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30. Januar 2023 Lungenkrebs – NSCLC als häufige Unterform

Lungenkrebs, auch Bronchialkarzinom genannt, gehört zu den sehr häufigen Krebserkrankungen. Betroffene erkranken an verschiedenen Unterformen. In frühen Stadien bleibt die Erkrankung aufgrund von ausbleibender oder diffusiver Symptomatik oftmals unbemerkt.

Mit 52 Erstdiagnosen pro 100.000 Einwohner:innen ist das Lungenkarzinom einer der häufigsten soliden Tumore über beide Geschlechter hinweg. Solide bedeutet, dass sich die bösartigen Tumore zunächst in einem Organ oder Gewebe bilden und nur an diesem Ort wachsen. Grob lässt sich die Tumorerkrankung in kleinzelligen Lungenkrebs (SCLC, small cell lung cancer) und nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC, non small cell lung cancer) einteilen. Die Einteilung erfolgt unter anderem aufgrund des Aussehens und der Zellgröße unter dem Mikroskop.

Lungenkrebs wird oft erst spät diagnostiziert

Lungenkarzinome verursachen die meisten krebsbedingten Todesfälle. NSCLC bildet dabei die häufigste Unterform des Bronchialkarzinoms. Je später die Erkrankung diagnostiziert wird, desto schlechter ist die 5-Jahresüberlebensrate. In Stadium I beträgt sie 68 Prozent. In Stadium II sinkt die 5-Jahresüberlebensrate bereits auf 45 Prozent, in Stadium III auf 22 Prozent. Im letzten Stadium, dem Stadium IV, überleben nur noch 6 Prozent aller Betroffenen länger als 5 Jahre.


Die tatsächliche Überlebensrate richtet sich auch nach der Tumorhistologie und der Mutation. Die Grafik zeigt, dass rund zwei Drittel aller Patient:innen ihre Diagnose erst im fortgeschrittenen Stadium erhalten.

Folgende Personengruppen zeigen ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko:

  • (starke) Raucher:innen / ehemalige (starke) Raucher:innen / (starke) Passivraucher
  • wiederkehrendes Einatmen von Giftstoffen (bspw. arbeitsbedingt); es gelten vor allem Asbest, Nickel, Chrom, Uran und Radon als krebserregend.
  • Leben in Regionen mit dauerhaft hohem Feinstaubwerten und hoher Luftverschmutzung
  • Personen, bei denen in der Verwandtschaft ersten Grades Lungenkrebs diagnostiziert wurde (erbliche Veranlagung)
  • Tuberkulose steht im Verdacht das Lungenkrebsrisiko zu steigern

Die Möglichkeiten der Behandlung haben sich in den letzten 60 Jahren fundamental verändert. In den 1960er Jahren waren die Behandlungsoptionen begrenzt. Oftmals entschieden sich die behandelnden Ärzt:innen für eine chrirurgische Lappenresektion. Rund 10 Jahre später setzten Mediziner:innen primär auf Mono-Chemotherapien. Die Einnahme/Gabe von lediglich einem Arzneimittel zeigte keinen ausreichenden Behandlungserfolg, sodass Mitte der 1980er Jahre die kombinierten Chemotherapien Einzug in die Leitlinien hielten.

21. Jahrhundert

2010er-Jahre

Diverse Kombinationstherapien

In der Onkologie bilden Kombinationstherapien eine feste Säule in der Therapie. Das medizinische Vorgehen hat Einzug in die medizinischen Leitlinien gefunden, da der Mehrwert der kombinierten Gabe seit Langem anerkannt ist.

Immunonkologische Therapie

Immunonkologische Therapien haben die Behandlung zahlreicher Krebserkrankungen verbessert. So sind beispielweise seit 2018 CAR-T-Zell-Therapien als immunonkologische Methode zugelassen. Bislang können diese Therapien gegen bestimmte hämatologische Krebsarten, also solchen, die von Blutzellen oder ihren Vorläufern ausgehen, eingesetzt werden.

Sequenzierung der Tumormutationen (NGS)

Die Sequenzierung der Tumormutationen (NGS) hat zu nennenswerten Erfolgen bei der Krebsbehandlung geführt

CT Früherkennung

Untersuchungen per Niedrigdosis-Computertomographie (CT) können eingesetzt werden, um bösartige Gewebeveränderungen in der Lunge früh zu erkennen.

Immunhistopathologie der Tumorbiopsie

Gewebeveränderungen können mittels dieser Methode genau untersucht werden.

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2000er-Jahre

Anti-Angiogenese Therapie

Unter Anti-Angiogenese versteht man eine medikamentöse Therapie, die die Gefäßneubildung (Angiogenese) verlangsamt oder stoppt. Das Tumorwachstum kommt zum Erliegen und mitunter können Tumore unter der Therapie sogar schrumpfen.

Gezielte Krebstherapie

Unter zielgerichteten Krebstherapien, auch targeted therapy genannt, versteht man die Behandlung mit Medikamenten, die gezielt in Vorgänge eingreifen, die für das Tumorwachstum wichtig sind.

19. Jahrhundert

1980er-Jahre

Chemotherapie (Kombination)

Durch die Kombination verschiedener Zytostatika kann eine bessere Wirksamkeit erzielt werden. Oftmals kommt es unter eine Kombinationsgabe zu weniger starken Nebenwirkungen.

20. Jahrhundert

1970er-Jahre

Chemotherapie (mono)

Chemotherapeutika oder Zytostatika greifen in den Vermehrungszyklus der Krebszellen ein. Einige Wirkstoffe werden oral, andere als Infusion verabreicht.

1960er-Jahre

Chirurgische Lappenresektionen

Bei dieser Operation wird ein Teil des Lungenlappens entfernt. So kann der Tumor mitunter entfernt werden. Der Begriff Lobektomie bezeichnet die Lappenentfernung eines Organes. Am häufigsten wird diese OP an der Lunge durchgeführt. Doch auch Leber und Schilddrüse können mit dieser Methode behandelt werden.



Ab Anfang der 2000er Jahre bis heute kamen zahlreiche Therapieoptionen zur Behandlung von Lungenkrebs hinzu. Neben der gezielten Krebstherapie ermöglichten immunhistopathologische Tumorbiopsien und die Sequenzierung der Tumormutation die Auswahl einer möglichst passenden Therapie. Die Früherkennung per Computertomographie (CT) ermöglichte es, die malignen Veränderungen bereits in einem frühen Stadium mittels bildgebender Verfahren zu identifizieren.

Zu den neuesten Therapieoptionen gehört die immunonkologische Therapie. Heute wird zudem nahezu jede/r Patient:in mit einer Kombinationstherapie behandelt. Durch die Entwicklung neuer Medikamente und deren Kombination konnte das 5-Jahresüberleben bei Lungenkrebs um mehr als 15 Prozent angehoben werden.

Neue Kombinationen steigern Überlebensraten

Derzeit sind 31 Wirkstoffe zur Behandlung von Bronchialkarzinomen verfügbar. Durch die gezielte Kombination passender Medikamente konnte das 5-Jahresüberleben von rund 15 Prozent (2000) auf rund 30 Prozent (2020) gesteigert werden.



Auch das 10-Jahresüberleben (in dieser Grafik nicht dargestellt) steigt an. Neue Therapieansätze zeigen zum Teil einen dauerhaften Behandlungserfolg.

Lungenkrebs wird häufig erst ab Stadium III erstdiagnostiziert. Der Fortschritt bei den Behandlungsmöglichkeiten hat dazu geführt, dass sich die Wirksamkeit der Therapie und die Lebensqualität vor allem im fortgeschrittenen Stadium verbessert haben.




Die Ansprechrate auf die ausgewählte Therapie liegt heute bei 46 Prozent. Vor 20 Jahren lag der Wert bei 19 Prozent. Auch das progressionsfreie Überleben und das Überleben insgesamt konnte bei Patient:innen im Stadium IV gesteigert werden. Heute überleben Patient:innen mit einem NSCLC-Lungenkarzinom im Stadium IV im Mittel 26,3 Monate.

Die langanhaltenden Behandlungserfolge sind auf die neuen gezielten Medikamente zurückzuführen. Immer weniger zytotoxische Chemotherapien sind am Markt verfügbar. Die größte Gruppe bilden heute die gezielten Krebstherapien. Sie machen mehr als die Hälfte aller verfügbaren Fertigarzneimittel aus. Kurz nach den mutationsspezifischen Therapien wurden die Anti-Angiogenese-Therapien eingeführt. Die neueste Wirkstoffgruppe sind die immunonkologischen Therapien.

Immunonkologische Therapien

Diese Arzneimittel wirken anders als zytotoxische Chemotherapien. Denn im Gegensatz zu Zytostatika, die sich direkt gegen den malignen Tumor richten, wird bei einer immunonkologischen Therapie das eigene Immunsystem angeregt, den Tumor zu erkennen und zu bekämpfen. Die monoklonalen Antikörper unterstützen das Immunsystem auf unterschiedliche Arten und Weisen, bei der Tumorerkennung. Die Wirkstoffgruppe der Immun-Checkpoint-Inhibitoren aktiviert beispielsweise die antitumorale Immunantwort. Hier kommen T-Zellen ins Spiel. Diese spezialisierten weißen Blutkörperchen sind eigentlich für die Vernichtung von schädlichen Zellen, wie auch Tumorzellen zuständig. Einige Tumore können Signalwege, mit deren Hilfe T-Zellen Tumore eigentlich als bösartig erkennen, ausschalten. Die bösartige Neubildung wird nahezu unsichtbar für das Immunsystem und kann wachsen. Durch Immun-Checkpoint-Inhibitoren erhält die T-Zelle Unterstützung im Erkennen des malignen Gewebes.


Mit immunonkologischen Therapien liegt die 2-Jahresüberlebensrate bei rund 65 Prozent. Die 5-Jahresüberlebensrate liegt bei rund 32 Prozent.






Ein Blick in die Zukunft: Neue Therapieansätze, zahlreiche Studien

Derzeit laufen in Deutschland 279 klinische Studien mit Patient:innen, die NSCLC-Lungenkrebs haben. Global sind es über 2000. Die Zahl der gestarteten klinischen Studien nimmt mittlerweile zu. Zwei Medikamente gegen die NSCLC-Unterform wurden in Deutschland entwickelt. Pharmaunternehmen setzen bei der Erforschung neuer Therapeutika auf zahlreiche Ansätze: Antikörper, bispezifische Antikörper und small molecules werden genauso untersucht wie Gen-, Zell- und RNA-Therapien. Auch an Krebsimpfungen gegen Lungenkrebs wird geforscht.






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