Die Krankheit: Angriff auf die Immunabwehr

HIV steht für Human Immunodeficiency Virus, zu Deutsch menschliches Immunschwäche-Virus. Eine Ansteckung mit diesem Erreger führt – wenn sie nicht behandelt wird – zu einer fortschreitenden Schwächung des Immunsystems. Hierdurch ist dieses irgendwann nicht mehr fähig, Krankheitskeime abzuwehren oder das Entstehen von Tumoren zu verhindern. Dieses letzte Stadium der Krankheit heißt Acquired Immune Deficiency Syndrome – erworbenes Immunschwäche-Syndrom, abgekürzt AIDS.

Plakat zum Welt-AIDS-Tag 2017 (© vfa / S. Throm)
Seit um 1996 herum klar wurde, dass eine Kombination mehrerer Medikamente die Viren für lange Zeit in Schach halten kann, ließ sich die Infektion bei vielen Patienten von einer tödlichen in eine chronische Krankheit umwandeln. Bei ihnen schreitet die Schädigung des Immunsystems nicht weiter fort, es regeneriert sich sogar, und die Patienten geraten nicht ins AIDS-Stadium. Die Behandlung verlangt jedoch eiserne Einnahmetreue und hat meist spürbare Nebenwirkungen. Deshalb bleibt es oberstes Gebot, es gar nicht erst zu einer Infektion kommen zu lassen.


Übertragungswege und -risiken

Glücklicherweise kann man sich mit HIV nicht so leicht anstecken wie mit einer Grippe. Vielmehr ist die Übertragung auf wenige Wege beschränkt und findet auch auf diesen nicht in jedem Fall statt. Dennoch ist das Ansteckungsrisiko hoch genug, dass sich an jedem Tag knapp 5.000 Menschen weltweit neu infizieren (Quelle: UNAIDS 2017). Am häufigsten übertragen wird HIV beim Geschlechtsverkehr ohne Kondom. Die Viren im Sperma und Scheidensekret Infizierter können über die Schleimhäute von Mund, Scheide und After oder durch Wunden in das Blut des Partners gelangen. Bei Männern können zudem die Eichel oder die Innenseite der Vorhaut als Eintrittspforte dienen. HIV wird auch unter Drogenkonsumenten übertragen, die Spritzen gemeinsam benutzen. Babies können sich während der Geburt oder über die Muttermilch bei ihren Müttern infizieren.

Auf die konkrete Ansteckungsgefahr im Einzelfall haben viele Faktoren Einfluss. So ist das Risiko bei Analverkehr anscheinend höher als bei Vaginalverkehr. Hohe Viruszahlen in den Körperflüssigkeiten steigern das Risiko ebenso wie Geschlechtskrankheiten und Entzündungen an den Geschlechtsorganen. Männer, deren Vorhaut beschnitten wurde (wie es bei einigen Religionen Brauch ist), haben hingegen ein etwas verringertes Ansteckungsrisiko. HIV-Infizierte, bei denen die medikamentöse Behandlung sehr gut angeschlagen hat, sind anscheinend kaum noch infektiös; ob man sogar von "nicht infektiös" ausgehen kann, wird derzeit noch diskutiert. Allerdings weiß im Alltag ohnehin niemand, ob die Therapie der eigenen Infektion oder der des Partners aktuell noch wirksam ist (sich die Viren also nicht dank Mutationen wieder vermehren), so dass in jedem Fall Vorsichtsmaßnahmen geboten sind.


Verlauf der Infektion

Ist das Virus ins Blut gelangt, infiziert es vor allem bestimmte weiße Blutkörperchen, die T-Helferzellen (oder auch CD4-Zellen) heißen. Diese Zellen steuern die körpereigene Abwehr, können insbesondere andere Typen von Immunzellen aktivieren und so eine Abwehrreaktion gegen Krankheitskeime einleiten. Ist HIV in eine T-Helferzelle eingedrungen, zwingt das Virus sie, große Mengen an neuen Viren zu produzieren. Diese verlassen die Zelle, zerstören sie und infizieren weitere T-Helferzellen.

Wird eine HIV-Infektion nicht behandelt, verläuft sie gewöhnlich in vier Phasen:
  • In der Akutphase – etwa zwei bis vier Wochen nach der Ansteckung – leiden viele Patienten für einige Tage unter grippeartigen Symptomen wie Fieber und Halsschmerzen. Die Viren vermehren sich explosionsartig und töten viele T-Helferzellen.
  • In der folgenden symptomfreien Latenzphase sinkt die Zahl der Viren wieder stark, da sie jetzt von anderen Immunzellen bekämpft werden. Die Zahl der T-Helferzellen nimmt wieder zu. Von den Patienten unbemerkt, tobt nun in ihrem Körper über Jahre ein heftiger Kampf, den HIV letztlich für sich entscheidet. Denn jeden Tag werden bis zu zehn Milliarden Viren, aber nur eine Milliarde T-Helferzellen neu gebildet.
  • In die symptomatische Phase treten Patienten ein, wenn die Zahl der T-Helferzellen von normal 800.000 bis 1 Million auf 200.000 - 350.000 pro Milliliter Blut gesunken ist. Anzeichen dafür sind häufig Fieber und Gewichtsabnahme sowie eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen.
  • Ist die Zahl der T-Helferzellen nach acht bis zehn Jahren auf unter 200.000 pro Milliliter Blut gesunken, ist der Körper anfällig für einige Erreger, die einem Menschen sonst nichts anhaben können, z. B. der Lungenentzündungserreger Pneumocystis. Das Stadium AIDS ist erreicht, sobald tatsächlich ein oder mehrere solche Infektionen auftreten oder sich bestimmte seltene Tumore wie der Hautkrebs Kaposi-Sarkom zeigen.