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Zweifelhaftes Bewertungskonzept

Berlin (VFA). "Das IQWIG bewertet Arzneimittel zu sehr aus theoretischer Sicht und verliert den einzelnen Patienten und seine Situation aus den Augen. Statt den Patientennutzen differenziert abzubilden, liefert es in erster Linie Munition für neue Kostendämpfungsmaßnahmen." So kritisierte Dr. Ulrich Vorderwülbecke, Geschäftsführer Marktordnung / Gesundheitssystem des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), die heute veröffentlichte Nutzenbewertung für kurzwirksame Analoginsuline für Typ 2 Diabetes durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

"Die Bewertung der Analoginsuline ist beim IQWiG nach einem restriktiven Konzept erfolgt, das wesentliche Nutzenaspekte und Informationsquellen ausblendet", bemängelte Vorderwülbecke. Nur sieben Promille der Publikationen über die untersuchten Medikamente seien überhaupt berücksichtigt worden. Am problematischsten sei, dass sich das IQWiG allein auf klinische Studiendaten verlassen habe: Sie seien primär auf die Arzneimittelzulassung ausgerichtet, aber nicht auf das viel breitere Gebiet der Nutzenbewertung. Gerade bei einem Therapiegebiet, bei dem der Erfolg entscheidend davon abhängt, dass Patienten mit den Medikamenten gut zurecht kommen und sie sehr konsequent anwenden, seien Patienten- und Ärzteerfahrungen von entscheidender Bedeutung für die Bewertung des wirklichen Nutzens der Medikamente.

Vorderwülbecke weiter: "Es ist richtig und notwendig, nach dem Nutzen von Arzneimitteln zu fragen, auch nach dem Nutzen im Vergleich zu therapeutischen Alternativen. Mit Bewertungsverfahren, die allein auf klinische Daten fixiert sind und den Versorgungsalltag und die praktische Expertise möglichst heraushalten, mag das IQWiG den einen oder anderen erfreuen, den Patienten erweist es damit keinen Dienst." Dafür wäre es nötig, das Bewertungsverfahren des IQWiG weiterzuentwickeln im Sinne von

  • konsistenten, strukturierten Verfahrensabläufen,
  • durchgängiger Transparenz, von der Auftragserteilung bis zum Abschlussbericht,
  • ergebnisoffenen Bewertungsprozessen,
  • dem Heranziehen der besten verfügbaren Evidenz, nicht nur in klinischen Studien,
  • einer Auswertung nach sachgerechten Bewertungskriterien,
  • einem frühzeitigen fachlichen Dialog mit Herstellern, Fachgesellschaften und Patientengruppen.

Vorderwülbecke: "Erst mit einem in diesem Sinne konzipierten Bewertungsverfahren könnten die Fragen der Patienten und Ärzte zur Qualität medizinischer Leistungen tatsächlich beantwortet werden."

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (VFA) ist der Wirtschaftsverband der forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 39 weltweit führenden Herstellern und ihren über 100 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des VFA repräsentieren rund zwei Drittel des gesamten deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland rund 86.000 Mitarbeiter, darunter mehr als 14.500 in Forschung und Entwicklung.



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