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Neue Medikamente: Was 2026 kommen könnte

  • Unsicherheiten prägen das Umfeld für Neueinführungen
  • Rund ein Drittel der neuen Medikamente könnte Krebskranken zugutekommen
  • Für Patientinnen und Patienten mit genetisch bedingten Erkrankungen könnten weitere Arzneimittel eingeführt werden

Heute gibt der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) einen Ausblick auf den medizinischen Fortschritt durch neue Medikamente, der möglicherweise 2026 Deutschland erreicht – mit allen Unsicherheiten einer solchen Prognose.

Han Steutel, der Präsident des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), sagt heute mit Blick auf 2026: „Selten war es so schwierig einzuschätzen, welche und wie viele neue Medikamente im neuen Jahr in Deutschland tatsächlich verfügbar werden. Denn alle Unternehmen, die über eine Markteinführung zu entscheiden haben, stehen unter erheblichem Druck: Hohe gesetzlich geforderte Rabatte in Deutschland, der „Most Favored Nation“-Preisansatz der US-Regierung und weitere Unsicherheiten prägen das Umfeld.“

Steutel weiter: „Dabei könnten forschende Pharmaunternehmen weitere wichtige Beiträge zu einer besseren Medizin leisten. In Deutschland droht sich jedoch die Innovationslücke – der Rückstand des deutschen Arzneimittelangebots gegenüber dem der USA – weiter zu vergrößern, zum Nachteil betroffener Patientinnen und Patienten. Dieser Zusammenhang sollte bei gesundheits- und forschungspolitischen Entscheidungen nicht ausgeblendet werden.“

Für zahlreiche Medikamente mit neuem Wirkstoff käme eine Markteinführung grundsätzlich in Betracht: Für 14 Arzneimittel (einschließlich Impfstoffen) hat die EU-Arzneimittelbehörde EMA in den letzten Wochen eine Zulassungsempfehlung ausgesprochen, worauf in der Regel auch die formelle Zulassung durch die EU-Kommission folgt. Bei mehr als 30 weiteren ist das EU-Zulassungsverfahren schon so weit fortgeschritten, dass über sie wahrscheinlich noch 2026 entschieden wird. Vor allem aber steht allein seit 2022 für mehr als zwei Dutzend Medikamente mit neuem Wirkstoff trotz EU-Zulassung eine Ausbietung in Deutschland noch aus. Das zeigt eine Auswertung des vfa zu den aktuellen Zulassungsverfahren und den Zulassungen der letzten Jahre.

Krebserkrankungen

Sollte ein Großteil der möglichen Markteinführungen erfolgen, könnte rund ein Drittel der neuen Medikamente Menschen mit unterschiedlichen Krebsarten zugutekommen. So könnten jeweils bis zu drei neue Medikamente gegen Kleinzelliges Lungenkarzinom, Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom und Blasenkrebs verfügbar werden, zwei gegen Brustkrebs und andere Mittel unter anderem gegen Eierstock- und Eileiterkrebs, Gallengang-Karzinom, verschiedene Sarkome, bestimmte Hirntumore und Multiples Myelom.

Die Medikamente gehören zu unterschiedlichen Arzneimittelklassen: Unter ihnen gibt es Kinasehemmer, mehrere Checkpoint-Inhibitoren, ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, ein CAR-T-Zell-Therapeutikum und zwei bispezifische Antikörper. Einer von ihnen sorgt dafür, dass Zellen des Kleinzelligen Lungenkarzinoms mit zytotoxischen T-Zellen verbunden und von diesen zerstört werden, wenn sie das Protein DLL3 auf ihrer Oberfläche tragen.

Diabetes Typ 1

Bislang kann Diabetes Typ 1 ausschließlich mit Insulinen behandelt werden – mit einer Insulinpumpe oder durch Injektionen. Nun könnte auch ein Medikament verfügbar werden, mit dem sich Studien zufolge der Übergang dieser Krankheit ins symptomatische Stadium um durchschnittlich zwei Jahre hinauszögern lässt. Dazu muss die Krankheit allerdings rechtzeitig erkannt werden.

Infektionskrankheiten

Unter den Impfstoffen, für die eine Markteinführung in Betracht kommen könnte, findet sich unter anderem der erste Kombinationsimpfstoff gegen saisonale Grippe und Covid-19 zugleich; er basiert auf mRNA-Technologie. Auch reine Grippeimpfstoffe auf mRNA-Basis werden derzeit von verschiedenen Pharmaunternehmen entwickelt, für sie wurde aber noch keine EU-Zulassung beantragt.

Jeweils ein Medikament könnte zur Therapie von Covid-19 im Frühstadium bzw. bei einem schweren Verlauf mit Atemnot herauskommen.

Eine Einführung neuer Antibiotika ist hingegen 2026 unwahrscheinlich. Denn nach wie vor sind die Marktkonditionen für Reserveantibiotika recht prohibitiv. Die Entscheidung der EU, die Entwicklung bestimmter resistenzbrechender Antibiotika durch das neue Instrument der übertragbaren Exklusivitätsverlängerung zu fördern, ist ein Beitrag zur Verbesserung, kann aber nur mit Zeitverzug wirksam werden, und das auch nur dann, wenn noch weitere Rahmenbedingungen für Antibiotika geeignet verändert werden. Derzeit befinden sich keine neuen Antibiotika im EU-Zulassungsverfahren; wenn überhaupt, könnte also nur ein bislang hierzulande unvermarktetes Antibiotikum ausgeboten werden.

Angeborene Gendefekte

Knapp ein Drittel der Medikamente, die für eine Neueinführung 2026 in Betracht kommen, hat den europäischen Orphan Drug-Status erhalten und soll Menschen mit seltenen Erkrankungen helfen. Unter diesen sind einige, die sich gegen genetisch bedingte Krankheiten richten: So kommt möglichweise ein Medikament zur Linderung der Krankheit Nieman-Pick Typ C heraus. Diese Stoffwechselkrankheit geht mit einem Abbau im Gehirn einher; die Lebenserwartung ist nicht hoch. Auch zur Therapie von Adrenoleukodystrophie, einer Stoffwechselkrankheit mit zumeist neurologischen Symptomen, könnte ein Medikament verfügbar werden. Ein weiteres Medikament könnte Betroffenen von Thymidin-Kinase-2-Defizienz zugutekommen. Die Erkrankung kann aufgrund von Störungen in den „Zell-Kraftwerken“, den Mitochondrien, zu Muskelschwäche und Atemproblemen führen.

Zur Therapie des Wiskott-Aldrich-Syndroms, einem angeborenen Immundefekt, der bislang nur mit einer Stammzelltransplantation nachhaltig behandelt werden kann, könnte eine Gentherapie verfügbar werden. Weitere Gentherapien dürften dann erst wieder ab 2027 dazukommen.

Andere Erkrankungen

Noch für viele andere Patientinnen und Patienten könnte es 2026 Neueinführungen geben, beispielsweise solche mit Lungenfibrose, Wechseljahresbeschwerden, Hypercholesterinämie, Akne oder primärer sklerosierender Cholangitis.

Disclaimer

Diese Pressemitteilung enthält in die Zukunft gerichtete Aussagen, die auf laufenden und abgeschlossenen Zulassungsverfahren für neue Medikamente beruhen. Doch weder Dauer und Ausgang der klinischen Studien und Zulassungsverfahren noch die Termine kommender Markteinführungen lassen sich verbindlich angeben. Auch andere bekannte wie auch unbekannte Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass der tatsächliche Fortgang der Ereignisse wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweicht. Der vfa und seine Mitgliedsunternehmen übernehmen keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen. Die Angaben erheben auch für keinen Zeitpunkt den Anspruch auf Vollständigkeit.

Weitere Informationen


Der vfa ist der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 50 weltweit führenden Herstellern und ihren rund 90 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des vfa stehen für mehr als die Hälfte des deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland rund 100.000 Mitarbeiter:innen.
Rund 20.000 davon arbeiten in Forschung und Entwicklung.

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