Neue Antibiotika: Den Vorsprung gegenüber resistenten Bakterien wahren


Unternehmen haben neue Antibiotika gegen gefährliche Bakterien wie diese Erreger der Hirnhautentzündung entwickelt. (Foto: © Novartis Behring)
2008 haben Pharmaunternehmen zwei neue Antibiotika auf den deutschen Markt gebracht. Hierdurch haben Ärzte in Deutschland weitere Möglichkeiten gewonnen, Krankheitserreger zu bekämpfen, die gegen ältere Antibiotika resistent geworden sind. Bis Ende 2011 könnten noch bis zu acht neue Antibiotika dazu kommen.

Antibiotika – Medikamente gegen schädliche Bakterien – zählen zu den größten Errungenschaften der Medizin. Zahlreiche Krankheiten wie Lungenentzündung, Syphilis und Wundinfektionen haben erst durch sie ihren Schrecken verloren; unter den Todesursachen rangieren Infektionskrankheiten deshalb heute in Deutschland weit hinter den Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs. Doch immer wieder sind Patienten und Ärzte mit Keimen konfrontiert, die Widerstandskräfte gegen ein oder mehrere Antibiotika entwickelt haben – so genannte Resistenzen. Dann müssen Ärzte auf andere Antibiotika ausweichen können.

Die Entwicklung neuer Antibiotika ist deshalb von großer Bedeutung. Forschende Pharmaunternehmen nehmen diese Verantwortung wahr: Acht neue Breitbandantibiotika (wirksam gegen viele unterschiedliche Bakterien) aus ihren Labors könnten bis Ende 2011 zugelassen werden (Stand August 2009). Davon befinden sich derzeit drei im europäischen Zulassungsverfahren, acht in der letzten Studienphase davor, der so genannten Phase III der klinischen Entwicklung.

Ein besonderes Problem, vor allem in Krankenhäusern, stellt MRSA dar. Die Abkürzung steht für multiresistente Staphylococcus aureus. Diese Bakterien sind gegen besonders viele der bisher verfügbaren Antibiotika unempfindlich. Sechs der Antibiotika mit Aussicht auf Zulassung bis 2011 können sie jedoch erfolgreich bekämpfen und die Gefahr damit voraussichtlich nachhaltig entschärfen. Zudem erprobt ein Unternehmen derzeit eine Schutzimpfung gegen MRSA.

Intensiv wird in mehreren Unternehmen mittlerweile an neuen Antibiotika speziell gegen Tuberkulose geforscht, die vor allem in Entwicklungs- und osteuropäischen Ländern ein großes und weiter wachsendes Problem darstellt. Einige Unternehmen haben dafür sogar eigens Labors in Spanien, Singapur, den USA und Indien aufgebaut. Aber auch Industrielabors in Frankfurt a.M. und im Belgischen Mechelen wirken an der Entwicklung neuer Medikamente gegen Tuberkulose mit. Die Behandlung dieser Krankheit dauert bislang mindestens sechs Monate und ist mit sehr belastenden Nebenwirkungen verbunden; es mehren sich auch die Fälle, in denen aufgrund resistenter Bakterienstämme keine Heilung gelingt. Zudem nimmt die Zahl der Patienten weltweit erheblich zu – vor allem HIV-Infizierte sind gefährdet. Deshalb werden neue und bessere Präparate dringend gebraucht. Drei neue Wirkstoffe aus den Labors forschender Pharma-Unternehmen werden derzeit in ersten Studien mit Patienten (Phase II-Studien) getestet. Aber auch schon existierende Antibiotika, die bisher nur gegen andere Krankheiten erprobt sind, könnten helfen. Deshalb werden derzeit zwei Präparate des Typs „Fluorchinolon-Antibiotikum“ auf Eignung gegen Tuberkulose getestet. Sie haben sogar schon die letzte Erprobungsphase (Phase III) erreicht. Die Unternehmen arbeiten bei ihrer Tuberkulose-Forschung meist mit der Organisation TB Alliance (www.tballiance.org) zusammen.

Ebenso wichtig wie die Suche nach neuen Antibiotika ist aber auch der verantwortungsvolle Umgang mit den vorhanden Präparaten und eine genaue Überwachung der Verbreitung resistenter Keime. Deshalb begrüßt der vfa auch die am 12. November 2008 vom Bundeskabinett verabschiedete „Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie“, die genau darauf abzielt.

Nur wo es medizinisch sinnvoll ist, sollten antibiotische Präparate verordnet werden. Dann jedoch sollten sie von den Patienten auch über die volle Anwendungszeit und nicht unterdosiert eingenommen werden; denn andernfalls tragen sie zur Entstehung resistenter Bakterienstämme bei und gefährden sich und andere. Die Medizin muss aber den Erregern weiterhin die entscheidenden Schritte voraus bleiben.

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