Bis zu 76% der Schäden durch Arbeitsunfähigkeit aufgrund von chronischen Krankheiten sind vermeidbar. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Oberender & Partner in Kooperation mit der Universität Bayreuth, die im Auftrag des vfa durchgeführt wurde. Erstmalig wurde anhand der Daten von neun Millionen Krankenversicherten wissenschaftlich untersucht, wie sich chronische Krankheiten auf die volkswirtschaftliche Produktivität auswirken.



Innovative Medikamente haben ihren Teil dazu beigetragen, dass die Fehltage von Patienten mit Herzinsuffizienz seit 2002 um 34% gesenkt werden konnten. (© vfa / Klappert)
Exemplarisch sind dafür die Produktivitätsausfälle durch die vier ausgewählten Indikationen Asthma, Rheuma, Herzinsuffizienz und Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) untersucht worden. Wie die Studie ergab, wird ein signifikanter Anteil chronisch kranker Menschen in Deutschland immer noch nicht leitliniengerecht versorgt. Dabei könnte eine optimale Versorgung durch die Vermeidung von Arbeitsunfähigkeitstagen erhebliche volkswirtschaftliche Produktivitätsverluste verhindern.

Allein bei den vier untersuchten Krankheiten Asthma, Rheuma, Herzinsuffizienz und Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) sind dies bis zu 360 Millionen Euro. Es ist belegbar, dass medizinische Innovationen dazu beitragen, Produktivitätsverluste deutlich abzufedern. So konnten die Fehltage bei der Herzinsuffizienz seit 2002 um 34% gesenkt werden. Die Bedeutung der Pharma- und Gesundheitsindustrie für den Wirtschaftsstandort Deutschland wird damit erneut in doppelter Hinsicht deutlich.

Die Studie hat gezeigt:


  • Demografiebedingt wird es zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitsunfähigkeitstage bei chronisch Kranken, insbesondere der höheren Altersgruppen, kommen. Damit gehen steigende volkswirtschaftliche Produktivitätsverluste einher.


  • Angesichts der absehbaren Zunahme chronisch Kranker sowie knapper Personalressourcen auf dem Arbeitsmarkt, wird die produktive Beschäftigung älterer Mitarbeiter branchenübergreifend zu einem zentralen Erfolgsfaktor.


  • Politik, Gesellschaft, Unternehmen und Leistungserbringer im Gesundheitswesen sind gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen um dieser Entwicklung entgegenwirken, z.B. durch Prävention. Hierbei sind nicht nur die in der Versorgung tätigen Leistungserbringer gefordert, sondern auch einzelne Arbeitgeber und Arbeitnehmer.


  • Eine leitliniengerechte Arzneimittelversorgung chronisch Kranker leistet hierzu einen Beitrag. Die Ergebnisse der Studie bilden eine erste Grundlage für einen öffentlichen Diskurs. Weitere Forschung in diesem Bereich ist wünschenswert.



Anlässlich der Vorstellung der Studienergebnisse am 27. Oktober 2010 in Berlin warnte die Hauptgeschäftsführerin des vfa, Cornelia Yzer, davor, chronische Erkrankungen künftig nur als Individualschicksal zu betrachten. Auch ihre gesellschaftlichen Konsequenzen müssten betrachtet werden: „Dann werden alle Beteiligten im Gesundheitssystem Gesundheits- und Versorgungsziele für die Bevölkerung definieren müssen, auf die dann gemeinsam hingearbeitet wird.“

Eine wesentliche Weichenstellung für unser Gesundheitssystem werde dabei künftig von der Nutzenbewertung von Arzneimitteln ausgehen. Denn sie entscheide, welche Aspekte der Wirksamkeit eines Arzneimittels unserem System künftig die Erstattung wert ist: „Wir brauchen einen umfassenden Nutzenbegriff, der alles einschließt, was dem Patienten zugute kommt; und der darüber hinaus noch einen gesellschaftlichen Nutzen im Blick behält.“

Unserem Gesundheitssystem solle auch eine relevante Senkung von Fehlzeiten am Arbeitsplatz oder die Vermeidung von Frühverrentungen künftig Geld wert sein. So werde die Definition des Nutzenbegriffes künftig auch für unsere Volkswirtschaft von Bedeutung sein.