Direkt zum Inhalt springen
Suche Inline - Login

28. September 2026 Das Studienstandort-Barometer

Das Studienstandort-Barometer zeigt an, wie es um Deutschland als Standort für industrielle klinische Arzneimittelstudien steht und welche Erwartungen die Branche für die kommenden zwölf Monate hat. Es wurde 2025 vom vfa und dem Bundesverbands Medizinischer Auftragsinstitute (BVMA) ins Leben gerufen und von der Unternehmensberatung Vintura realisiert. 2026 schloss sich der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) an. Die aktuellen Barometerstände wurden im September 2026 ermittelt.

Grafik-Download: PNG-Datei oder JPG-Datei. Die Grafik ist mit Quellenangabe zur Verwendung frei.

Leider zeigen die Barometerstände vom September 2026 eine Situation der Ernüchterung: Die noch wenige Monate zuvor, bei der letzten Barometer-Erhebung im Januar 2026, prognostizierte weitere Steigerung der Studienaktivität ist ausgeblieben; vielmehr sank der Wert für die aktuelle Aktivität von +27 (im Januar) auf nunmehr +23. Auch wird für die kommenden Monate nur noch eine geringfügige Ausweitung um +7 erwartet (statt der im Januar erwarteten +34). Aus beiden Angaben lässt sich der nur noch leicht positive Gesamtwert von +15 (statt +31 im Januar) errechnen. Alle Werte sind bezogen auf Skalen von -100 bis +100.

Zwiespältigen Einfluss auf das Studienwesen hat den befragten Pharmaunternehmen und CROs zufolge das am 30. Juli in Kraft getretene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG). 38 Prozent der Befragten denken, dass es die deutsche Studienaktivität verstärken wird (etwa aufgrund seiner sogenannten 5-Prozent-Regelung, die Firmen Entlastung bei hohem Deutschland-Anteil an Studienprogrammen verspricht). Doch ebenso viele erwarten, dass Unternehmen angesichts des BStabG eine deutsche Mitwirkung an der klinischen Arzneimittelentwicklung in Frage stellen.

Für diese Werte und Auskünfte wurden Pharmaunternehmen und Auftragsforschungsinstituten für Studiendurchführung (CROs) befragt – alles Mitglieder von vfa, BPI oder BVMA. Die resultierenden Antworten von 25 CROs und 24 Pharmaunternehmen wurden dann je nach Studienaktivität gewichtet und verrechnet. Realisiert und ausgewertet wurde die Befragung – wie schon die ersten „Barometer“-Umfragen im Juli 2025 und Januar 2026 – von der Unternehmensberatung Vintura im Auftrag von vfa, BPI und BVMA.

Das nächste Update des Barometers ist für das erste Quartal 2027 geplant.

Eine Kapazitätsinitiative für die Klinische Forschung

Als Konsequenz aus den Ergebnissen schlagen BPI, BVMA und vfa in einem zehnseitigen Forderungspapier eine „Kapazitätsinitiative Klinische Forschung 2030“ vor. Sie fordern Bund und Länder auf, nach den regulatorischen Reformen nun gezielt die personellen, organisatorischen und digitalen Durchführungskapazitäten für klinische Prüfungen auszubauen. Das soll ohne Zeitverzug und deutschlandweit angepackt und bis 2030 stetig ausgeweitet werden. Damit sollen nach den regulatorischen Reformen der vergangenen Jahre nun auch die tatsächlichen Durchführungskapazitäten für klinische Prüfungen ausgebaut werden: mehr qualifiziertes Studienpersonal, professionelle und dauerhafte Strukturen in den mitwirkenden Kliniken und Praxen sowie bessere Möglichkeiten zur Identifikation und Rekrutierung geeigneter Patientinnen und Patienten.

Dazu gehört beispielsweise die Förderung zusätzlicher Studienkoordinatoren und professioneller Studienteams sowie digitale Strukturen, mit denen geeignete Patientinnen und Patienten schneller für klinische Prüfungen identifiziert werden können. Für die dauerhafte Umsetzung schlagen die Verbände zudem vor, eine eigenständige Trägerstruktur zu prüfen.

Wenn der aktuelle Engpass „Kapazität” nicht gezielt angegangen wird, so die Einschätzung der Autor:innen, bleibt jede regulatorische Beschleunigung wirkungslos. Deshalb brauche Deutschland jetzt diese zweite Stufe seiner Standortstrategie.

Das Papier ist hier abrufbar.

Frühere Erhebungen für das Studienstandort-Barometer

Bislang wurde dreimal ein aktueller Stand für das Studienstandort-Barometer erhoben. Die vorangegangenen Erhebungen fanden im Juli 2025 und im Januar 2026 statt.