17. August 2026 EU Safe Hearts Plan: Europas Strategie gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Was ist der EU Safe Hearts Plan?
Der EU Safe Hearts Plan ist eine europäische Strategie zur Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Europäische Kommission hat ihn im Dezember 2025 vorgestellt. Er soll die Mitgliedstaaten dabei unterstützen, Erkrankungen besser vorzubeugen, Risiken früher zu erkennen und Betroffene nachhaltiger zu behandeln.
Der Plan stützt sich auf drei eng miteinander verbundene Bereiche:
- Prävention,
- Früherkennung,
- Versorgung und Behandlung.
Ergänzend sollen digitale Anwendungen, Gesundheitsdaten und künstliche Intelligenz stärker genutzt werden. Dadurch sollen Risiken früher erkannt, Behandlungen gezielter gesteuert und vermeidbare Todesfälle reduziert werden.
Bis 2035 sollen die vorzeitigen Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen gegenüber 2022 um 25 Prozent sinken. Zudem sollen Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte bei der erwachsenen Bevölkerung regelmäßig kontrolliert werden.
Warum ist der EU Safe Hearts Plan für Deutschland wichtig?
Herz-Kreislauf-Erkrankungen belasten nicht nur Patientinnen und Patienten. Sie stellen auch das Gesundheitssystem, die sozialen Sicherungssysteme und die Wirtschaft vor große Herausforderungen.
In Deutschland ist der Handlungsbedarf besonders groß. Der Anteil an übergewichtigen Personen liegt über dem EU Durchschnitt, die vermeidbaren Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegen höher als in anderen westeuropäischen Ländern und die Impfquoten, insbesondere bei Erwachsenen, sind niedrig.
Mit dem demografischen Wandel wächst die Zahl älterer und chronisch erkrankter Menschen. Umso wichtiger ist ein Gesundheitssystem, das Erkrankungen nicht erst behandelt, wenn schwere Folgen eingetreten sind. Prävention, Diagnostik und Therapie müssen früher beginnen und verlässlicher ineinandergreifen.
Der EU Safe Hearts Plan bietet dafür einen politischen Orientierungsrahmen. Er bietet Möglichkeiten bestehende Strukturen zu verbessern und europaweit das Ziel einer besseren Herzgesundheit zu erreichen.
Wie kann Prävention Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern?
Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen lassen sich vermeiden oder in ihrem Verlauf verlangsamen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und Adipositas. Auch Infektionskrankheiten können das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse deutlich erhöhen.
Der EU Safe Hearts Plan setzt deshalb sowohl auf individuelles Gesundheitsverhalten als auch auf gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen. Menschen sollen dabei unterstützt werden, Risiken zu erkennen und gute Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen.
Eine wichtige Rolle spielen Impfungen. Infektionen wie Influenza, COVID-19 oder Gürtelrose können mit einem erhöhten Risiko schwerwiegender Herz-Kreislauf-Ereignisse verbunden sein. Höhere Impfquoten stärken deshalb auch die Herzgesundheit – insebsondere bei älteren Personen..
Deutschland sollte Impfangebote flächendeckend ausbauen. Neben Arztpraxen und Apotheken können Betriebe, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und mobile Impfteams vermehrt dazu beitragen, mehr Menschen zu erreichen.
Ebenso wichtig ist eine verlässliche digitale Übersicht über den Impfstatus. Ein elektronischer Impfpass (eImpfpass) in der elektronischen Patientenakte (ePA) kann Impflücken sichtbar machen und Versicherten sowie medizinischem Personal Orientierung geben. Eine Übersicht ist aber erst der Anfang: Erst mit den vier Kernfunktionen – Erinnerung, Information, Monitoring und Nachweis – hat der eImpfpass das Potenzial, einen echten Mehrwert für die einzelnen Versicherten und die gesamte Gesellschaft zu bieten.
Wie sollen Herz-Kreislauf-Risiken früher erkannt werden?
Viele Risikofaktoren verursachen zunächst keine Beschwerden. Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte oder ein beginnender Diabetes bleiben deshalb häufig zu lange unentdeckt.
Der EU Safe Hearts Plan sieht regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerten vor. Auch genetisch bedingte Risiken wie die familiäre Hypercholesterinämie sollen früher erkannt werden.
Für Deutschland bedeutet das: Vorsorgeangebote müssen systematischer, leichter zugänglich und besser aufeinander abgestimmt werden. Check-up-Untersuchungen sollten relevante Risikomarker erfassen und bei auffälligen Ergebnissen unmittelbar weitere Schritte auslösen.
Auch Apotheken können einen niedrigschwelligen Beitrag zur Früherkennung leisten. Dort lassen sich Menschen erreichen, die andere Vorsorgeangebote bisher nur selten nutzen. Digitale Anwendungen und künstliche Intelligenz können helfen, Risikowerte einzuordnen und Patientinnen und Patienten gezielt an weiterführende Versorgungsangebote zu vermitteln. Die Anbindung an anschließende Versorgungspfade ist für diesen Weg besonders wichtig.
Entscheidend ist: Früherkennung darf nicht bei der Messung enden. Auffällige Ergebnisse müssen dokumentiert, nachverfolgt und in einen verbindlichen Behandlungspfad überführt werden.
Wie müssen Prävention und Behandlung zusammenwirken?
Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen lassen sich Prävention und Therapie nicht klar voneinander trennen. Die wirksame Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas oder Fettstoffwechselstörungen kann Herzinfarkte, Schlaganfälle und weitere Folgeerkrankungen verhindern.
In der Versorgung bestehen jedoch weiterhin deutliche Lücken. Viele Patientinnen und Patienten erreichen medizinisch empfohlene Zielwerte nicht. Zudem funktionieren die Übergänge zwischen Krankenhaus, Arztpraxis, Apotheke, Rehabilitation und Pflege häufig nicht reibungslos.
Deutschland braucht deshalb stärker strukturierte und sektorenübergreifende Behandlungspfade. Disease-Management-Programme können die Versorgung chronisch erkrankter Menschen verbessern. Sie müssen jedoch konsequent und zeitnah in die Versorgung gebracht, regelmäßig aktualisiert und für weitere relevante Erkrankungen erarbeitet werden.
Das betrifft insbesondere Adipositas. Dieses Krankheitsbild ist ein wesentlicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zugleich eine eigenständige chronische Erkrankung. Dennoch ist ihre Behandlung in Deutschland bisher nicht umfassend Teil der Regelversorgung.
Wer Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksam verhindern will, muss Adipositas medizinisch ernst nehmen und eine strukturierte Versorgung ermöglichen.
Welche Rolle spielen Innovationen und die forschende Pharmaindustrie?
Innovative Arzneimittel, Impfstoffe und zielgerichtete Therapien eröffnen neue Möglichkeiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen früher zu behandeln, schwere Ereignisse zu vermeiden und Folgeerkrankungen hinauszuzögern. Die forschende Pharmaindustrie trägt damit wesentlich dazu bei, Prävention und Versorgung wirksamer zu verbinden.
Damit dieser Fortschritt die Patientinnen und Patienten erreicht, braucht Deutschland klare Rahmenbedingungen: innovative Therapien müssen nach der Zulassung schnell verfügbar sein, leitliniengerecht eingesetzt werden und sich an individuellen Zielwerten orientieren.
Medizinischer Fortschritt braucht zudem eine verlässliche Datengrundlage. Gesundheitsdaten müssen für Forschung und Entwicklung sicher und praxisnah nutzbar sein. Sie können Versorgungslücken sichtbar machen, Erkenntnisse über die Wirkung von Therapien im Versorgungsalltag liefern und die Entwicklung neuer Präventions- und Behandlungsansätze unterstützen. Digitale Anwendungen und künstliche Intelligenz helfen dabei, diese Erkenntnisse in eine frühere Risikoerkennung und eine zielgerichtetere Versorgung zu übersetzen.
Der EU Safe Hearts Plan bietet damit die Chance, medizinische Innovation, Gesundheitsdaten und strukturierte Versorgung zu einer gemeinsamen Strategie für mehr Herzgesundheit zu verbinden.
Was muss Deutschland beim EU Safe Hearts Plan umsetzen?
Der EU Safe Hearts Plan bietet Deutschland die Chance, Prävention und Versorgung strukturell weiterzuentwickeln. Aus Sicht des vfa sind insbesondere folgende Schritte notwendig:
- Impfangebote flächendeckend ausbauen,
- den eImpfpass vollständig in die elektronische Patientenakte integrieren,
- regelmäßige und umfassendere Vorsorgeuntersuchungen ermöglichen,
- auffällige Untersuchungsergebnisse verbindlich nachverfolgen,
- digitale Erinnerungs- und Unterstützungsangebote stärken,
- sektorenübergreifende Behandlungspfade ausbauen,
- Disease-Management-Programme schneller und verbindlicher umsetzen,
- Adipositas als chronische Erkrankung in der Regelversorgung behandeln,
- den Zugang zu anonymisierten Versorgungsdaten für Forschung und Entwicklung gewährleisten,
- innovative Therapien schnell in die Versorgung bringen.
Deutschland sollte den europäischen Plan als Anlass sehen, das Präventionsgesetz weiterzuentwickeln und Prävention, Früherkennung und Behandlung besser miteinander zu verbinden.