• Neue Untersuchung von US-Medizinern zu Entwicklungskosten für Krebsmedikamente ist fehlerhaft
  • Die Stichprobe ist nicht repräsentativ
  • Ein wesentlicher Kostenblock wird nicht berücksichtigt


Berlin (vfa). Die US-Mediziner Vinay Prasad und Sham Mailankody aus Kliniken in Portland und New York haben in einer aktuellen Untersuchung die durchschnittlichen Forschungs- und Entwicklungskosten für Krebsmedikamente zu niedrig berechnet (JAMA Intern Med doi:10.1001/jamainternmed.2017.3601, online publiziert am 11.09.2017). Das zeigt sich an methodischen Mängeln ihrer Arbeit: Ihre Untersuchung gründen die Autoren auf einer Stichprobe von nur zehn Start-Up-Pharma-Unternehmen. Deren Krebsmedikamente waren nicht repräsentativ: Neun von zehn wurden gegen seltene Krebsarten entwickelt, für deren Erprobung weit weniger Studienteilnehmer erforderlich sind als bei Medikamenten gegen häufige Krebsarten, was die Kosten vor der Zulassung niedriger hält.

Vor allem aber rechnen die Autoren fast nur Kosten ein, die nach der Erfindung der jeweiligen Wirkstoffe angefallen sind; die Ausgaben für die Jahre dauernde Erarbeitung eines neuen Wirkstoffs (aufbauend auf den Erkenntnissen der Grundlagenforschung) unterschlagen sie weitgehend. Aus anderen Studien geht hervor, dass man für diesen Abschnitt noch mal mehrere hundert Millionen US-Dollar aufschlagen muss (beispielsweise durchschnittlich 674 Mio. US-Dollar laut SM Paul et al.; How to improve R&D productivity: the pharmaceutical industry's grand challenge; Nature online; 2010 doi:10.1038/nrd3078; S. 203 - 214).

Dazu sagt Dr. Siegfried Throm, Geschäftsführer Forschung/Entwicklung/Innovation des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa): "Die Untersuchung von Prasad und Mailankody, die bedeutende Kostenpositionen nicht berücksichtigt und eine untaugliche Stichprobe verwendet, ist kein seriöser Beitrag zur Diskussion über Forschungs- und Entwicklungskosten von Krebsmedikamenten."

Der vfa ist der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 42 weltweit führenden Herstellern und ihren über 100 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des vfa repräsentieren rund zwei Drittel des gesamten deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland mehr als 78.000 Mitarbeiter. Mehr als 16.000 davon arbeiten in Forschung und Entwicklung. Folgen Sie uns auf Twitter: www.twitter.com/vfapharma