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19. März 2013

Neue Medikamente gegen Tuberkulose

 
Die Tuberkulose (TB) ist weltweit wieder ein großes Problem - oft als Co-Infektion bei AIDS-Kranken. Nicht nur in Entwicklungs- und Schwellenländern, auch beispielsweise in einigen östlichen Staaten der EU gibt es viele Betroffene. Doch von forschenden Pharma-Unternehmen kommen nun auch wieder neue Medikamente gegen diese Krankheit.

Patient mit Tuberkulose in Äthiopien (© WHO / P. Virot)
Verursacht wird Tuberkulose durch Mycobacterien, die vor allem die Lunge befallen, aber auch in andere Organe eindringen können. Unbehandelt ist Tuberkulose meist tödlich. Rund ein Drittel der Weltbevölkerung trägt Tuberkulose-Bakterien mit sich; die Krankheit bricht jedoch erst aus, wenn das Immunsystem eines Infizierten - etwa durch HIV oder Mangelernährung - geschwächt ist.

Tuberkulose ist heilbar, jedoch bei weitem nicht so einfach wie eine gewöhnliche Atemwegsinfektion: Schon Bakterienstämme ohne Resistenzen ist lassen sich nur durch eine mindestens sechsmonatige, nebenwirkungsreiche Kombinationstherapie eradizieren. Noch schwieriger ist aber die Behandlung multiresistenter Stämme (MDR-TB, XDR-TB), bei denen nicht die Medikament der ersten Wahl zum Einsatz kommen können. Deshalb werden neue und bessere Medikamente dringend gebraucht.

Seit rund zehn Jahren haben daher forschende Pharma-Unternehmen wie auch einige akademische Forschungseinrichtugen ihre Forschung auf diesem Gebiet wieder ausgeweitet. Einige Unternehmen haben dafür sogar eigene Labors eingerichtet - in Spanien, Singapur, den USA und Indien. Aber auch Industrielabors in Frankfurt a.M. und im Belgischen Mechelen haben an der Entwicklung neuer Medikamente gegen Tuberkulose mitgewirkt.

Viele Projekte haben inzwischen zu Medikamenten in klinischer Erprobung geführt. Zwei Medikamente mit neuem Wirkstoff wurden sogar schon in der EU zur Zulassung eingereicht; sie könnten hierzulande die ersten neuen TB-Medikamente seit fast 50 Jahren werden! In den USA hat sogar eins dieser Präparate zum Jahreswechsel 2012/2013 schon die Zulassung erhalten. Es ist auch in Deutschland heute schon im Rahmen eines Härtefall-Programms („Compassionate Use“) für austherapierte Patienten verfügbar.

Fünf weitere Medikamente mit neuen Wirkstoffen befinden sich in den Erprobungsphasen II oder III. Dazu kommen noch vier Medikamente auf Basis von schon zugelassenen Wirkstoffen: Moxifloxacin, Gatifloxacin und Linezolid haben sich schon gegen andere bakterielle Infektionen bewährt und werden nun gegen TB erprobt; Rifapentin hat sogar in den USA schon länger eine Zulassung gegen Tuberkulose, doch um gut anwendbar zu werden, wurde der Wirkstoff noch einmal neu formuliert und mit anderen Wirkstoffen kombiniert - was nun in Phase III getestet wird.


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Einige der Projekte führen neue Wirkprinzipien in die TB-Therapie ein: So hindert Bedaquilin die Bakterien an der Energiegewinnung, Moxifloxacin an der DNA-Verdoppelung (siehe nachfolgende Grafik). Andere Wirkstoffe nutzen schon länger bekannte Angriffspunkte in den Tuberkulose-Bakterien wie die Prozesse zur Bildung der Zellwand oder von Proteinen.



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Medikamente meist aus Kooperationsprojekten

Viele Unternehmen arbeiten bei ihrer Tuberkulose-Forschung mit der Organisation TB Alliance (www.tballiance.org) zusammen, die als Public-Private Partnership verschiedene Stiftungen sowie staatliche und nicht-staatliche Organisationen mit Forschungsgruppen und Unternehmen zusammenbringt und nach strengen Regeln Fördermittel für die Medikamentenentwicklung bereit stellt. Einige neue TB-Medikamente werden aber auch von Unternehmen ohne Partner entwickelt. Umgekehrt hat die TB Alliance auch selbst die Entwicklung eine Präparates übernommen, das ihr ein forschendes Pharma-Unternehmen überlassen hat.

Zudem haben im Juni 2012 sieben Pharmafirmen, vier akademische Forschungseinrichtungen und die Bill and Melinda Gates Foundation die Gründung der Product Development Partnership TB Drug Accelerator (TBDA) bekannt gegeben. Die beteiligten Partner wollen ihre bisherigen Erfahrungen mit dem Tuberkulose-Erreger und ihre Ressourcen zur Wirkstofferfindung bündeln, so dass neuartige Medikamente schneller entwickelt werden können. Von Industrieseite sind die Unternehmen AstraZeneca, Abbott, Eli Lilly, Bayer, GlaxoSmithKline, Sanofi und MSD beteiligt. Erklärtes Ziel ist die Erfindung neuer Wirkstoff-Kandidaten, mit denen sich die TB-Therapie weiter verkürzen lässt, möglichst auf nur vier Wochen. Aussichtsreiche Wirkstoff-Kandidaten, die aus der Zusammenarbeit hervorgehen, sollen dann ohne Ansprüche auf Marktexklusivität von jeder interessierten Einrichtung zu Medikamenten entwickelt und vertrieben werden können.

Nicht nur einzelne Medikamente, sondern Kombinationen nötig

Da zur Ausheilung einer TB stets mehrere Medikamente zugleich nötig sind, ist nicht nur die Erfindung und Erprobung neuer Medikamente an sich wichtig; vielmehr muss auch festgestellt werden, welche Medikamenten-Kombinationen die wirksamsten und verträglichsten sind. Dies zu ermitteln, wird noch viele Studien und damit auch viele Jahre erfordern - vor, aber auch nach der Zulassung der einzelnen neuen Präparate.

Dennoch ist die Perspektive für die Betroffenen günstig: Wenn die neuen Medikamente nicht nur eine Zulassung erlangen, sondern auch die Patienten in den vorrangig betroffenen Ländern erreichen, dürften sich deren Aussichten auf Heilung wesentlich verbessern – und das mit weit kürzeren und verträglicheren Therapien als heute.
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