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Unterversorgung verursacht Milliardenschäden

Berlin (VFA). Das Institut für Empirische Gesundheitsökonomie wurde vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (VFA) beauftragt, ein Gutachten zu den Kosten der Unterversorgung in Deutschland anhand von fünf examplarischen Indikationen zu erstellen. Die Ergebnisse: Millionen deutscher Patienten sind von einer eklatanten Unterversorgung mit Arzneimitteln betroffen, die daraus resultierenden Schäden gehen in die Milliarden.

Ein Beispiel aus der Studie: Die Gesamtkosten der Unterversorgung für die Depression betragen 17,9 Mrd. Euro pro Jahr. Durch eine fehlende antidepressive Therapie entstehen geschätzte direkte Kosten von 6,2 Mrd. Euro pro Jahr (z.B. erhöhte Behandlungskosten durch späten Therapiebeginn). Die indirekten Kosten wie krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeitstage oder Erwerbsunfähigkeit übersteigen mit 11,7 Mrd. Euro sogar noch wesentlich die direkten. Die Gesamtkosten der Unterversorgung bei rheumatoider Arthritis betragen 6,8 Mrd. Euro im Jahr, wobei die direkten Kosten bei 1,5 Mrd. Euro und die indirekten Kosten bei 5,2 Mrd. Euro liegen. Bei Osteoporose sind über ein Zehnjahreszeitraum Gesamtkosten der Unterversorgung in Höhe von 3,59 Mrd. Euro ermittelt worden, wobei die direkten Kosten bei 2,76 Mrd. und die indirekten bei 832,8 Mio. Euro liegen.

Dazu erklärt Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzenimittelhersteller (VFA): "Beim Thema Unterversorgung lässt sich prototypisch ablesen, wie im Gesundheitssystem Geld verschwendet wird, weil falsch gespart wird. Über zahlreiche Restriktionen wird es den Ärzten regelrecht erschwert, innovative Medikamente zu verschreiben. Die Folge sind aber keine Einsparungen, sondern Mehrkosten. Das ist aus Sicht einer gesamtgesellschaftlichen Kostenrechnung eine Form von "rechte Tasche - linke Tasche", die Patienten mit ihrer Gesundheit und die Allgemeinheit mit hohen nachgelagerten Aufwendungen bezahlt. Nur wenn es uns gelingt, gesamtwirtschaftliche Kostenrechnungen zur Kalkulationsgrundlage unseres Gesundheitssystems zu machen, können wir den gigantischen Verschiebebahnhof zwischen eingesparten Akutbehandlungskosten und erhöhten Spätfolgekosten stoppen."

Mit Blick auf die Versorgungsrealität sieht Yzer vier Punkte bei denen Handlungsbedarf besteht:

  • Die Möglichkeiten der Patienteninformation müssen erweitert werden, damit Patienten angemessene Therapien früher und aufgrund ihrer Kenntnisse auch nachhaltiger zugute kommen.
  • Die Ärztefortbildung muss mit Blick auf Therapieneuerungen intensiviert werden, damit Behandlungsschemata in der Praxis schneller aktualisiert werden können.
  • Die Politik muss die gesetzlichen Rahmenvorgaben für die ärztlichen Ausgaben stärker auf den medizinischen Bedarf ausrichten, damit Ärzte nicht zur verkappten Rationierung gezwungen werden.
  • Die Kosten-Nutzenbewertung in Deutschland muss den therapeutischen Nutzen von Medikamenten in ein Verhältnis zu den gesamtgesellschaftlichen Kosten setzen, damit unser Sozialsystem kein Verschiebebahnhof wird.

Die digitale Pressemappe finden Sie unter:
https://www.vfa.de/pk20080219

Hörfunkredaktionen: Zu dieser Pressemitteilung gibt es kostenfrei verwendbare O-Töne, herunterzuladen unter:https://www.vfa.de/o-tonDer Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (VFA) ist der Wirtschaftsverband der forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 44 weltweit führenden Herstellern und ihren über 100 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des VFA repräsentieren rund zwei Drittel des gesamten deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland rund 95.000 Mitarbeiter. 16.500 davon arbeiten in Forschung und Entwicklung. Die Pressekonferenzen des VFA - ab sofort auch im Internet. Mehr dazu unter:https://www.vfa.de/onlinepk