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Pharmadialog der Bundesregierung: Impulse für den Innovationsstandort Deutschland

Der Pharmadialog der Bundesregierung bringt Politik, Industrie und Wissenschaft zusammen, um die Rahmenbedingungen für Pharma- und Medizintechnik in Deutschland zu verbessern. Sechs Arbeitsgruppen befassen sich mit Versorgung, Innovation, Digitalisierung und Erstattung. Die Ergebnisse sollen in eine nationale Pharma- und Medizintechnikstrategie 2026 einfließen.

Ein Foto zeigt einen jungen Mann im Umgang mit modernen medizinischen Geräten in einer hellen Laborumgebung.

Der Pharma- und Medizintechnikdialog der Bundesregierung

Mit dem Pharma- und Medizintechnikdialog der Bundesregierung kommen zentrale Akteure aus Industrie, Wissenschaft, Selbstverwaltung, Gewerkschaften, Patientenvertretungen und Bundesbehörden zusammen. Ziel ist es, aktuelle Herausforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Forschung und Entwicklung über Produktion bis hin zur Versorgung – gemeinsam zu analysieren und tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Der Dialog geht auf ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag zurück. Darin bekräftigt die Bundesregierung, den Arzneimitteldialog und die Nationale Arzneimittelstrategie fortzusetzen und weiterzuentwickeln. Sie hat sich dabei ehrgeizige Ziele gesetzt: Deutschland soll „zum weltweit innovativsten Standort für Chemie, Pharmazie und Biotechnologie“ werden. Gleichzeitig sollen Versorgungssicherheit gestärkt, Produktionsstandorte für wichtige Medikamente nach Deutschland und Europa zurückgeholt und der industrielle Gesundheitssektor als Leitbranche ausgebaut werden. Auch die Weiterentwicklung des AMNOG mit Blick auf personalisierte Medizin und nachhaltige Finanzierung ist angekündigt.

Auftakt des Pharmadialogs im Kanzleramt

Die Auftaktveranstaltung fand am 12. November im Kanzleramt statt. Beteiligt waren unter anderem die Bundesministerinnen für Gesundheit, Wirtschaft und Forschung sowie der Kanzleramtsminister. Seitdem arbeiten sechs vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzte Arbeitsgruppen an zentralen Themenfeldern.
Der vfa begleitet den Prozess intensiv. Ziel ist es, konkrete Maßnahmen zu entwickeln, die die Rahmenbedingungen für forschende Pharmaunternehmen in Deutschland nachhaltig verbessern. Eine eigene vfa-Projektgruppe informiert regelmäßig über den Stand der Beratungen.
Die Ergebnisse des Dialogs sollen in eine nationale Pharma- und Medizintechnikstrategie einfließen, die im Herbst 2026 im Kabinett beraten werden soll.

Die sechs Arbeitsgruppen des Pharmadialogs im Überblick

Arbeitsgruppe 1: „Versorgung mit patentfreien Arzneimitteln, übergreifende Standortfragen Finanzierung, Versorgungssicherheit, Lieferketten“

Im Fokus stehen die Versorgung mit patentfreien Arzneimitteln, Fragen der Finanzierung, Lieferketten für Medikamente und übergreifende Standortthemen. Angesichts globaler Herausforderungen geht es darum, Produktionsbedingungen zu stärken und Abhängigkeiten zu reduzieren.
Der vfa hat konkrete Vorschläge zum Bürokratieabbau eingebracht und sich unter anderem an Fachgesprächen zu Biosimilars beteiligt. Ziel ist eine effizientere Regulierung, die Versorgungssicherheit stärkt und Unternehmen Planungssicherheit gibt.

Arbeitsgruppe 2: Digitalisierung, Forschung mit Gesundheitsdaten, klinische Forschung, KI

Diese Arbeitsgruppe befasst sich mit der besseren Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung und Entwicklung. Diskutiert werden unter anderem die Umsetzung des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS), die Verbesserung von Datenqualität und Datenverfügbarkeit sowie die Rahmenbedingungen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen.
Für den Innovations- und Forschungsstandort Deutschland ist entscheidend, dass Datenzugang und Datennutzung rechtssicher, effizient und forschungsfreundlich gestaltet werden.

Arbeitsgruppe 3: Nutzenbewertung und EU-HTA

Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung des AMNOG-Verfahrens zur Nutzenbewertung neuer Arzneimittel. Diskutiert werden unter anderem Evidenzanforderungen, Fragen der zweckmäßigen Vergleichstherapie sowie die Verzahnung mit der europäischen Nutzenbewertung (EU-HTA).
Der vfa hat gemeinsam mit anderen Verbänden Stellungnahmen zu Evidenzanforderungen, zur Berücksichtigung des Versorgungsbedarfs und zu Möglichkeiten der Entbürokratisierung eingebracht. Ziel ist ein Bewertungsrahmen für die Nutzenbewertung neuer Arzneimittel, der Innovation ermöglicht und Versorgung realitätsnah abbildet.

Arbeitsgruppe 4: Preisbildung und Erstattung neuer Arzneimittel

In dieser Arbeitsgruppe geht es um die Rahmenbedingungen für die Preisbildung innovativer Arzneimittel im Spannungsfeld internationaler Entwicklungen und der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung.
Der vfa setzt sich für verlässliche und innovationsfreundliche Erstattungsbedingungen ein. Zusätzliche Sparmaßnahmen und pauschale Abschläge werden kritisch gesehen, da sie Investitionsentscheidungen und den Zugang zu Innovationen beeinflussen.

Arbeitsgruppe 5: Biotechnologie und klinische Prüfungen

Biotechnologische Innovationen gelten als Schlüssel für die Medizin von morgen. Diskutiert werden die ökonomischen Potenziale der Life-Sciences-Branche, Zukunftsszenarien für biotechnologische Arzneimittel sowie regulatorische Rahmenbedingungen für Entwicklung, Herstellung und Zulassung.
Deutschland soll als Standort für klinische Prüfungen und biotechnologische Forschung weiter gestärkt werden – durch schnellere Verfahren, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und klare regulatorische Leitplanken.

Arbeitsgruppe 6: Medizintechnik und Medizinprodukte

Diese Arbeitsgruppe widmet sich klinischen Prüfungen und Leistungsstudien von Medizinprodukten sowie der Weiterentwicklung des europäischen Medizinprodukterechts. Auch regulatorische Vorhaben mit Auswirkungen auf Medizinprodukte – etwa Umweltregulierungen wie der PFAS-Beschränkungsvorschlag – werden diskutiert.
Ziel ist es, Innovationsfähigkeit und Patientensicherheit gleichermaßen zu sichern.

Bedeutung des Pharmadialogs für den Standort Deutschland

Mit dem Pharmadialog eröffnet sich die Chance, die strategische Ausrichtung der deutschen Pharma- und Medizintechnik neu zu justieren, und den Standort Deutschland für Pharma und Medizintechnik weiter zu stärken. Entscheidend wird sein, dass aus dem Dialog konkrete, umsetzbare Maßnahmen folgen: weniger Bürokratie, bessere Dateninfrastruktur, innovationsfreundliche Erstattungsregeln und verlässliche Rahmenbedingungen für Forschung, Entwicklung und Produktion.
Der vfa wird den Prozess weiterhin konstruktiv begleiten – mit dem Ziel, Deutschland als führenden Innovations- und Produktionsstandort für Arzneimittel und Biotechnologie nachhaltig zu stärken und die Versorgung der Patientinnen und Patienten langfristig zu sichern.