WHO sagt Arzneimittelfälschern den Kampf an

Medikamente im Straßenverkauf: Händlerin in Abidjan an der Elfenbeinküste (© dpa)
Gefälschte Arzneimittel haben viele Gesichter: Entweder steckt das Original-Medikament in einer gefälschten Verpackung samt nachgedruckter Packungsbeilage. Dann hat ein Fälscher beispielsweise irgendwo preiswert Großpackungen des Herstellers abgezweigt und daraus viele kleine und in der Summe teurere Einzelpackungen gemacht. Oder - schlimmer - es stimmen weder Verpackung noch Inhalt. Solche so genannten Totalfälschungen enthalten nur eine ganz geringe Menge Wirkstoff oder nur völlig wirkungslose Substanzen wie zum Beispiel Kalk; schlimmstenfalls verbergen sich sogar giftige Substanzen in den Tabletten, Kapseln oder Säften.

Echt oder gefälscht?
(Foto: GPHF)
Sicherheit in Deutschland sehr hoch
In Deutschland sind bislang nur wenige Fälle von Arzneimittelfälschungen aufgetreten - und fast ausschließlich "nur" Fälschungen der Verpackung. Meistens handelte es sich um illegale Reimporte - das sind Arzneimittel, die für ein Land außerhalb der EU bestimmt waren, dort illegal umgepackt und in den deutschen Markt eingeschleust wurden. Solche Imitate gefährden - falls die erforderlichen Lagerbedingungen eingehalten wurden - zwar nicht die Gesundheit der Anwender, untergraben allerdings ihr Vertrauen in ihre Medikamente. Und davon, dass Fälscher sich um korrekte Handhabung von Medikamenten kümmern, ist auch nicht unbedingt auszugehen. Lediglich in zwei Fällen fanden sich in den letzten zehn Jahren in Deutschland tatsächlich Totalfälschungen; sie wurden sofort aus den Apotheken entfernt.
Auf europäischer Ebene wurden in den letzten Jahren einige gesetzliche Maßnahmen gegen Fälschungen verabschiedet, die die rechtlichen Möglichkeiten und Sanktionen der EU-Mitgliedsstaaten auch gegen Arzneimittelfälschungen stärken und erweitern. In Deutschland wurden im Zuge der 12. und 14. Novellierung des Arzneimittelgesetzes Regelungen getroffen, die Arzneimittelfälschung deutlich erschwert und sie erstmals explizit unter höhere Strafe stellt als etwa das Fälschen von Markenuhren oder -kleidung. Auch wird durch die Gesetzesänderung das Einschleusen gefälschter Präparate in den regulären Arzneimittelvertriebsweg erheblich schwerer gemacht. Innerhalb der regulären Vertriebswege - über Großhändler, Apotheken und Krankenhäuser - lässt sich damit Arzneimittelfälschungen hierzulande gut vorbeugen.
Illegaler Internethandel birgt hohe Risiken

Links das wirksame Malariamittel, rechts das wirkungslose und gefälschte Medikament, das bei einer Malariaepedemie 1997 in den Armenvierteln von Nairobi verkauft wurde (Foto: GPHF)
Laut WHO sind vor allem Antibiotika, Antimalariamittel und Hormone (hauptsächlich Wachstumshormone und Muskelaufbausubstanzen) von Fälschungen betroffen. Zunehmend geraten aber auch gefälschte Krebs- und Antivirenmittel in Umlauf. Wie bei illegalen Drogen haben die Händler Tricks entwickelt, um ihre Ware über Ländergrenzen zu schmuggeln: Sie verstecken sie in Teddybären oder kennzeichnen ihre Ware als Tierfutter. Im Zielland werden die Medikamente neu verpackt.
Gegenmaßnahmen der Industrie laufen bereits

Minilab: Komplettes Labor zur Identifizierung von Fälschungen in zwei Koffern (Foto: GPHF)
Viele Arzneimittelhersteller haben zudem so genannte "Counterfeit Task Forces" eingerichtet, um den internationalen Informationsaustausch innerhalb der Unternehmen sicherzustellen und die technologischen Projekte zum Schutz vor Arzneimittelfälschungen zu koordinieren. Pharmaunternehmen arbeiten eng mit Zollbehörden zusammen. Außerdem kennzeichnen sie ihre Produkte mit einer Vielzahl von sichtbaren und verdeckten Markern, wie zum Beispiel Hologrammen und Wasserzeichen. Damit lässt sich nachweisen, ob es sich um ein Original oder eine Fälschung handelt. Gewiefte Fälscher allerdings nehmen auch diese Hürde und ahmen die Marker in kurzer Zeit nach. Mehr Hightech kann das Problem also nur mildern, nicht dauerhaft überwinden. Daher haben die Arzneimittelhersteller ein EU-weites so genanntes "Track & Trace"-System angeregt, mit dem sich Arzneimittelvertriebswege lückenlos verfolgen und überwachen lassen. Wenn jeder Händler lizenziert ist und sich jede Lieferung zurückverfolgen lässt - wie in Deutschland -, dann haben Fälscher keine Chance.
Tipps zum Schutz vor Fälschungen
Wie Sie sich als Verbraucher am besten vor gefälschten Arzneimitteln schützen können, lesen Sie hier...
Wie Sie sich als Verbraucher am besten vor gefälschten Arzneimitteln schützen können, lesen Sie hier...
Fünf Arbeitsgruppen von IMPACT haben in Bonn nun Vorschläge gemacht, die so schnell wie möglich umgesetzt werden sollen, darunter die Forderung nach strengeren Gesetzen, der kontrollierten Abgabe von Arzneimitteln, konsequenter Kontrollen der Medikamentenlager und gezielter Information der Öffentlichkeit über Arzneimittelfälschungen.
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