• Krankenkassen reden Innovationen systematisch klein
  • Ampelsystem taugt nicht zur Therapiebewertung
  • Arzneimittel gegen seltene Erkrankungen werden besonders dringend gebraucht


Berlin (vfa). "Krankenkassen versuchen mit allen Mitteln Innovationen klein zu reden. Das ist unverantwortlich", sagt Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des vfa mit Blick auf einen neuen Report der Techniker Krankenkasse.

Der vfa kritisiert, dass der Report zu stark auf Kosten fokussiert und den Nutzen neuer Arzneimittel ignoriert. Die Ausgaben sind mit Blick auf den medizinischen Fortschritt gerechtfertigt und bleiben unter Kontrolle.

"Jedes Jahr hören wir von den Kassen, dass es angeblich nichts wirklich Neues in der Arzneimitteltherapie gibt. Doch wer über mehrere Jahre hinschaut, sieht sehr relevante Therapiefortschritte, die für Patienten längeres Überleben und oft eine Rückkehr in ihren gewohnten Alltag bedeuten. Dazu passt das Lamentieren der Kassen nicht. Das Missachten des medizinischen Fortschritts hat System", so Fischer weiter.

Im Report der Techniker Krankenkasse fällt unter den Tisch, dass im Laufe der Jahre durch eine Vielzahl neuer Medikamente großer medizinischer Fortschritt entsteht, einfach durch die Summe ihrer therapeutischen Verbesserungen: Deshalb steigen zum Beispiel die Überlebensraten bei vielen Krebsarten in den letzten Jahren deutlich an: So verhält es sich bei Darmkrebs, Nierenkrebs, Prostatakrebs und schwarzem Hautkrebs.

"Wir werden derzeit Zeuge großer medizinischer Fortschritte. Im Report der Techniker Krankenkasse sucht man diesen therapeutischen Fortschritt aber vergebens. Das liegt an der Methodik des Reports. Die Innovationszyklen durch mehrere neue aufeinander folgende Medikamente werden nicht erfasst. Von einem echten Innovationsreport ist zu erwarten, dass therapeutischer Fortschritt durch Arzneimittel angemessen erfasst wird", so Fischers Fazit.

Das Thema der Bewertung von Innovationen wird auch in der nächsten Legislaturperiode eine wichtige Rolle spielen. Dann wollen die Krankenkassen Ärzte über Arzneimittel informieren. Wie gefährlich falsche Informationsmethoden sind, zeigt die Ampel der Techniker Krankenkasse. Sie hat immer wieder Medikamente auf rot gestellt, die Ärzte in der Praxis für ihre Patienten für hoch relevant halten und die die Fachgesellschaften in ihre Behandlungsleitlinien längst aufgenommen haben.

Zur Diskussion um Orphan Drugs

Patienten, Ärzte, Politik und Unternehmen sind sich einig: Das Therapierepertoire gegen seltene Erkrankungen muss wachsen. Dabei unterliegen sogenannte Orphan Drugs in der Arzneimittelzulassung strengen Sicherheitsüberprüfungen, wie jedes andere Medikament auch. Sie müssen - anders als andere Arzneimittel - auch ihren Zusatznutzen bei der Zulassung belegen, der dann in der frühen Nutzenbewertung berücksichtigt wird.

"Mit der Regelung zu Orphan Drugs hat die Politik auf Forderungen von Patienten und Ärzten reagiert. Es ist befremdlich, dass ausgerechnet die Techniker Krankenkasse diejenigen Patienten alleine lassen will, die es im therapeutischen Alltag in Ermangelung von Alternativen besonders schwer haben", sagt Birgit Fischer.

Weitere Informationen

zu Arzneimittelzulassungen mit Auflagen:
www.vfa.de/conditional-approval

zu Orphan Drugs: www.vfa.de/orphandrugs

Der vfa ist der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 42 weltweit führenden Herstellern und ihren über 100 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des vfa repräsentieren rund zwei Drittel des gesamten deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland mehr als 78.000 Mitarbeiter. Mehr als 16.000 davon arbeiten in Forschung und Entwicklung. Folgen Sie uns auf Twitter: www.twitter.com/vfapharma