Industrielle Pharmaforschung hat in Deutschland eine lange Tradition und eine bewegte Gegenwart. Einen guten Eindruck davon vermitteln mehrere Ausstellungen in deutschen Museen in Berlin, München und Mainz. Ein Besuch lohnt sich!


Modell einer Nervenzelle im Deutschen Museum (© Deutsches Museum)
So zeigt das Deutsche Museum in München in seiner Dauerausstellung „Pharmazie – You are Chemistry“, welche Behandlungsmöglichkeiten die Pharmaforschung im Laufe der Jahrzehnte für Herz- und Infektionskrankheiten, Krebs und einige weitere Leiden geschaffen hat. Am Beispiel der „Pille“ schildert sie auch, wie kontrovers es bei der Einführung einiger Medikamente zuging. An Modellen macht sie anschaulich, wo im Körper Medikamente ansetzen. Die „Begehbare Zelle“ im Zentrum der Ausstellung hat sich zum beliebten Treffpunkt für Schulklassen und andere Gruppen entwickelt, die das Museum besuchen. Viele vfa-Unternehmen haben zur Ausstellung beigetragen. Mehr zur Ausstellung, die sich seit 2011 aktualisiert präsentiert, finden Sie auf der Website des Museums.


In seinem „Zentrum Neue Technologien“ (ZNT) stellt das Deutsche Museum zudem die moderne Biotechnologie vor. Exponaten und interaktive Touch-Vitrinen machen dort anschaulich, wie sich die Möglichkeiten der Medizin durch Biopharmazeutika erweitert haben, deren Herstellung erst durch Gentechnik möglich geworden ist. Auch werden einzelne Wissenschaftler und deren Forschungsprojekte vorgestellt. „Nachgedacht-Stationen“ hinterfragen die dargestellten Themen auch an ausgewählten Stellen.

Im DNA-Besucherlabor des Deutschen Museums darf jeder selbst Versuche durchführen (© Deutsches Museum)
Im zugehörigen DNA-Besucherlabor darf jeder unter Anleitung von Wissenschaftlern selbst Versuche durchführen und mit einer Pipette und anderen Laborgeräten aus der Molekularbiologie umgehen. Dabei kann man nicht nur die alltägliche Arbeit der Forscher im Labor nachvollziehen, sondern erfährt auch Wissenswertes zur Zellbiologie, Vererbung und Gentechnik. Einen guten Eindruck über die Ausstellung, die das Unternehmen Amgen unterstützt hat, vermittelt die zugehörige Website.


Forscher diskutieren über die Struktur von Sexualhormonen für die „Pille“ (© Schering Archiv, Bayer AG)
Wie in München genießt die „Antibabypille“ auch in Berlin große Aufmerksamkeit: In der Dauerausstellung „Pillen und Pipetten“ im Deutschen Technikmuseum. Denn zur hier gezeigten Sammlung hat die Schering Stiftung viele Stücke und Informationen aus der Geschichte des gleichnamigen Unternehmens beigetragen, das in Westdeutschland die ersten „orale Kontrazeptiva“ (wie sie pharmazeutisch korrekt heißen) auf den Markt brachte. Labor- und Produktionsgeräte machen deutlich, wie stark sich die Arbeitsweise der Erfinder und Hersteller von Medikamenten im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Auch über diese Ausstellung informiert vertieft die Website des Museums.


Plakat zur Ausstellung in Mainz (© Naturhistorisches Museum Mainz)
Wie die Pharmaforscher im 21. Jahrhundert arbeiten, hat vom Juni 2011 bis Mai 2012 auch die Ausstellung „Boehringer Ingelheim – Ein Medikament entsteht“ veranschaulicht - zunächst im Museum Biberach, dann im Naturhistorischen Museum Mainz. Sie erläuterte, wie Forscher Ansatzpunkte im Körper für die Behandlung finden und sich mit Hilfe von Chemielabors und Computern Wirkstoffe erarbeiten, die daran ansetzen. Sie zeigt, dass einem neu erfundenen Wirkstoff noch ein langer Testmarathon bevorsteht und Erfindungsreichtum auch für seine Verarbeitung zu einer geeigneten Darreichungsform gefragt ist, ehe schließlich ein Medikament zur Zulassung eingereicht werden kann. Partner bei der mit dem Red Dot Award für Design ausgezeichneten Ausstellung ist die Firma Boehringer Ingelheim, die Forschungslabors u. a. in Deutschland unterhält.
Zwar ist die Ausstellung beendet, doch der ausführliche Ausstellungskatalog kann weiter vom Museum Biberach bezogen werden (siehe Artikelübersicht auf der Seite).


Gelegenheit, einmal „echte“ Labore zu sehen und sich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Forschungsabteilungen zu unterhalten – Wissenschaftler, Ingenieur, technische Assistenten und andere – bieten auch die „Tage der Offenen Tür“ oder „Tage der Ausbildung“, wie sie viele forschenden Pharma-Unternehmen einmal im Jahr veranstalten. Die einzelnen Termine erfährt man auf der Unternehmenswebsite oder bei der Kommunikationsabteilung.