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Neue Medikamente gegen Malaria, Tuberkulose und vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTD)

Malaria-Erreger im Blut (Sporozoiten-Stadium)Forschende Pharma-Unternehmen bieten bedürftigen Ländern Medikamente gegen Malaria und Tuberkulose Sonderkonditionen. Für die Bekämpfung etlicher armutsassoziierter vernachlässigter Tropenkrankheiten (NTDs) liefern sie ihre Medikamente sogar kostenfrei. Dazu haben sich 13 forschende Pharma-Unternehmen aus Industrienationen in der London Declarationvon 2012 verpflichtet; mehr dazu hier.

Neuentwickungen meist im Rahmen von Product Development Partnerships

Mehr als 200 Projekte

Der internationale Pharmaverband IFPMA hat bei Pharma-Unternehmen zahlreiche Projekte für Medikamente gegen die genannten Krankheiten identifiziert, von denen die meisten in größeren PDPs oder kleineren akademisch-industriellen Kooperationen durchgeführt werden.
Es sind:

Zum Beitrag der pharmazeutischen Industrie hat die australische Nichtregierungsorganisation Policy Cures Research den jährlichen G-FINDER Report veröffentlicht. In seiner zehnten Ausgabe stellt der Bericht am bisher umfassendsten die weltweite Finanzierung von Forschung und Entwicklung (F&E) von Medikamenten und Diagnostika gegen Krankheiten dar, die vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer betreffen, darunter HIV/AIDS, Malaria, Tuberkulose oder die Schlafkrankheit. Demnach hat die Industrie allein im Jahr 2016 Beiträge im Wert von insgesamt 497 Mio. USD zu den weltweiten F&E-Bemühungen geleistet, was 16% der gesamten globalen Finanzmittel ausmacht. Die Industriefinanzierung habe in den letzten drei Jahren neue Rekordhöhen erreicht; seit 2008 seien die gemeldeten Industrieinvestitionen um fast 50% gestiegen.

Der Bedarf für neue Medikamente ist je nach Krankheit unterschiedlich. Gegen Malaria und einige NTDs sind schon wirksame und verträgliche Medikamente verfügbar, z. B. gegen lymphatische Filariose (Elephantiasis), boden-übertragene Würmer und die Augenkrankheit Trachom – oder es gibt Impfstoffe wie im Fall der Tollwut; hier kommt es vorrangig darauf an, dass die Betroffenen nicht trotz vorhandener Medikamente unbehandelt bleiben. Die Behandlung mehrerer anderer Krankheiten ist hingegen bisher nebenwirkungsreich oder schwierig anzuwenden (etwa gegen Tuberkulose, Schlafkrankheit oder Chagas) oder kann die Krankheit nur zurückdrängen, nicht ausheilen (so im Fall der Echinococcose). Hier ist der Bedarf für neue therapeutische Medikamente groß ist. Aber auch bei Krankheiten, die wie die Flussblindheit oder Bilharziose grundsätzlich gut behandelbar sind, besteht teilweise Bedarf für weitere Medikamente, etwa schneller wirksame oder kindgerecht anwendbare. Und bei allen Krankheiten besteht die Gefahr, dass die Erreger gegen die vorhandenen Medikamente resistent werden.

Impfstoffe gibt es nur gegen eine dieser Krankheiten, die Tollwut. Bei allen anderen besteht Bedarf für Impfstoff-Entwicklung, soweit diese nicht (wie beim Schlafkrankheitserreger) aufgrund von Besonderheiten des Erregers gar nicht denkbar ist.

Zwingend nötig: Ausbau des Gesundheitswesens in betroffenen Ländern

Damit wirklich den Erkrankten und Gefährdeten geholfen werden kann, genügt es nicht, Medikamente zu liefern und neue zu entwickeln. Vielmehr sind weitere Anstrengungen in den betroffenen Ländern erforderlich. Jede Behandlung braucht einen Arzt, der sie anleitet, braucht sichere Lieferwege für die Medikamente, braucht auch ein Mindestmaß an Aufklärung über Gesundheit und Krankheit bei den Einwohnern. Wo den Menschen selbst das Geld für den Bus zum Arzt fehlt, ist eine nachhaltige Bekämpfung von Krankheiten nicht einmal mit gespendeten Medikamenten möglich. Hier müssen insbesondere Regierungen im Verbund mit Hilfsorganisationen und weiteren Akteuren ein Mindestmaß an Gesundheitsinfrastruktur schaffen – sonst bleibt auch aller Aufwand für die Entwicklung neuer Medikamente nutzlos.