28. Januar 2026 EU-zugelassene therapeutische Medikamente auf Basis von RNA oder DNA
Die Nukleinsäuren RNA und DNA sind nicht nur natürliche Zellbestandteile. Sie können auch Wirkstoffe von Medikamenten sein. Besonders bekannt sind Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten, die einen Typ von RNA – nämlich messenger-RNA (mRNA) – enthalten. Doch auch einige therapeutische Medikamente enthalten RNA-Moleküle (oder von RNA abgeleitete Moleküle); und weitere sind in Entwicklung. Ebenso werden Medikamente entwickelt, die als Wirkstoff DNA enthalten.
Wie natürliche Nukleinsäuren bestehen die RNA- und DNA-Wirkstoffe aus einer genau festgelegten Abfolge (Sequenz) von Bausteinen, die Nukleotide genannt werden (bis 100 Bausteine große RNA- und DNA-Wirkstoffe heißen daher auch Oligonukleotide). Allerdings ist die Molekülstruktur dieser Nukleotide in einigen Punkten gegenüber der biologischen modifiziert. Das dient insbesondere dazu, sie vor allzu schnellem Abbau im Körper zu schützen.
Übersichtsartikel
Eine ausführlichere Einführung in die RNA- und DNA-basierten Medikamente bietet ein Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung Online Externer-Link (Öffnet im neuen Fenster) vom 20.10.2022
Derzeit (Stand 28.01.2026) sind in der EU 12 therapeutische Medikamente auf RNA-Basis zugelassen (von den DNA-basierten ist noch keines zugelassen). Die unten stehende Tabelle führt sie auf. Ein 13tes Medikament (gegen familiäres Chylomikronämie-Syndrom) durchläuft derzeit das Zulassungsverfahren.
Unterschiedliche Typen
Bislang gehören die Wirkstoffe aller zugelassenen Medikamente zu einem von zwei Typen:
- Antisense-Oligonukleotide sind einzelsträngige, kurzkettige Nukleinsäuren,
- siRNA sind kurze, einzel- oder doppelsträngige RNA-Moleküle (si steht für "small interfering").
Beide sind imstande, die Verwendung (Expression) eines bestimmten Gens für die Proteinbildung zeitweilig zu unterdrücken.
Weitere Typen von Medikamenten könnten in den kommenden Jahren dazustoßen; beispielsweise therapeutische mRNA-Impfstoffe für die Krebstherapie oder Protein-bindende RNA- und DNA-Medikamente (sogenannte Aptamere) für unterschiedliche Zwecke. Sie werden hier ergänzt, sobald sie in der Europäische Union eine Zulassung erhalten haben.
Tabellarische Übersicht über alle in der EU zugelassenen therapeutischen Medikamente auf Basis von RNA [1] (Stand: 28.01.2026)
| Wirkstoff | Medikament (Produktname) | Unternehmen | Anwendungsgebiet | Zulassungsdatum | Typ | Charakterisierung [2] |
| Donidalorsen | Dawnzera | Otsuka | Hereditäres Angioödem | 19.01.2026 | Antisense-Oligonukleotid | einzelsträngiges 2'-O-Methoxyethyl-modifiziertes Antisense-Oligonukleotid aus 20 Nukleotiden, konjugiert an eine triantennäre GalNAc3-Einheit |
| Eplontersen | Wainzua | AstraZeneca | Transthyretin Amyloidose, hereditär mit Polyneurpothie 1 bis 2 | 06.03.2025 | Antisense-Oligonukleotid | einzelsträngiges, modifiziertes chimäres Gapmer-Antisense-Oligonukleotid aus 20 Nukleotiden, konjugiert an GalNAc[3] |
| Givosiran | Givlaari | Alnylam | Porphyrie, akute hepatische | 02.03.2020 | siRNA | doppelsträngiges, chemisch synthetisiertes und modifiziertes Oligonukleotid |
| Inclisiran | Leqvio | Novartis | Hypercholesterolämie und Dyslipidämien | 09.12.2020 | siRNA | doppelsträngige, chemisch synthetisiertes und modifiziertes Oligonukleotid |
| Inotersen | Tegsedi | Akcea | Polyneuropathie bei Transthyretin-Amyloidose | 06.07.2018 | Antisense-Oligonukleotid | einzelsträngiges synthetisches Antisense-Oligonukleotid mit Phosphorthioat-Rückgrat |
| Lumasiran | Oxlumo | Alnylam | Primäre Hyperoxalurie Typ 1 | 19.11.2020 | siRNA | doppelsträngiges, chemisch synthetisiertes Oligonukleotid |
| Nusinersen | Spinraza | Biogen | 5q-assoziierte spinale Muskelatrophie | 30.05.2017 | Antisense-Oligonukleotid | einzelsträngiges, modifiziertes Antisense-Oligonukleotid mit Phosphorthioat-Rückgrat |
| Olezarsen | Trynzolga | Ionis | Familiäres Chylomikronämie-Syndrom | 17.09.2025 | Antisense-Oligonukleotid | k. A. |
| Patisiran | Onpattro | Alnylam | Transthyretin-Amyloidose, hereditär | 27.08.2018 | siRNA | doppelsträngiges, chemisch synthetisiertes und modifiziertes Oligonukleotid |
| Tofersen | Qalsody | Biogen | Amyothrophe Lateralsklerose mit SOD1-Mutation | 29.05.2024 | Antisense-Oligonukleotid | einzelsträngiges Antisense-Oligonukleotid mit gemischtem Phosphorthioat-/Phosphat-Rückgrat |
| Volanesorsen | Waylivra | Akcea | Familiäres Chylomikronämie-Syndrom | 03.05.2019 | Antisense-Oligonukleotid | einzelsträngiges synthetisches Antisense-Oligonukleotid mit Phosphorthioat-Rückgrat |
| Vutrisiran | Amvuttra | Alnylam | Transthyretin-Amyloidose, hereditäre | 15.09.2022 | siRNA | doppelsträngiges, chemisch synthetisiertes Oligonukleotid |
Die wichtigsten Fragen und Antworten zu RNA-basierten Medikamenten
[1] DNA-basierte Medikamente sind noch keine zugelassen
[2] soweit nicht anders vermerkt, laut European Public Assessment Report (EPAR) der EMA zum betreffenden Medikament
[3] https://synapse.patsnap.com/blog/how-to-find-the-sequence-of-eplontersen? Der Oligonukleotid-Teil hat ein Phosphorothioat-Rückgrat und 2'-O-Methoxyethyl (2'-MOE)-Modifikationen.