abgeschlossen, der COVAX das Vorkaufsrecht auf 40 Millionen Impfdosen des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs sichert. Derzeit verhandelt man über die Lieferbedingungen. Pfizer sichert in einer Pressemitteilung vom 22. Januar 2021 zu, die Impfstoffe im Verlauf des Jahres 2021 zur Verfügung zu stellen und diese zum Selbstkostenpreis zu liefern, falls sie für ärmere AMC-Länder gedacht sind. „Vorbehaltlich des erfolgreichen Abschlusses der Liefervereinbarung für den Impfstoff von Pfizer-BioNTech gehen wir davon aus, dass wir Ende Februar mit den Lieferungen der lebensrettenden COVID-19-Impfstoffe beginnen können“, sagte der Leiter der Impfstoffallianz Gavi, Dr. Seth Berkley.
  • Sanofi/GSK (Frankreich/UK) stehen mit einer Absichtserklärung zur Lieferung von 200 Millionen Dosen ihres gemeinsamen Impfstoffs im Wort. Das Unternehmen hofft auf die Zulassung seines ersten Impfstoffkandidaten Ende 2021.
  • Das Serum Institute of India, das Impfstoffe in Lizenz von mehreren anderen Herstellern produziert, hat sich verpflichtet, COVAX jeweils 100 Millionen Dosen vom AstraZeneca/Oxford-Kandidaten und vom Impfstoffkandidaten des US-Herstellers Novavax zu liefern – zum Preis von 3 US-Dollar pro Dosis. Darüber hinaus laufen Verhandlungen zur Lieferung von weiteren 300 bis 400 Millionen Impfstoffdosen. Am 15. Februar 2021 bestätigte die WHO die Eignung von zwei Versionen des AstraZeneca/Oxford-Impfstoffs für den Notfalleinsatz. Eine Version stammt aus dem Serum Institute of India, die andere von AstraZeneca – SK Bio (Südkorea). Nach der positiven Bewertung von Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit beider Impfstoffvarianten durch die WHO konnte die weltweite Auslieferung im Rahmen von COVAX im ersten Quartal 2021 einsetzen. Allerdings verzögern sich die Lieferungen von Impfstoffdosen des Serum Institute of India im März und April 2021. Grund ist eine neue Welle von COVID-19-Infektionen in Indien, die den landeseigenen Bedarf an Impfstoffen stark erhöht.

Zudem hat sich COVAX ein Vorkaufsrecht auf weitere Impfdosen gesichert. Es tritt dann in Kraft, wenn Impfstoffe, deren Entwicklung derzeit mit COVAX-Mitteln gefördert wird, eine behördliche Zulassung erhalten.

Pläne zur Impfstoffverteilung

Eine Ärztin mit Mundschutz steht vor einem Kühlschrank mit ImpfstoffenUm den Mitgliedsstaaten die Vorbereitung zu erleichtern, veröffentlicht COVAX regelmäßig Lieferprognosen. Unter zahlreichen Vorbehalten (tatsächliche Verfügbarkeit der Impfstoffe, ausreichende Förderung, Bereitschaft der Länder, etc.) werden in der letzten Prognose vom 7. April 2021 für das Jahr 2021 gut 2,1 Milliarden Impfdosen zur weltweiten Verteilung angekündigt. Davon sind 1,5 Milliarden vertraglich gesichert; über weitere 0,6 Milliarden werde derzeit intensiv verhandelt, teilte COVAX mit. Die Lieferungen begannen wurde im Februar 2021 mit den Impfstoffen von AstraZeneca/Oxford und BioNTech/Pfizer. Die Prognose geht von einer stetig steigenden Versorgung mit Impfstoffen aus. Da die Liefermenge sich an der Bevölkerungszahl der Teilnehmerländer orientiert, dürfte rund die Hälfte der angekündigten Impfstoffdosen nach Südostasien und Afrika gehen.