Malaria-Erreger (im Sporozoiten-Stadium) (© vfa)
Forschende Pharma-Unternehmen stellen Medikamente gegen Malaria und Tuberkulose in bedürftigen Ländern zu Sonderkonditionen zur Verfügung. 13 forschende Pharma-Unternehmen aus Industrienationen haben sich zudem mit der London Declaration von 2012 verpflichtet, an der Ausrottung oder Eindämmung von zehn sogenannten vernachlässigten tropischen Krankheiten (neglected tropical diseases, NTDs) mitzuwirken und dafür ihre Medikamente zur Verfügung zu stellen: lymphatische Filariose, Lepra, afrikanische Schlafkrankheit, Trachom, Bilharziose, bodenübertragene Wurmkrankheiten, Chagas, viszerale Leishmaniose, Flussblindheit und Medina-Wurm-Befall. Mehr dazu unter hier.


Neuentwickungen häufig im Rahmen von Product Development Partnerships

Darüber hinaus entwickeln forschende Pharma-Unternehmen auch neue Medikamente gegen Malaria, Tuberkulose, Ebola und die NTDs. Während sie so etwas bis in die 1990er-Jahre nur vereinzelt taten, haben sie ihre Aktivität seit den frühen 2000er Jahre wesentlich verstärkt. Einen kleinen Teil solcher Projekte betreiben die Firmen im Alleingang, den größten Teil hingegen im Rahmen von Produkt­entwicklungspartnerschaften (Product Development Partnerships, PDPs) – also im Verbund mit Partnern wie Stiftungen, Forschungseinrichtungen, regierungsnahen und anderen Organisationen und anderen Unternehmen. Beispiele für große PDPs sind das Medicines for Malaria Venture (MMV), die TB Alliance, die Drugs for Neglected Diseases Initiative (DNDi), die PATH – Malaria Vaccine Initiative (PATH-MVI) und die Tuberculosis Vaccine Initiative (TBVI).

Im Rahmen der PDPs wird der finanzielle Aufwand für die Entwicklung auf mehrere Partner verteilt; im Gegenzug müssen sich beteiligte Unternehmen verpflichten, jedes aus der gemeinsamen Arbeit hervorgehende Medikament später an betroffene ärmere Länder zu Sonderkonditionen zu liefern.


Zahlreiche Projekte in allen Stadien

Der internationale Pharmaverband IFPMA hat bei Pharma-Unternehmen zahlreiche Projekte für Medikamente gegen die genannten Krankheiten identifiziert, von denen die meisten in größeren PDPs oder kleineren akademisch-industriellen Kooperationen durchgeführt werden.
Es sind:


Der Bedarf für neue Medikamente ist je nach Krankheit unterschiedlich. Gegen Malaria und einige der NTDs sind schon wirksame und verträgliche Medikamente verfügbar, z. B. gegen lymphatische Filariose (Elephantiasis), boden-übertragene Würmer und die Augenkrankheit Trachom – oder es gibt Impfstoffe wie im Fall der Tollwut; hier kommt es vorrangig darauf an, dass die Betroffenen nicht trotz vorhandener Medikamente unbehandelt bleiben. Die Behandlung mehrerer anderer Krankheiten hingegen ist bisher nebenwirkungsreich, schwierig anzuwenden (etwa gegen Schlafkrankheit oder Chagas) oder ohne Heilwirkung (Echinococcose), so dass hier der Bedarf für neue therapeutische Medikamente groß ist. Aber auch bei Krankheiten, die wie die Flussblindheit, Bilharziose oder Chagas grundsätzlich gut behandelbar sind, besteht teilweise Bedarf für weitere Medikamente, etwa schneller wirksame oder kindgerecht anwendbare; und es besteht immer die Gefahr, dass Krankheiten dadurch wieder problematisch werden, dass die Erreger Resistenzen gegen die vorhandenen Medikamente entwickeln.

Impfstoffe gibt es nur gegen eine dieser Krankheiten, die Tollwut. Bei einigen Krankheiten ist aufgrund von Besonderheiten des Erregers kein Impfstoff denkbar (Schlafkrankheit), aber bei den anderen besteht großer Bedarf, dass wirksame und verträgliche Impfstoffe entwickelt werden.


Zwingend nötig: Ausbau des Gesundheitswesens in betroffenen Ländern

Damit wirklich den Erkrankten und Gefährdeten geholfen werden kann, genügt es nicht, geeignete Medikamente zu entwickeln. Vielmehr sind weitere Anstrengungen in den betroffenen Ländern erforderlich. Jede Behandlung braucht beispielsweise einen Arzt, der sie anleitet, braucht sichere Lieferwege für die Medikamente, braucht auch – das Beispiel Ebola zeigt es – ein Mindestmaß an Aufklärung über Gesundheit und Krankheit bei den Bürgern. Wo den Menschen selbst das Geld für den Bus zum Arzt fehlt, ist eine nachhaltige Bekämpfung von Krankheiten nicht einmal mit gespendeten Medikamenten möglich. Hier müssen insbesondere Regierungen im Verbund mit Hilfsorganisationen und weiteren Akteuren ein Mindestmaß an Gesundheitsinfrastruktur schaffen – sonst bleibt aller Aufwand für die Entwicklung neuer Medikamente nutzlos.