Mit rund 338.000 Toten jährlich sind Herz-Kreislauf-Krankheiten nach wie vor Todesursache Nummer 1 in Deutschland; allein an Herzinfarkt sterben pro Jahr rund 48.200 Menschen (Stand 2014). Aber auch nicht-tödliche Herzkrankheiten belasten viele Patienten schwer. Deshalb forschen Pharma-Unternehmen weiter an Medikamenten, die Herz-Kreislauf-Krankheiten auf neue Art besser behandelbar machen.

Kardiologe "Dr. Heart" Stefan Waller über Herzschwäche, eine der am meisten unterschätzten Erkrankungen:




Gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gab es schon große Fortschritte: Heute sterben daran in Deutschland jährlich 18 % weniger Menschen als 1990, an Herzinfarkten sogar 40 % weniger. Dazu haben Medikamente wesentlich beigetragen. Trotzdem sind Herz-Kreislauf-Krankheiten mit rund 340.000 Toten jährlich nach wie vor Todesursache Nr. 1 in Deutschland. Und mit dem demographischen Wandel steigt die Zahl der Patienten mit chronischen Herzkrankheiten. Allein an chronischer Herzinsuffizienz (auch Herzschwäche genannt) leiden hierzulande schon rund 2 Millionen Menschen, und in zehn Jahren könnten es mehr als 3 Millionen sein. Deshalb forschen Pharma-Unternehmen weiter für bessere Medikamente gegen solche Krankheiten.

Chronische Herzinsuffizienz

Chronische Herzinsuffizienz ist oft die Spätfolge eines Herzinfarktes, einer Herzinfektion oder eines über Jahre ungenügend behandelten Bluthochdrucks. Dank medikamentöser Kombinationstherapie und Herzschrittmachern haben Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz heute schon eine weit bessere Lebenserwartung als noch vor 30 Jahren. Trotzdem ist es noch nicht gelungen, das Fortschreiten der Krankheit bei den Patienten ganz aufzuhalten. Mit den Neprilysin-Hemmern hat die Pharmaforschung 2015 eine neue Klasse von Herzinsuffizienz-Medikamenten herausgebracht, die Studien zufolge die Behandlung vieler Betroffener verbessern kann. Nun erproben Pharma-Unternehmen neue Wirkstoffe wie Myosin-Aktivatoren und gefäßerweiternde Medikamente sowie verschiedene Zelltherapien, um die Leistungsfähigkeit des Herzens der Patienten noch besser zu erhalten.


Rückgang der Herz-Kreislauf-bedingten Sterbefälle in Deutschland von 1990 bis 2014


Quelle: Deutscher Herzbericht 2015


Familiäre Amyloid-Kardiomyopathie

In manchen Fällen ist eine Herzinsuffizienz auch die Folge einer seltenen Erbkrankheit, der familiären Amyloid-Kardiomyopathie (auch Transthyretin-assoziierte Kardiomyopathie genannt). Bei dieser Krankheit sammeln sich im Herzmuskel anomale Proteine an, sogenannte Amyloide, die ihn schädigen. An dieser Krankheit leiden in der ganzen EU nur etwa 150.000 Menschen. Trotzdem entwickeln mehrere Pharma-Unternehmen Medikamente eigens gegen diese Krankheit; sie haben zum Teil bereits das letzte Erprobungsstadium vor der Zulassung (die Phase III) erreicht.

Lungenhochdruck

Beim ebenfalls seltenen Lungenhochdruck kann das Blut die geschädigte Lunge nur noch unter hohem Druck passieren. Das Herz, das diesen Druck aufbringen muss, nimmt dabei zunehmend Schaden. Unbehandelt ist Lungenhochdruck deshalb auf Dauer lebensgefährlich. Seit den 1990er-Jahren ist es Pharmaforschern gelungen, einige Formen dieser Krankheit medikamentös zu lindern und den Patienten einen Teil ihrer Leistungsfähigkeit zurückzugeben. Heute konzentriert sich die Pharmaforschung darauf, die Erfolge für die Patienten weiter auszubauen und auch andere Formen des Lungenhochdrucks behandelbar zu machen.

Forschungsstandort Deutschland

(© vfa / adlerschmidt)


Mehrere forschende Pharma-Unternehmen betreiben ihre Labors für die Erfindung neuer Herz-Kreislauf-Medikamente in Deutschland. Die Unternehmen knüpfen damit an die Erfolge des 20. Jahrhunderts an, als viele wesentliche Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten – darunter viele Blutdrucksenker – in Deutschland entwickelt wurden.

Unsere interaktive Standortkarte zeigt Ihnen auf einen Blick die Labors für Herz-Kreislauf-Forschung in Deutschland.