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Niedrige Arzneimittelpreise in Deutschland

Die Preise, die im deutschen Markt für neue Medikamente erstattet werden, fallen deutlich geringer aus als in 15 europäischen Vergleichsländern(1) . Mehr als zwei Drittel (69%) liegen unterhalb des Durchschnitts unserer Nachbarn, und ein Drittel (32%) der hiesigen Preise sind sogar die niedrigsten.

Durch Anklicken der Infografik gelangen Sie zu einer interaktiven Ansicht.

PDF-INFOGRAFIK zum Herunterladen: AMNOG-Verhandlungen führen zu Preisen unter dem europäischen Durchschnitt

Das Preisniveau für neue Medikamente in Deutschland ist unter den europäischen Durchschnitt gefallen, nachdem es verpflichtend wurde, dass Preise hierzulande nach einer Nutzenbewertung zwischen dem jeweiligen Hersteller und dem Spitzenverband der Krankenkassen (GKV-SV) ausgehandelt werden (in sogenannten "AMNOG-Verfahren", benannt nach dem Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz AMNOG, mit dem sie verfügt wurden). Der GKV-SV hat auf nationaler Ebene eine dominierende Stellung bei Bewertung und Preisfindung gegenüber dem einzelnen pharmazeutischen Unternehmen.

Trotzdem üben die Kassen auch noch regional Druck auf Ärzte aus, neue Medikamente nicht zu verschreiben: über die jährlichen „Wirtschaftlichkeitsprüfungen“, also die Regress-bewährte Prüfung, ob die Ärzte beim Verordnen von Arzneimitteln wirklich „wirtschaftlich“ gehandelt haben. Im Ergebnis führt das dazu, dass neue Medikamente zwar in Deutschland schnell im Markt sind, aber meist nur langsam die Patienten erreichen.

Der GKV-Spitzenverband ging in einer Pressekonferenz am 15. Juni 2015 davon aus, dass das deutsche Preisniveau für Arzneimittel im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hoch sei.

Als Beleg führte der GKV-Spitzenverband vier Studien an, die er nicht selbst erstellt hatte: Drei davon beziehen sich auf Zeiträume vor Inkrafttreten des AMNOG (2011) und sagen somit gar nichts über das durch das AMNOG veränderte Niveau aus.
Die vierte zitierte Studie vergleicht die Preise von 30 Produkten in 16 europäischen Ländern mit Stand April 2013, also nach Inkrafttreten des AMNOG. Dennoch ist darin lediglich ein einziges Arzneimittel berücksichtigt, das ein AMNOG-Verfahren durchlaufen hat.

Für dieses Produkt stellt die Studie fest, dass Deutschland den niedrigsten Preis hat.
Ein faktenorientierter Vergleich der Preisniveaus ist auf dieser Grundlage nicht möglich!

(1) Dänemark, Schweden, Finnland, Tschechien, Österreich, Slowakei, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Belgien, Irland, Großbritannien, Niederlande