Zum 16. Mal fand am 22. Januar 2010 in der Katholischen Akademie in Berlin der vfa-Round-Table für Patientenselbsthilfegruppen statt. Mehr als 120 Patientenvertreter aus Bundes- und Landesorganisationen diskutierten die Frage „Gesundheitspolitik in der nächsten Legislaturperiode: Wo bleiben die Patienten?“.

Cornelia Yzer, vfa-Hauptgeschäftsführerin, ging in ihrem Statement der Frage nach, ob neue Therapien und eine alternde Gesellschaft höhere Kosten für die Patienten bedeuten. Sie wies darauf hin, dass forschende Pharma-Unternehmen ihrer Mitverantwortung, das Gesundheitssystem finanzierbar zu halten, gerecht werden wollen. Zwei Wege zur Preisbildung neuer Arzneimittel seien vorstellbar: zum einen eine transparente Kosten-Nutzen-Bewertung nach internationalen Standards und zum anderen direkte Verträge zwischen Herstellern und Kassen. In beiden Fällen sollte aber die Betrachtung des Behandlungserfolgs im Mittelpunkt stehen. Für den Arzneimittelsektor bedeutet dies, dass alle Regulierungen, die nicht die Sicherheit von Arzneimitteln und der Versorgung betreffen, durch wettbewerbliche und damit patientenfreundliche Regelungen ersetzt werden sollten.

Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit (© vfa)
Die Parlamentarische Staatsekretärin im BMG, Annette Widmann-Mauz, sprach über die Herausforderungen an die Gesundheitspolitik nach der Bundestagswahl. Neben den Fragen der Finanzierung ist für sie die Förderung des Leistungs- und Qualitätswettbewerbs im Gesundheitswesens von großer Bedeutung. Die Bundesregierung wolle die derzeitige Überregulierung im Arzneimittelbereich ändern und prüfen, ob mit dem Ziel von größerer Verhandlungssouveränität Regelungen für Absprachen zwischen Krankenkassen und Pharma-Unternehmen gefunden werden können. Das Gesprächsangebot des vfa hierzu werde die Koalition gerne annehmen. Die frühzeitige Einbindung und der Dialog aller Partner, auch der Patienten, in die Kosten-Nutzen-Bewertung sieht sie als Grundvoraussetzung für ein Gelingen an. Jeder Versicherte solle auch in Zukunft Zugang zu innovativen Arzneimitteln haben. Keine schnellen Vorschaltgesetze, keine Zwangsrabatte, sondern Dialog statt Konfrontation sei das Motto des BMG.

Dr. Martin Danner, BAG-Selbsthilfe (© vfa)
Dr. Martin Danner, Bundesgeschäftsführer der BAG-Selbsthilfe sah in einer patientenorientierten Arzneimittelversorgung eine Herausforderung für die neue Bundesregierung. Er forderte, Forschung, Innovationsziele und Arzneimittelversorgung stärker am Bedarf der Patienten auszurichten und in der Nutzenbewertung die Bedeutung der patientenrelevanten Endpunkte zu berücksichtigen. Eine stärkere Patientenbeteiligung sei hierfür die Voraussetzung.

Leider musste Dr. Doris Pfeiffer, Vorsitzende des Vorstands des GKV-Spitzenverbands, ihre Teilnahme kurzfristig absagen. Ihre Ausführungen zu „Patientenorientierung und Wirtschaftlichkeit – kein Widerspruch“ wären sicherlich interessant gewesen.

Sabine Jansen, Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. (© vfa)
In Statements von Patientenvertretern wurde u.a. von dem stellvertretenden DDB-Bundesvorsitzenden Prof. Dr. v. Lilienfeld-Toal die Arzneimittel-Bewertungen durch das IQWiG scharf kritisiert und eine bessere Umsetzung der bereits bestehenden Regelungen zur Patientenbeteiligung eingefordert. Sabine Jansen, Deutsche Alzheimer Gesellschaft, forderte die Berücksichtigung von patientenrelevanten Endpunkten auch bei den Zulassungsstudien.

Prof. Dr. Doris Schaeffer, Universität Bielefeld (© vfa)
Die Erwartungen an die Gesundheitsversorgung aus Patientensicht fasste Prof. Dr. Doris Schaeffer, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld zusammen. Sie macht deutlich, dass über die Erwartungen von chronisch Kranken an die Versorgung durch das Gesundheitssystem viel zu wenig bekannt ist. Sie plädierte für ein übersichtliches, sektorenübergreifendes Beratungswesen, das die Patienten in den jeweiligen Situationen ihrer Erkrankungen ganzheitlich betreuen kann.

Der vfa wird den Dialog mit Patienten und Politik fortsetzen. Für die Patientenvertreter wird in der nächsten Zeit eine Reihe von Workshops zu vfa-Themen durchgeführt. Der 17. Patienten-Round-Table findet am 24. Spetember 2010 statt.

Die einzelnen Reden, Vorträge und Präsentationen der Veranstaltung finden Sie jeweils als PDF-Download hier:

„2009 – 2013 Neue Therapien, alternde Gesellschaft - höhere Kosten?“ - Rede von Cornelia Yzer, vfa-Hauptgeschäftsführerin

Stellungnahme des Deutschen Diabetiker Bundes

Stellungnahme des PatientenForum e.V.

Stellungnahme der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung

"Erwartungen an die Gesundheitsversorgung aus Patientensicht" - Vortrag von Prof. Doris Schaeffer, Universität Bielefeld

"Erwartungen an die Gesundheitsversorgung aus Patientensicht" - Präsentation von Prof. Doris Schaeffer, Universität Bielefeld

"Patientenorientierte Arzneimittelversorgung – Herausforderungen für die neue Bundesregierung" - Präsentation von Dr. Martin Danner, Bundesgeschäftsführer der BAG SELBSTHILFE

Eine Galerie mit Bildern von der Veranstaltung finden Sie hier.