23. März 2026 Arzneimitteltherapiesicherheit digital weiterdenken: Mit ePA und KI
Mehr Komplexität in der Arzneimitteltherapie
Arzneimitteltherapiesicherheit ist ein wichtiger Qualitätsfaktor moderner Gesundheitsversorgung. Mit steigender Lebenserwartung und zunehmender Multimorbidität werden Therapien stetig komplexer: Immer mehr Patientinnen und Patienten erhalten mehrere Arzneimittel parallel, häufig sektoren- und fachgebietsübergreifend verordnet. Damit wachsen auch die Anforderungen an Dokumentation, Abstimmung und kontinuierliche Medikationsanalyse. Bestehende Instrumente leisten einen wichtigen Beitrag – stoßen aber angesichts fragmentierter Datenstrukturen und ineffizienter Informationsverarbeitung zunehmend an systemische Grenzen.
ePA und KI: Neue Möglichkeiten für die Medikationsanalyse
Die elektronische Patientenakte (ePA) schafft erstmals die Voraussetzung, Medikationsdaten, Diagnosen und weitere gesundheitsrelevante Informationen strukturiert zusammenzuführen. Damit entsteht eine belastbare Datengrundlage für eine kontinuierliche und strukturierte Medikationsanalyse. In Kombination mit KI-gestützten Anwendungen können große Mengen an Informationen systematisch ausgewertet und in klinisch relevante Hinweise übersetzt werden. So lassen sich potenzielle Wechselwirkungen, auffällige Dosierungen oder Doppelverordnungen frühzeitig erkennen und transparent machen – als Unterstützung für die an der Therapie beteiligten Fachkräfte.
Daten verknüpfen, Risiken systematisch erkennen
In der Versorgung treffen mehrere Arzneimittel, unterschiedliche Fachrichtungen und verschiedene Behandlungsstationen aufeinander. Relevante Informationen liegen dabei häufig fragmentiert vor.
Werden Medikationsdaten, Diagnosen und qualitätsgesicherte externe Daten in der ePA zusammengeführt, können KI-gestützte Anwendungen diese kontinuierlich analysieren und in strukturierte Hinweise überführen.
Der Fortschritt liegt in der systematischen Verknüpfung bislang getrennter Daten. Aus Einzelinformationen entsteht ein konsistentes Gesamtbild – als Grundlage für mehr Therapiesicherheit und eine effizientere Versorgung.
KI-Readiness reicht nicht: Wo es noch hakt
Die ePA ist im Grundsatz so angelegt, dass ihre Daten KI-gestützt ausgewertet werden können. Ein klarer Leistungsauftrag für eine zentrale, qualitätsgesicherte KI-Infrastruktur besteht bislang jedoch nicht. Ebenso ist offen, in welcher technischen Umgebung solche Anwendungen innerhalb der Telematikinfrastruktur verlässlich und sektorenübergreifend betrieben werden können.
Ohne einheitliche Rahmenbedingungen drohen Insellösungen mit unterschiedlichen Qualitätsstandards und begrenzter Lernfähigkeit. Damit das Potenzial der ePA für die Arzneimitteltherapiesicherheit tatsächlich wirkt, braucht es eine konsistente technische und regulatorische Ausgestaltung.
Von statischer Regulierung zu lernenden Systemen
KI-Anwendungen in der Arzneimitteltherapie sind keine statischen Produkte, sondern dynamische Systeme. Sie werden weiterentwickelt, mit neuen Evidenzen abgeglichen und an veränderte Versorgungsrealitäten angepasst. Die bestehende Logik der Medizinprodukte-Regulierung ist jedoch primär auf fest definierte, unveränderliche Systeme ausgelegt.
Damit lernende KI-Systeme sicher in der Versorgung eingesetzt werden können, braucht es klare Verfahren für Qualitätssicherung, Aktualisierung und Transparenz. Nur wenn regulatorische Vorgaben und technische Innovationszyklen zusammen gedacht werden, lässt sich das Potenzial der ePA für mehr Therapiesicherheit nachhaltig erschließen.