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5. Januar 2024 So nachhaltig ist die deutsche Pharmaindustrie schon jetzt

Die Pharmabranche in Deutschland zählt in einem Industrievergleich zu den nachhaltigsten Wirtschaftszweigen. Das gilt auch dann, wenn Emissionen und Verbräuche entlang der internationalen Wertschöpfungskette einbezogen werden. Potenziale für eine weitere Reduktion des ökologischen Fußabdrucks ergeben sich vor allem im Vorleistungsbezug aus anderen Ländern. Die dortige Produktionsweise hat noch nicht das Nachhaltigkeitsniveau Deutschlands erreicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Prognos AG im Auftrag des vfa.


AstraZeneca

Auf dem Weg zu Netto-Null

AstraZeneca hat sich das Ziel gesetzt, bis 2026 98 Prozent der eigenen Emissionen im Vergleich zu 2015 zu reduzieren. Bis 2030 sollen außerdem 50 Prozent, bis 2045 sogar 90 Prozent der Emissionen in den globalen Lieferketten im Vergleich zu 2019 verringert werden. Mit dem Programm „Ambition Zero Carbon“ werden hierfür rund eine Milliarde Dollar investiert. Dabei stehen Vermeidung und Reduktion an erster Stelle – nur die absolut unvermeidbaren Restemissionen werden kompensiert. AstraZeneca war eines der ersten sieben Unternehmen, die ihre Netto-Null-Ziele für Scope 1-3 im Rahmen des Net-Zero Corporate Standard der Science-Based Targets Initiative verifiziert haben.

Als Mitglied der globalen Initiative EV100 hat AstraZeneca sich verpflichtet, seine Flotten für den Außendienst weltweit bis Ende 2025 auf 100 Prozent Elektrofahrzeuge umzustellen. In Deutschland geht das Unternehmen einen Schritt weiter: Bis Ende 2024 sollen die Außendienstmitarbeitenden vollelektrisch unterwegs sein. Dafür wurde in massiv in die Fuhrparkumstellung investiert, so dass Stand Dezember 2023 bereits 80 Prozent der Flotte aus Elektroautos besteht.

MSD

Klima & Gesundheit

Für MSD liegt das Hauptaugenmerk im Bereich Klima- und Umweltschutz auf dem Zusammenhang zwischen Klima & Gesundheit. Ziel: Es wird ein Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise geleistet und gleichzeitig die Gesundheit der Menschen geschützt. Um den Beitrag fokussiert auszurichten, wird seit 2019 den CO2-Fußabdruck berechnet. Im Engagement zur Dekarbonisierung wurden klare Reduktionsziele basierend auf den Science Based Tagets für die SCOPE 1,2 und 3 Emissionen bis 2030 festgelegt. Daran wird das gesamte Handeln ausgerichtet. So wurden beispielsweise mit der ZUGstattFLUG-Challenge die innerdeutschen Flüge im Jahr 2023 um rund 23 Prozent reduziert, die Zugfahrten um 27 Prozent gesteigert und Geschäftsreisen innerhalb von sieben Monaten insgesamt reduziert (Vergleich zu 2022). Ebenso tragen Mehrwegboxen, welche 2021 als erstes Pharmaunternehmen im Versand der Medikamente eingeführt wurden, mit einer Einsparung von 1,1 Millionen Liter Wasser und 70 Prozent Emissionsreduktion verglichen mit Einwegkartons zur Erreichung der Ziele bei.

Novo Nordisk

Klimaschutz-Strategie „Circular for Zero“

Bis 2030 will das Unternehmen seine CO2-Emissionen an allen Standorten und bei Transporten weltweit auf Null senken, und langfristig völlig klimaneutral werden. Bereits in 2020 erreicht Novo Nordisk als Mitglied der internationalen Nachhaltigkeitsinitiativen RE100 und CE100 sein erstes Etappenziel, die komplette Produktion mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Mit seiner zukunftsweisenden Klimaschutz-Strategie „Circular for Zero“ möchte Novo Nordisk die Kreislaufwirtschaft auch in der pharmazeutischen Industrie voranbringen. Auch in Deutschland trägt das Unternehmen im Rahmen dieser Strategie dazu bei, den ökologischen Fußabdruck weiter zu verringern. So ist das neue Firmengebäude am Standort Mainz nach modernsten ökologischen und energetischen Standards konzipiert: Die Energieversorgung erfolgt umweltfreundlich über Erdwärme, mit der nicht nur beheizt, sondern im Sommer auch passiv gekühlt wird. Über eine Photovoltaik-Anlage wird das Gebäude mit Strom versorgt. Die gewonnene Energie zudem zum Laden der Fahrzeugflotte genutzt. Plan ist, die Fahrzeugflotte in Deutschland bis 2025 auf 100 Prozent Elektromobilität umzustellen.

Pfizer

Grüner Leuchtturm

Das Pfizer Werk in Freiburg ist die weltweit größte Produktionsstätte für feste Arzneimittelformen im globalen Produktionsnetzwerk von Pfizer. Pro Jahr werden dort rund sieben Milliarden Tabletten und Kapseln hergestellt, darunter Medikamente gegen Krebs, Herz-Kreislauf- und neurologische Erkrankungen.

Der Standort ist ein grüner Leuchtturm und laut Umweltbundesamt ein Beispiel guter Praxis für nachhaltige Arzneimittelproduktion. Derzeit werden bereits mehr als 90 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt. Bis 2025 wird das Werk nur noch Strom aus Windkraft beziehen.

Die neue High-Containment-Produktionsanlage zählt zu den weltweit modernsten der pharmazeutischen Industrie – und setzt beim Energieverbrauch Maßstäbe: Umluftanlagen ermöglichen eine gezielte Einsparung von Strom, Wärme und CO2. Auch im restlichen Teil des Werks soll der Energieverbrauch noch weiter gesenkt werden, z.B. durch eine reduzierte Luftwechselrate in den Produktionsbereichen, die Optimierung und den Austausch von Lüftungsanlagen sowie durch Leuchtmittelaustausch auf LED.

Gemeinsam mit dem Fraunhofer ISE Institut wird derzeit an weiteren Maßnahmen zur Energie- und Ressourcenschonung gearbeitet.

Vetter

Der CO2-neutrale Pharmadienstleister

Vetter ist seit Jahren führend im Bereich Nachhaltigkeit unter den Pharmadienstleistern und bereits seit mehr als zwei Jahren an allen internationalen Standorten CO2-neutral. Mit der Nachhaltigkeitsstrategie erreichte Vetter 2023 schließlich den Platin-Status im ecovadis-Ranking und gehört damit zu den Top 1% der bewerteten Unternehmen. Mit der Inbetriebnahme einer neuen Photovoltaikanlage und der Umstellung eines weiteren bestehenden Blockheizkraftwerks auf Biogas am Standort Ravensburg hat Vetter den Weg zu Net Zero weiter geebnet. Allein durch die Photovoltaikanlage spart das Unternehmen jährlich 330 Tonnen CO2 ein. Die Summe an großen und kleinen Engagements ist tief in den Grundsätzen des Unternehmens verankert, die auf den drei Säulen, Ökonomie, Ökologie und Soziales beruht. Mit einem Nachhaltigkeitsbericht sowie Mitgliedschaften in der Science Based Target Initiative (SBTi) und dem UN Global Compact Netzwerk sorgt Vetter für Transparenz der eigenen Grundsätze als auch den Prinzipien der externen Partner.

Merck Healthcare

Klimaneutralität bis 2040

Merck Healthcare strebt bis 2040 Klimaneutralität an und setzt dabei auf Nachhaltigkeit. Ein wichtiger Schritt ist die Einführung einer um 40 Prozent kleineren, komplett plastikfreien Sekundärverpackung für Injektionsstifte, wodurch jährlich 180 Tonnen Kunststoffabfall vermieden, CO2-Emissionen sowie Transport- und Lagerkosten reduziert werden. Weiterhin optimiert das Unternehmen seine Logistik durch verstärkten Seetransport von Medikamenten, was bis 2021 zu einer CO2-Einsparung von 10.600 Tonnen führte. In Kooperation mit DHL nutzt Merck nachhaltige Schiffs- und Flugkraftstoffe in einem Pilotprojekt.

Durch Rücknahme-Programme für leere Injektionspens zum Recycling positioniert sich Merck als Vorreiter. Unterstützung erfährt diese Initiative durch die firmeneigenen „Green Teams“, die weltweit an 16 Standorten in elf Ländern Nachhaltigkeitsprojekte umsetzen. Die regelmäßige Kontrolle von Treibhausgasemissionen und Abwasser an Produktionsstandorten bestätigt Mercks Engagement für Umweltschutz- und zeigt, dass ökologische Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg vereinbar sind.

Sanofi

Teilrecycelte Transportkisten

Sanofi setzt in der Pen-Fertigung teilrecycelte Transportkisten, sogenannte Tray, ein und spart damit wertvolle Rohstoffe. Die Tray bestehen aus Polystyrol, einem hochwertigen Standardkunststoff. Bisher wurden die Trays am Ende des Fertigungsprozesses zerkleinert auf dem Markt für Sekundärrohstoffe verkauft. Das hat Sanofi geändert und führt einen Teil des verwendeten Polystyrols im Kreis, indem das Mahlgut direkt zurück an den Tray-Hersteller geht. Dort wird der Kunststoff für die Wiederwendung aufbereitet: Der recycelte Rohstoff liegt in den dünnen Polystyrolfolien wie bei einem Sandwich. Denn ausschließlich recyceltes Polystyrol darf nicht zur Herstellung für Pharmaprodukte verwendet werden. Die neue Tray-Polystyrolfolie hat also drei Schichten, jeweils außen „frisches“ Polystyrol, in der Mitte das Recyclingprodukt. Damit schließt sich der Kreis und 30 Prozent des Polystyrols werden im Kreis geführt. Dies sind 464 Tonnen. Zudem werden im Vergleich zum bisherigen Prozess 840 Tonnen CO2eq vermieden und 4620 Kubikmeter Frischwasser eingespart.

Bayer

Klimaneutralität an den Standorten

Nachhaltigkeit ist eines der zentralen Elemente von Bayers Unternehmensstrategie. Die Mission "Health for All. Hunger for None" unterstreicht das Engagement des Unternehmens, Ressourcen verantwortungsbewusst einzusetzen und den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Bayer verpflichtet sich zu den UN-Nachhaltigkeitszielen und strebt an, durch nachhaltige und innovative Lösungen Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen. Im Fokus stehen dabei die Bereiche Ernährung und Gesundheit.

Ein zentrales Element der Nachhaltigkeitsstrategie ist es, bis 2030 100 Millionen Frauen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen den Zugang zu moderner Empfängnisverhütung zu ermöglichen.

Darüber hinaus hat sich das Unternehmen zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks verpflichtet. Bayer ergreift deshalb weitreichende Klimamaßnahmen, um die Treibhausgas-Emissionen innerhalb des Unternehmens und entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verringern. Bayer strebt an, unter Einbezug seiner gesamten Wertschöpfungskette bis 2050 eine ausgeglichene CO2-Bilanz zu erreichen. Die Klimaneutralität der eigenen Standorte soll bis 2030 erreicht werden. Zusätzlich setzt Bayer auf Energieeffizienz und erneuerbare Energiequellen, um die eigenen Treibhausgas-Emissionen zu senken. Gemeinsam mit seinen Lieferanten arbeitet das Unternehmen zielstrebig, um erneuerbare Energien zu fördern.

Roche

Weniger Wasser für das gleiche Ergebnis

Standort Grenzach: In der pharmazeutischen Versorgungskette setzt Roche vermehrt auf umweltfreundliche Alternativen zu Einwegverpackungen. Die Nutzung wiederverwendbarer Mehrwegboxen reduziert signifikant den Einwegmüll und es werden Ressourcen eingespart, die bei der Herstellung, Entsorgung und dem Recycling von Einwegverpackungen anfallen. Im Jahr 2023 wurden mehr als 350.442 Liter Wasser und rund 16.000 Kilogramm CO2-Äquivalente eingespart.

Standort Mannheim: Neben der Reduzierung von Energie, Abfall und CO2-Emissionen ist das Einsparen von Wasser ein großes Thema. Bei Reinigungsprozessen für Schläuche und Behälter, die mit wässrigen Lösungen Kontakt haben, wurde daher getestet, ob eine kürzere Spülzeit zum gleichen Erfolg führt. Es geht: Bereits 30 Sekunden führen zum gleichen Ergebnis. Zudem wurde getestet, ob eine Spülung mit warmem Trinkwasser sowie gereinigtem Wasser weiterhin nötig ist. Auch hier bestätigte sich, dass durch den Wegfall die Reinigung nicht beeinträchtigt wurde. Voraussetzung ist stets eine erfolgreich bestandene Reinigungsvalidierung.

Die Pharmaindustrie ist demnach auf einem guten Weg zu einer nachhaltigen Produktionsweise. Sie belegt bereits heute einen Spitzenplatz bei den Treibhausgasemissionen. Deutliche Fortschritte sind in Bezug auf die Energieintensität festzustellen, bei der die Pharmaindustrie deutlich unterhalb des Industriedurchschnitts und weit hinter den energieintensiven Branchen liegt. Im Vergleich mit heimischen Industrien ist der Wasserverbrauch vergleichsweise hoch - dies ist jedoch für die Pharmabranche aufgrund spezieller Anforderungen in der Fertigung üblich.

Auch im internationalen Vergleich steht der Pharmastandort gut da. Seit Jahren hält sich sie die Branche auf einem der vorderen Plätze.

Entlang der internationalen Lieferketten ergeben sich aber Verbesserungspotenziale, die bereits von vielen Unternehmen umgesetzt oder auf den Weg gebracht wurden. Damit die notwendigen Investitionen getätigt und die richtigen Handelspartner gefunden werden, braucht es entsprechender unternehmerischer Freiräume und Planungssicherheit.

Im Zuge der ökologischen Transformation wird das verarbeitende Gewerbe erhebliche Investitionen tätigen müssen, kann aber – wie die Studie zeigt - bereits auf spürbare Fortschritte verweisen.

Gerade die Schlüsselindustrien – neben Pharma beispielsweise der Maschinen- und Fahrzeugbau oder die Hightech-Elektronik – produzieren hierzulande vergleichsweise ressourcenschonend und auch im internationalen Vergleich emissions- und verbrauchsarm.

Vorgehensweise in der Studie

Mit der Studie „Der ökologische Fußabdruck der Pharmazeutischen Industrie“ untersuchten die Wissenschaftler nicht nur die direkten heimischen Umweltbelastungen, sondern bezogen auch heimische und globale Produktionsverflechtungen eines in Deutschland hergestellten Produkts in die Betrachtung ein. Das Konzept des ökologischen Fußabdrucks fasste damit Emissionen aller Wertschöpfungsstufen zu einem einheitlichen und vergleichbaren Bild zusammen. Die Entwicklung wurde anhand dreier zentraler Größen nachgezeichnet: Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch und Wasserverbrauch.

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