Berlin (VFA). "Wer vor der Aufgabe steht, unser Gesundheitssystem auf die Herausforderungen des demografischen Wandels und des medizinischen Fortschritts auszurichten, kommt an den Erkenntnissen der Versorgungsforschung nicht vorbei. Umso bedauerlicher ist es, dass diese Disziplin im internationalen Vergleich in Deutschland ein Schattendasein führt", erklärte Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), auf dem heutigen IKK-Forum "Medizin zwischen Ethik und Ökonomie".

"Zahlen aus Großbritannien oder den USA, wo man in diesem Bereich schon viel weiter ist, belegen, wie gerade der frühzeitige und verstärkte Einsatz innovativer Medikamente zur Kostensenkung beitragen kann." In Deutschland werde dagegen nach wie vor nach dem Motto gehandelt: Sparen an, statt Sparen durch Arzneimittel. Das Ergebnis sei inzwischen eine erhebliche Unterversorgung auf breiter Front. Versorgungsforschung könne die Defizite sektoraler gesundheitspolitischer Maßnahmen überwinden helfen. "Ärztliche Therapiehoheit darf nicht einer starren Kriterienmedizin geopfert werden. Zur Optimierung der Versorgung brauchen wir einen breiten methodischen Ansatz, denn Versorgungswirklichkeit lässt sich nicht im experimentellen Studiendesign abbilden", so Yzer weiter. "Training auf dem Laufband ist gut, aber mit einen Querfeldeinlauf nicht zu vergleichen."

Auf die Notwendigkeit einer intensiveren Versorgungsforschung in Deutschland hätten Deutscher Ärztetag, Sachverständigenrat, aber auch die Industrie bereits mehrfach hingewiesen. Es sei allerdings nicht davon auszugehen, dass sich diese Lücke allein mit dem neuen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen schließen lasse, so Yzer. "Das breite Aufgabenspektrum des Instituts, das von Pflegestandards über die Bewertung von Therapieleitlinien und die Patienteninformation bis zur Bewertung von Arzneimitteln reicht, sollte aber dazu genutzt werden, sektorales Denken und Handeln abzulösen durch die Betrachtung von Gesamtbehandlungsabläufen." Außerdem dürfe die Versorgungsforschung nicht in den Händen einer zentralen Institution liegen. Auch künftig müssten medizinische Forschungsgesellschaften und universitäre Einrichtungen Anreize bekommen, sich in die Versorgungsforschung einzubringen. Auch die Industrie werde ihren Beitrag leisten.

Nachdem die Versorgungsforschung in Deutschland lange vernachlässigt worden sei, werde sie nun vielfach mit Erwartungen überfrachtet, die sie nicht erfüllen könne. Ihre Aufgabe sei es, eine stark fachorientierte Bewertungsbasis für eine zukunftsorientierte Gesundheitspolitik zu liefern, die sich vermehrt an qualitativen Kriterien und vor allem an den Bedürfnissen der Patienten orientieren müsse. Sie könne politische Entscheidungsprozesse damit entlasten, aber nicht an ihre Stelle treten. "Damit werden die Probleme unseres Gesundheitssystems nicht gelöst. Aber im Interesse valider Entscheidungsgrundlagen wäre viel erreicht."

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (VFA) ist der Wirtschaftsverband der forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 39 weltweit führenden Herstellern und ihren fast 100 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des VFA repräsentieren rund zwei Drittel des gesamten deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland rund 85.000 Mitarbeiter, darunter 14.500 in Forschung und Entwicklung.