23. Juli 2024 Fortschritte in der Onkologie
Krebs ist mit 274.000 Todesfällen jährlich (Stand 2019) die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.
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DALYs
DALYs beschreiben die Krankheitslast. Die Abkürzung steht für Disability-adjusted life years. DALY dient als Summenmaß zur Berechnung des Beitrages von Tod und Krankheit an der Gesundheit der Bevölkerung (Quelle RKI). Das Maß setzt sich aus YLL (Years of life lost; durch Tod verloren gegangene Lebensjahre) und YLD (Years lived with disability; mit gesundheitlichen Einschränkungen gelebte Lebensjahre) zusammen.
Die meisten krebsbedingten Todesfälle entfallen auf die verschiedenen Arten des Lungenkrebses. Hierzu gehören unter anderem NSCLC, SCLC und das Mesotheliom.
Neue Therapien verändern die Behandlung grundlegend
In den letzten 60 Jahren hat sich bei der Behandlung von Krebserkrankungen einiges getan. Lag der Behandlungsfokus in den 1960er und 1970er Jahren vornehmlich auf der chirurgischen Entfernung des Tumors, einer Chemotherapie und einer anschließenden Bestrahlung, verfolgt die moderne Krebsbehandlung weitere Ansätze – dazu zählen beispielsweise gezielte Krebstherapien und Immunonkologische-Therapien. Auch spielen Kombinationstherapien heutzutage eine feste Säule in der Therapie, da die Substanzen zusammen noch besser wirken als allein. Dieses Vorgehen hat Einzug in die medizinischen Leitlinien gefunden, da der Mehrwert der kombinierten Gabe insbesondere bei onkologischen Erkrankungen seit Langem anerkannt ist.
2010er-Jahre
Zell- und Gentherapien
Bei einer Gentherapie werden einige Zellen der Patientin oder des Patienten mit einem zusätzlichen Gen ausgestattet, das entweder die Aufgabe eines schon vorhandenen, aber defekten Gens übernimmt oder die Zellen mit einer zusätzlichen Fähigkeit ausstattet, die therapeutisch wichtig ist.
Diverse Kombinationstherapien
In der Onkologie bilden Kombinationstherapien eine feste Säule in der Therapie. Das medizinische Vorgehen hat Einzug in die medizinischen Leitlinien gefunden, da der Mehrwert der kombinierten Gabe seit Langem anerkannt ist.
Sequenzierung der Tumormutation (NGS)
Die Sequenzierung der Tumormutation (NGS) hat zu nennenswerten Erfolgen bei der Krebsbehandlung geführt
Immunonkologische Therapie
Immunonkologische Therapien haben die Behandlung zahlreicher Krebserkrankungen verbessert. So sind beispielweise seit 2018 CAR-T-Zell-Therapien als immunonkologische Methode zugelassen. Bislang können diese Therapien gegen bestimmte hämatologische Krebsarten, also solchen, die von Blutzellen oder ihren Vorläufern ausgehen, eingesetzt werden.
2000er-Jahre
Immunhistopathologie der Tumorbiopsie
Mit dieser Methode können krankhaft veränderte Gewebeverbände genau untersucht werden.
Computertomographische Früherkennung
Durch das bildgebende Verfahren können bösartige Zellveränderungen in einem frühen Stadium festgestellt werden. Hierdurch kann der Therapieerfolg gesteigert werden.
1990er-Jahre
Gezielte Krebstherapie
Unter zielgerichteten Krebstherapien, auch targeted therapy genannt, versteht man die Behandlung mit Medikamenten, die gezielt in Vorgänge eingreifen, die für das Tumorwachstum wichtig sind.
Wächter-Lymphknotenbiopsien
Eine Wächter-Lymphknotenbiopsie beschreibt die Entnahme eines Lymphknotens zur anschließenden histologischen Untersuchung. Die Gewebeentnahme kommt bei Brustkrebspatient:innen zum Einsatz.
1980er-Jahre
Stammzelltransplantation
Bei der Stammzelltransplantation erhalten die onkologischen Patient:innen gespendete Stammzellen. Diese können vom Erkrankten selbst, oder von einem Fremdspender stammen.
1970er-Jahre
Hormontherapie
Aufgrund der Hormonempfindlichkeit einiger Tumore kann eine Behandlung mit Hormonen erfolgen. Zu den Krebserkrankungen bei denen eine Hormontherapie in Betracht kommt gehören beispielsweise Brust- und Prostatakrebs.
Palliative Bestrahlung
Die palliative Bestrahlung kann Schmerzen und andere Symptome von Tumorerkrankungen lindern. Metastasen können gezielt bestrahlt werden.
1960er-Jahre
Chemotherapie
Chemotherapeutika oder Zytostatika greifen in den Vermehrungszyklus der Krebszellen ein. Einige Wirkstoffe werden oral, andere als Infusion verabreicht.
Auch die gezielte Suche nach einzelnen Tumormutationen und später die Sequenzierung der gesamten Tumor-DNA (Next Generation Sequencing, NGS) hat zu den bemerkenswerten Erfolgen in der Krebstherapie beigetragen. Die molekulare Diagnostik kann für die genaue Diagnosestellung und die Therapiewahl genutzt werden. Hier geht es vor allem um die Auswahl zielgerichteter Therapien (targeted Therapies), denn diese zielen auf einzelne molekulare Strukturen in den Krebszellen ab. Zu den targeted Therapies gehören beispielsweise small Molecules (kleine chemische Arzneistoffe) wie Tyrosinkinase-Inhibitoren. Aber auch die größeren, bereits vielfach vertretenen monoklonalen Antikörper (mAbs) werden teilweise der zielgerichteten Krebstherapie zugeschrieben.
Neue Medikamente führen zu verbesserten Überlebensraten
Im Jahr 2000 waren über 70 Wirkstoffe zur Behandlung verschiedener Krebsarten zugelassen. Heute sind es mehr als 240 verschiedene Arzneistoffe. Das Spektrum umfasst vor allem Chemotherapien, Hormontherapien, gezielte Krebstherapien, immunonkologische Therapien und Gentherapien. Das 5-Jahresüberleben und auch das 10-Jahresüberleben stieg durch die Vielzahl an Therapieoptionen bei vielen Krebsarten und Stadien an.Durch Früherkennungsmaßnahmen, sowie neue Diagnose- und Behandlungsoptionen überleben über 50 Prozent der onkologischen Patient:innen zehn Jahre oder länger. Vor allem durch gezielte Krebstherapien und Immuno-onkologische Therapien konnte ein deutlich längeres Überleben erzielt werden.
Krankheitslast und Kosten
Krebserkrankungen verursachen eine hohe gesellschaftliche Krankheitslast. Der Begriff Krankheitslast beschreibt die Auswirkungen einer Krankheit auf eine Population in Bezug auf finanzielle Behandlungskosten, Sterblichkeitsrisiko, Gesundheitsbeeinträchtigungen und weitere anerkannte Indikatoren. 20 Prozent der 27 Millionen DALYs (siehe Infobox) entfallen auf Krebserkrankungen.Die Krankheitskosten fallen im Vergleich dazu gering aus. Insgesamt betrugen die Krankheitskosten in Deutschland im Jahr 2020 412 Milliarden Euro. 11 Prozent der Kosten entfielen dabei auf Krebserkrankungen. Nicht-onkologische Erkrankungen des Verdauungssystems verursachten vergleichbare Kosten.
Weitere Behandlungsarten in der Pipeline
2022 wurden für die Behandlung verschiedener Krebsarten 13 Medikamente mit neuem Wirkstoff zugelassen: Acht Medikamente zur Behandlung von Krebserkrankungen mit soliden Tumoren und fünf zur Behandlung von hämatologischen Krebserkrankungen. Ein Blick in die Entwicklungsprogramme der Firmen zeigt, dass auch in den kommenden Jahren zahlreiche neue Krebstherapien eine Zulassung erhalten dürften. So könnten 2023 rund 45 Medikamente zugelassen werden. Rund ein Drittel der Medikamente, für die 2023 eine Markteinführung in EU-Ländern möglich werden dürfte, könnte Menschen mit einer Krebserkrankung zugutekommen. Zu den innovativen Optionen, die zukünftig die Krebstherapie bereichern werden, gehören zum Beispiel therapeutische Impfungen und Arzneimittel, um das Immunsystem gegen den Krebs zu aktivieren, Krebszellen-attackierende Viren sowie Gentherapien.vfa-Podcast #MicroScope zu Krebsimpfungen
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