Berlin (VFA). Zwei Antibiotika sind von forschenden Pharmaunternehmen neu auf den Markt gebracht worden. Damit haben Ärzte in Deutschland zwei weitere Möglichkeiten, Antibiotika einzusetzen, gegen die noch kein Krankheitserreger Resistenzen aufgebaut hat; und in den nächsten drei Jahren soll sich das Angebot noch um vier weitere solche Präparate erweitern.

Antibiotika - Medikamente gegen Bakterien - zählen zu den größten Errungenschaften der Medizin. Zahlreiche bakterielle Infektionskrankheiten wie Wundinfektionen, Lungen-, Hirnhaut- und Nierenbeckenentzündung haben erst durch sie ihren Schrecken verloren. Doch immer wieder sind Patienten und Ärzte mit Keimen konfrontiert, die neue Widerstandskräfte gegen ein oder mehrere dieser Präparate entwickelt haben - so genannte Resistenzen. Dann müssen Ärzte auf andere Antibiotika ausweichen.

"Die Entwicklung neuer Antibiotika ist Teil der Verantwortung, die die forschenden Pharmaunternehmen für die medizinische Versorgung wahrnehmen", erklärte dazu Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA). "So stellen sie sicher, dass den Ärzten weiterhin genügend Behandlungsalternativen bleiben." (Dazu steht eine Grafik unter
https://www.vfa.de/pm20060810 zur Verfügung)


Auch für die Zukunft arbeiten die Unternehmen an neuen Antibiotika. So dürfte in den nächsten Jahren der erste Vertreter der Pleuromutiline in die Humanmedizin eingeführt werden. Sein Grundstoff wird wie beim Penicillin aus Pilzen gewonnen - was zeigt, dass auch heute noch niedere Organismen neben dem chemischen Labor eine wichtige Quelle für antibakterielle Wirkstoffe sind.

Doch genauso lohnend wie die Erfindung neuartiger Präparate - und wissenschaftlich ebenso anspruchsvoll - ist es, bewährte Klassen von Antibiotika für die Medizin zu retten. Dazu studieren die Arzneimittelforscher, wie sich resistente Bakterien gegen ein früher noch zuverlässig wirksames Antibiotikum wehren. Dann verändern sie die Wirksubstanz darin gezielt so, dass sie den Widerstand unterläuft und die Erreger wieder attackiert. Zwei der bis 2009 kommenden Antibiotika dürften Resistenzbrecher dieser Art sein.

Verstärkt richten Pharmaforscher ihr Augenmerk auch auf Tuberkulose. Diese Krankheit ist zwar mit vorhandenen Präparaten heilbar, doch dauert das mindestens sechs Monate und ist mit belastenden Nebenwirkungen verbunden. Deshalb arbeiten forschende Pharmaunternehmen vermehrt an neuen Antibiotika gegen Tuberkulose, meist in Abstimmung mit der Organisation TB Alliance (www.tballiance.org). Zusätzlich prüfen sie, welche gegen andere Krankheiten bereits zugelassenen Präparate auch bei Tuberkulose wirken. So wird derzeit ein Fluorchinolon-Antibiotikum von seinem Hersteller in Zusammenarbeit mit der TB Alliance getestet; auch hier könnten Ergebnisse schon binnen der nächsten drei Jahre vorliegen.

"Neben der Entwicklung neuer Antibiotika, für die sich die forschenden Pharmaunternehmen verantwortlich zeichnen, ist auch der verantwortungsvolle Umgang mit den vorhanden Präparaten wichtig, vor allem die gezielte Verschreibung und die sorgfältige Einnahme der gesamten verordneten Tablettenzahl", so Yzer. "Denn nur so kann die Entstehung von Resistenzen hinausgezögert werden und die Medizin den Erregern weiterhin die entscheidenden Schritte voraus bleiben!"

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (VFA) ist der Wirtschaftsverband der forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 41 weltweit führenden Herstellern und ihren über 100 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des VFA repräsentieren rund zwei Drittel des gesamten deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland rund 86.000 Mitarbeiter, darunter 15.300 in Forschung und Entwicklung.



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