Von Arzneistoffen, die in Gewässer gelangt sind, gehen in Deutschland bislang keine Umweltprobleme aus. Trotzdem wird im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Klärtechnik darüber diskutiert, ob zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden sollten, um Arzneistoffe stärker aus Gewässern herauszuhalten.

Mit neuester Klärtechnik können auch Spurenstoffe weitgehend aus dem Abwasser entfernt werden. (© darknightsky - Fotolia.com)


Kompakt

  • Arzneistoffe in Gewässern sind in Deutschland bislang kein Gesundheitsproblem.
  • Die Pharmaindustrie ist am Stakeholder-Dialog der Bundesregierung zur Fortentwicklung des Wasserschutzes beteiligt.
  • Die Europäische Pharmaindustrie betreibt eine Eco-Stewardship-Initiative.
  • Medikamente (auch flüssige) dürfen nicht über Toilette/Ausguss entsorgt werden.


Sauberes Wasser in der Natur ist wichtig für die Erhaltung der Ökosysteme und die Gesunderhaltung der Menschen, die die Gewässer nutzen. Deshalb ist Gewässerschutz eine wichtige Aufgabe und die Prüfung aller Substanzen, die im Wasser gefunden werden, auf mögliche Umweltauswirkungen sinnvoll.

In vielen Fällen hat es überhaupt erst die Verfeinerung der Analyse-Techniken in den letzten Jahren möglich gemacht, bestimmte Spurenstoffe im Oberflächenwasser nachzuweisen. Arzneistoffe sind darunter, aber auch Substanzen aus Textilien, Kosmetika, Sonnenschutz, Waschmitteln, Landwirtschaft (z.B. Nitrat) und Lebensmitteln. Oftmals ist die Herkunft dieser Stoffe nicht eindeutig festzustellen; sie könnten aus verschiedenen Quellen stammen.

Arzneistoffe können auf verschiedene Weise in Gewässer gelangen:

  1. durch Ausscheidungen von medikamentös behandelten Menschen und Tieren, die über das Abwasser trotz Kläranlagen zu einem gewissen Prozentsatz die Gewässer erreichen;
  2. durch Ausscheidungen von medikamentös behandelten Tieren, die oft ungeklärt in die Gewässer gelangen.
  3. durch falsche Entsorgung unbenutzter Arzneimittel über Waschbecken/Toilette, wodurch sie wiederum über Abwasser und Kläranlagen die Gewässer erreichen.
Um den Eintrag über den dritten Weg zu verringern, unterstützt die Pharmaindustrie die Kommunen dabei, die Bevölkerung über die richtige Entsorgung (über den Hausmüll, nicht über Waschbecken oder Toilette) aufzuklären (#medsdisposal).

Aber schon heute sind bei den Arzneistoffen die Konzentrationen fast immer verschwindend gering und bewegen sich unterhalb von 1 Mikrogramm pro Liter. Das entspricht einem Zuckerwürfel im Wasser eines Wettkampf-Schwimmbeckens (2,5 Millionen Liter). Solche Arzneistoffkonzentrationen liegen meist unterhalb eines Millionstels der für den Menschen wirksamen Dosis.

Arzneimittel: geprüfte Umweltverträglichkeit

Seit 1995 wird bei Zulassungsverfahren für Humanarzneimittel das Umweltrisiko bewertet. Deshalb weiß man, dass nur ein kleiner Teil der Arzneistoffe überhaupt Auswirkungen auf die Umwelt haben könnten. Wenn ein potenzielles Umweltrisiko erkannt wird, wird mit geeigneten Maßnahmen reagiert. So entwickelte beispielsweise ein Hersteller ein Rücknahmesystem für gebrauchte Hormonpflaster, die dann fachgerecht entsorgt werden.

Das Zulassungsverfahren weiterzuentwickeln sowie Daten für ältere Arzneistoffe zu gewinnen, sind Ziele der „Eco-Pharmaco-Stewardship“-Initiative der europäischen Pharmaindustrie, die 2015 begonnen wurde.

Auch an der geforderten Minimierung des Eintrags von Arzneistoffen in die Umwelt wirken die forschenden Pharma-Unternehmen in vielfältiger Weise mit. Dazu entwickeln sie z. B. Retard-Tabletten, Wirkstoffpflaster und Wirkstoff-abgebende Implantate, die mit geringeren Wirkstoffmengen als gewöhnliche Tabletten auskommen. Neue Impfstoffe schützen vor Infektionen, die andernfalls medikamentös behandelt werden müssten. Immer mehr neue Medikamente haben Protein-basierte Wirkstoffe wie beispielsweise Antikörper, die gut biologisch abbaubar sind. Werden sie vermehrt verordnet, verändert das die Umweltsituation nicht.

Abwasserreinigung

Mit neuester Klärtechnik (Ozonierung, Aktivkohle-Filterung) lässt sich ein Großteil der gesamten Spurenstoffe aus dem Abwasser entfernen; und einige deutsche Kommunen setzen diese Technik bereits ein. Weitere haben angekündigt, ebenfalls nachzurüsten.

Inakzeptabel ist die verschiedentlich vorgebrachte Idee, die Kosten hierfür bei den Herstellern nur einer Gruppe von Spurenstoffen – nämlich bei den Arzneistoff-Herstellern – einzutreiben. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht die Hersteller diese Stoffe ins Wasser einbringen, sondern die Anwender; und die tun es nur, weil sie auf Medikamente angewiesen sind.

Und unabhängig davon, ob man nur auf Arzneistoffe oder aber auf alle Spurenstoffe abhebt: Es kann nicht gelingen, die vielen Mikroverunreinigungen konkret ihren jeweiligen Produzenten zuzuordnen. Ein Beispiel: Östrogene können von trächtigen Kühen stammen, aber auch von schwangeren Frauen, von Anwenderinnen der „Pille“ und in kleinerem Maße von jedem Einwohner, weil sie zu den natürlichen menschlichen Ausscheidungsprodukten (auch von Männern) gehören.

Konfrontiert mit der gleichen Problemstellung hat sich die Bevölkerung in der Schweiz schon 2013 in einer Volksabstimmung dafür entschieden, die Kosten für die Nachrüstung von Kläranlagen bei den Einwohnern zu erheben, statt auf einem Abgabensystem für potenziell schädliche Produkte zu beharren und mangels Durchführbarkeit praktisch keine Abgaben eintreiben zu können. Die Schweizer kostet das für die Nachrüstung der größten Klärwerke seither gerade einmal 9 CHF pro Einwohner und Jahr.

Policy Paper zu Spurenstoffen im Wasser

Die letzte Bundesregierung arbeitete mit Akteuren an einer Fortentwicklung des Wasserschutzes, um eine Basis für vorsorgliche Maßnahmen zu schaffen. Die Pharmaverbände haben an der Erarbeitung dieses Policy Papers zum Gewässerschutz mitgewirkt, neben Akteuren wie dem Umwelt-Bundesamt, dem Bund Umwelt und Naturschutz (BUND), den Wasserwerken, den kommunalen Unternehmen, und weiteren Wirtschaftsverbänden. Es wurde im Juni 2017 als Policy Paper „Empfehlungen des Stakeholder-Dialogs »SPURENSTOFFSTRATEGIE DES BUNDES« an die Politik zur Reduktion von Spurenstoffeinträgen in die Gewässer“ verabschiedet und liegt nun für eine Weiterführung des Themas in der aktuellen Legislaturperiode bereit.

Selbst zum Gewässerschutz beitragen

Jeder kann dazu beitragen, die Menge an Arzneistoffen in der Umwelt zu minimieren. Wichtig dafür: Übriggebliebene Medikamente – auch flüssige – nicht über Toilette oder Waschbecken entsorgen, sondern über den Hausmüll; denn der wird verbrannt. Ausnahme: Ein paar besondere Medikamenten (darunter Zytostatika-Tabletten für die Krebstherapie) müssen anders entsorgt werden – wie, steht in der Packungsbeilage.

Zur Minimierung der Arzneistoffe in der Umwelt trägt auch eine gesundheitsbewusste Lebensweise bei, ebenso wie Impfungen, durch die weniger Antibiotika oder Virustatika benötigt werden.


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