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Gewässerschutz

Von Arzneistoffen, die in Gewässer gelangt sind, gehen in Deutschland bislang keine Umweltprobleme aus. Und mit der voraussichtlich aus anderen Gründen (nämlich zur Entfernung prioritärer Stoffe gemäß EU-Wasser-Rahmenrichtlinie) erforderlichen Erweiterung der Klärtechnik um eine weitere Reinigungsstufe könnten auch verbliebene Arzneistoffe aus dem Abwasser entfernt werden, ehe sie andere Gewässer erreichen.

Mit neuester Klärtechnik können auch Spurenstoffe weitgehend aus dem Abwasser entfernt werden.

Von Arzneistoffen, die in Gewässer gelangt sind, gehen in Deutschland bislang keine Umweltprobleme aus. Und mit der voraussichtlich aus anderen Gründen (nämlich zur Entfernung prioritärer Stoffe gemäß EU-Wasser-Rahmenrichtlinie) erforderlichen Erweiterung der Klärtechnik um eine weitere Reinigungsstufe könnten auch verbliebene Arzneistoffe aus dem Abwasser entfernt werden, ehe sie andere Gewässer erreichen.

Wasseranalysen

Sauberes Wasser in der Natur ist wichtig für die Erhaltung der Ökosysteme und die Gesunderhaltung der Menschen, die die Gewässer nutzen. Deshalb ist Gewässerschutz eine wichtige Aufgabe und die Prüfung aller Substanzen, die im Wasser gefunden werden, auf mögliche Umweltauswirkungen sinnvoll.

In vielen Fällen hat es überhaupt erst die Verfeinerung der Analyse-Techniken in den letzten Jahren möglich gemacht, bestimmte Spurenstoffe im Oberflächenwasser nachzuweisen. Arzneistoffe sind darunter, aber auch Substanzen aus Textilien, Kosmetika, Sonnenschutz, Waschmitteln, Landwirtschaft (z.B. Nitrat) und Lebensmitteln. Oftmals ist die Herkunft dieser Stoffe nicht eindeutig festzustellen; sie könnten aus verschiedenen Quellen stammen.

Arzneistoffe können auf verschiedene Weise in Gewässer gelangen:

  1. durch Ausscheidungen von medikamentös behandelten Menschen und Tieren, die über das Abwasser trotz Kläranlagen zu einem gewissen Prozentsatz die Gewässer erreichen;
  2. durch Ausscheidungen von medikamentös behandelten Tieren, die oft ungeklärt in die Gewässer gelangen.
  3. durch falsche Entsorgung unbenutzter Arzneimittel über Waschbecken/Toilette, wodurch sie wiederum über Abwasser und Kläranlagen die Gewässer erreichen.

Um den Eintrag über den dritten Weg zu verringern, unterstützt die Pharmaindustrie die Kommunen dabei, die Bevölkerung über die richtige Entsorgung (über den Hausmüll, nicht über Waschbecken oder Toilette) aufzuklären (#medsdisposal). Mehr dazu im Textkasten „Selbst zum Gewässerschutz beitragen“.

Aber schon heute sind bei den Arzneistoffen die Konzentrationen fast immer verschwindend gering und bewegen sich unterhalb von 1 Mikrogramm pro Liter. Das entspricht einem Zuckerwürfel im Wasser eines Wettkampf-Schwimmbeckens (2,5 Millionen Liter). Solche Arzneistoffkonzentrationen liegen meist unterhalb eines Millionstels der für den Menschen wirksamen Dosis.

Arzneimittel: geprüfte Umweltverträglichkeit

Seit 1995 wird bei Zulassungsverfahren für Humanarzneimittel das Umweltrisiko bewertet. Deshalb weiß man, dass nur ein kleiner Teil der Arzneistoffe überhaupt Auswirkungen auf die Umwelt haben könnten. Wenn ein potenzielles Umweltrisiko erkannt wird, wird mit geeigneten Maßnahmen reagiert. So entwickelte beispielsweise ein Hersteller ein Rücknahmesystem für gebrauchte Hormonpflaster, die dann fachgerecht entsorgt werden.

Das Zulassungsverfahren weiterzuentwickeln sowie Daten für ältere Arzneistoffe zu gewinnen, sind Ziele der „Eco-Pharmaco-Stewardship“-Initiative der europäischen Pharmaindustrie, die 2015 begonnen wurde.

Auch an der geforderten Minimierung des Eintrags von Arzneistoffen in die Umwelt wirken die forschenden Pharma-Unternehmen in vielfältiger Weise mit. Dazu entwickeln sie z. B. Retard-Tabletten, Wirkstoffpflaster und Wirkstoff-abgebende Implantate, die mit geringeren Wirkstoffmengen als gewöhnliche Tabletten auskommen. Neue Impfstoffe schützen vor Infektionen, die andernfalls medikamentös behandelt werden müssten. Immer mehr neue Medikamente haben Protein-basierte Wirkstoffe wie beispielsweise Antikörper, die gut biologisch abbaubar sind. Werden sie vermehrt verordnet, verändert das die Umweltsituation nicht.

Versuche, zugelassene Wirkstoffe durch chemische Abwandlung noch leichter abbaubar zu machen, führten bisher stets zu Stoffen, die weitaus schlechter wirksam waren. Das ist nicht verwunderlich, müssen Wirkstoffe doch auch im Körper lange genug intakt bleiben, um ihre Wirkung entfalten zu können. Patienten benötigen jedoch die wirksamsten und verträglichsten Medikamente, die sich entwickeln lassen.

Abwasserreinigung und ihre Finanzierung

Mit neuester Klärtechnik (Ozonierung, Aktivkohle-Filterung) lässt sich ein Großteil der nach herkömmlicher Klärung verbliebenen Spurenstoffe aus dem Abwasser entfernen; und einige deutsche Kommunen setzen diese Technik bereits ein. Weitere haben angekündigt, ebenfalls nachzurüsten.

Nicht nachvollziehbar ist die verschiedentlich geäußerte Idee, die Kosten hierfür bei Pharma-Unternehmen einzutreiben. Denn Medikamente zur Linderung, Heilung und Prävention von Krankheiten gehören zu den Grundbedürfnissen der Bevölkerung. Deshalb ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der Anwendung ins Abwasser gelangte Arzneistoffspuren wieder daraus zu entfernen, wenn sie Probleme verursachen. Folglich sollte sie auch gesamtgesellschaftlich finanziert werden.

Die Debatte um eine mögliche Abwasserabgabe ist zu diesem Zeitpunkt umso bedauerlicher, weil sich alle Akteure aus chemischer Industrie (Pharma-, Wasch- und Reinigungsmittel sowie weiteren Industriebranchen) in einem Dialogprozess – geführt vom Bundesumweltministerium – um die Entwicklung einer ganzheitliche Spurenstoffstrategie bemühen, die auch freiwillige Maßnahmen der Hersteller einschließen soll. Wenn aber die Finanzierung einer vierten Reinigungsstufe auf Kosten der Pharmaindustrie als alleinige Lösung propagiert wird, wird dieser Dialogprozess ad absurdum geführt.

Erschwerend kommt hinzu: Unabhängig davon, ob es nur um Arzneistoffe oder aber um alle Spurenstoffe im Abwasser geht, kann es nicht gelingen, sie alle ihren jeweiligen Erzeugern zuzuordnen. Ein Beispiel: Östrogene können von trächtigen Kühen und anderem Vieh stammen, aber auch von schwangeren Frauen und in kleinerem Maße von jedem Einwohner, weil sie zu den natürlichen menschlichen Ausscheidungsprodukten (auch von Männern) gehören.

Konfrontiert mit der gleichen Problemstellung hat sich die Bevölkerung in der Schweiz schon 2013 in einer Volksabstimmung dafür entschieden, die Kosten für die Nachrüstung von Kläranlagen bei den Einwohnern zu erheben, statt auf einem Abgabensystem für potenziell schädliche Produkte zu beharren und mangels Durchführbarkeit praktisch keine Abgaben eintreiben zu können. Die Schweizer kostet das für die Nachrüstung der größten Klärwerke seither gerade einmal 9 CHF pro Einwohner und Jahr.

Policy Paper zu Spurenstoffen im Wasser

Der vfa und dessen Mitgliedsfirmen beteiligen sich auf europäischer Ebene aktiv an der Umsetzung des Eco-Pharmaco-Stewardship-Konzepts, mit dem Daten zu älteren Arzneistoffen gesammelt und ausgewertet, Wege zur Anpassung der Zulassungsverfahren für Humanarzneimittel entwickelt und Guidelines zur Abwasserbehandlung veröffentlicht werden. Weltweit haben europäische Pharmafirmen zusammen mit einigen Wirkstofflieferanten die AMR-Alliance gegründet, die Maßnahmen zur Verminderung von Antibiotikaeinträgen weltweit ergreifen. In Deutschland beteiligt sich der vfa seit Jahren an vielen Diskussionen und am Spurenstoffdialog der Bundesregierung (s.u.). Ganz konkret geht es dabei um Maßnahmen, mit denen man den Spurenstoffeintrag vermindert und gleichzeitig gewährleistet, dass Patienten weiterhin die für sie am besten geeigneten Arzneimittel zur Verfügung haben.

Die letzte Bundesregierung arbeitete mit Akteuren an einer Fortentwicklung des Wasserschutzes, um eine Basis für vorsorgliche Maßnahmen zu schaffen. Die Pharmaverbände haben an der Erarbeitung dieses Policy Papers zum Gewässerschutz mitgewirkt, neben Akteuren wie dem Umwelt-Bundesamt, dem Bund Umwelt und Naturschutz (BUND), den Wasserwerken, den kommunalen Unternehmen, und weiteren Wirtschaftsverbänden. Es wurde im Juni 2017 als Policy Paper „Empfehlungen des Stakeholder-Dialogs »SPURENSTOFFSTRATEGIE DES BUNDES« an die Politik zur Reduktion von Spurenstoffeinträgen in die Gewässer“ verabschiedet und liegt nun für eine Weiterführung des Themas in der aktuellen Legislaturperiode bereit.

Weitere Informationen: